Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 8 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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o J^ocbmale: Vas landwtrtfcbaftHcbe Ghetto* üke Die Jüdisch-Liberale Zeitung weil wir in das allgemeine Freudengeschrei der Judensiedlung Groh-Gaglow nicht Wir lassen uns sonst nicht gern auf Polens! denkenden" Juden ein: diesmal sei eine Ar weil sich an dem Unmut des „liberalen" Sch von grundsätzlicher Bedeutung dartun läht. Unserem Hinweise darauf, dah landw tätigung der jüdischen Deutschen „nur dann bat. wenn sie im Rahmen der deutschen V schaft erfolgt", begegnet die Zeitung mit dah Groh-Gaglow „in Deutschland liegt", dacht! In Berlin gibt es indische' und chin gibt auch eine Ortsgruppe der zionistischen Gehören die Mitglieder dieser Einrichtungen Volksgemeinschaft'? Wir haben von künstlichem Ghetto, Stärkung der Iudenfeindschaft gesprochen. „Ob Sie wohl solche Folgerungen auch be l i sch en Siedlung ziehen würden'?" Wir Herr liberale Schriftleiter iit nicht so — u er sich stellt: Oder hat er wirklich immer st mit uns böse, r die Gründung ehistimmen wolleü. k mit „andersuhnahme gemacht, ijftleiters Einiges rtschaftliche Bc- Sinn und Zweck olksgemeinder Feststellung, Wie tief durchsische Klubs, es Organisation, nuch zur deutschen Absonderung und as Blatt fragt: einer kathoineinen .doch, der unterrichtet, wie noch nicht verstanden. dah — im Gegensätze zu einer etwaigen ..Katholikenfrage" — die Judenfrage für keinen Menschen in Deutschland eine Religionsfrage ist, wenigstens für keinen Nichtjuden? Im übrigen sind wir überzeugt, dah auch eine geschlossene Katholiken-Siedlung in ausgesprochen protestantischer Umwelt, etwa in Ostfriesland, sehr starken Widerständen begegnen würde, vielleicht nicht so stärken, wie eine Juden-Siedlung. aber immer noch so. 8ah viele Siedler bald am Leben verzagen würden. j Was die Umwelt reizt, ist die blohe Tatsache. d!ah mitten in ihr eine Menfchengruppe. die anders ist und anders fest» will, ein betontes Eigenleben zu führen versucht. Dieser Reizzustand tritt erfahrungsgemäh auch dann ein. wenn für die Absonderung triftigste Gründe vorliegen. Logik ist solchen Urgefühlen gegenüber machtlos. Und dah in Groh-Gaglow das „Judescin" systematisch gezüchtet werden wird, dafür bürgt die starke Beteiligung jüdischnationaler Elemente. Io 'Zionisten Mitwirken, ist die Ghettobildung unausbleiblich. Damit ist natürlich die Frage nicht gelöst, wie die landwirtschaftliche Betätigung der jüdischen Deutschen wirtlich gefördert werden kann. Wir werden auf diese Frage in einem besonderen Aufsatz zurückkommen. betrachten Sie es aber als einen Beweis Hochachtung und Wertschätzung, mit der ich Ihr ergebener Dr. Ludwi der vorzüglichen nerbleibe g Singer. HI. Dr. Raumann an Professor Ar. Singer . Sehr verehrter Herr Ar, Singer In der Vorbemerkung, mit: der wir n unserer Juli- Nummer den Abdruck Ihres Schreibens c mleiteten, haben wir von einem Nicht-Ergebnis Ihrer Betracht mgen gesprochen. Damit ist im Grunde schon alles gesagt, ms wir Ihnen zu erwidern haben, aber wir sind es Ihrem ehrlichen Bekennermut schuldig, nicht mit einem kurzen Wort der Ablehnung über Ihre Ausführungen hinwegzugehen. Sie^srnd offen gewesen und das sei Ihnen gedantt. Gestat en Sie mir. mit Offenheit zu erwidern. Resignation ist kein Ergebnis, sie ist fi r Menschen, die mehr als Objekte einer ustfahbaren Vorbestimiliung sein wollen, nicht einmal Entschuldigung für ein Richt-E rgebnis. Gerade das religiöse Judentum, auf das Sie. sich b -rufen, kennt die müde Schicksalsergebenheit nicht. Sie stell: den Menschen unter das Gebot der Pflicht, und Pflicht ist Tat. Es reicht nicht aus. „der Stadt Bestes zu suchen ' im Bewuhtsein, dah doch „alles vergeblich" sei. So schlaff« morgenländische Weisheit wollen wir keinem Propheten glauben, mag er Jeremia heihen, der zu „Hinwegaeführten" st rach, oder Jakob Wassermann, der auf seinem „Weg als Deutscher und Jude" bei jedem Schritt über Bindestriche stolpert Wir halten es mit Faust, dem Deutschen, oder noch besser n it dem Deuts<h«n Goethe. Im Anfang ist überall die Tat, und wer immer st r e b e n d sich bemüht, dessen Ansterbliches trägt die Kraft der Erlösung zum verklärten Gipfel. Auf dem „strebend" liegt der Ton, nicht auf dem Bemühen, das auch trockene, selbst dumpfe Gewohnheit sein kann, alltägli hes Bürger- und Ehrenmanns-Handwerk ohne , den inneren Auftrieb, der zur Höhe führt. Streben heiht, sich nicht der Gegenwart und noch weniger der Vergangenheit unterwer en, sondern die Zukunft wollen und sie gestalten. Gestalter aber heiht Zugreifen. auch wenn und gerade wenn die Fin >er schmerzen. Nichts für ungut, verehrter Herr Ar. Singer! Nichts liegt mir ferner, als Sic abzukanzeln wie ein überheblicher Schulmeister. Nur aufzeigen will ich, was uns, trotzdem wir beide im echten Gefühl Deutsche sind, von einander trennt, im Entslheidenden trennt. Dieses Trennend: ist kein Besser¬ oder Schlechtersein, es ist nur ein Unterschied im Temperament oder, richtiger gesagt: im Härtegrad. Sie i reinen, in Ihrem Oesterreich sei alles so anders, als in uns« rem Deutschland, und darum habe für Sie das Wort „natii nal" einen unerträglichen Nebensinn erhallen. In diesen, „unerträglich" liegt der Unterschied. Es gibt Dinge, die ertragen oerden müssen, so schwer sie ckuch sind, und die auch ertragen i r-erden können, wenn in uns der Wille zum Ziel.stärker it, als der Wille zum Behagen. Wer vorwärts wilh darf sich nicht durch den Mißbrauch eines Wortes aufhalten oder gar übschrecken lassen. Im übrigen: die rein tatsächliche Lage i t bei Ihnen nicht entfernt so verschieden von der unsrigen, wie , s Ihnen erschenrt. Ihr Judenproblem ist unser Judenproblem, und nur dadurch ist das Bild etwas verschoben, dah Sie und Ihre arischen Gegenspieler alle zusammen — Oesterreicher sind. Im Oesterreichertum, nicht im Ariertum oder Judentum, liegt der Grund dafür, dah Ihr drüben jenseits der Grenzpfühle io wild aufeinander losgeht und Euch doch im Grunde nicht viel tut. Liebenswerte, prächtige Menschen seid, Ihr, viel umgänglicher,' als wir sachlichen Reichsdeutschen mit unserem Schuh Feldwebelwesen. Aufbrausend seid Ihr auch und wohl auch einmal zuschlagenv, aber, im tiefsten Grunde seid Ihr doch weich und ein bihchen spöttisch oder nennen Sie es ruhig weise, zu weise jedenfalls, um vorwärts zu kommen. Ihr wiht zu gut, hah alles schliehlich nicht halb so schlimm ist. und Ihr meint es gar nicht so böse. Darum raunzt Ihr wohl ^über die Dinge, die Euch im Augenblick drücken, aber Ihr kämpft nicht mit ihnen, und dann schämt Ihr Euch wieder ein bihchen, dah Ihr nicht kämpft, und dann werdet Ihr wehmütig und zuckt die Achseln und sagt: „Da kann man nir machen". Ob ihr nun „Arier" seid oder Juden — Euer Achselzucken ist typisch österreichisch. Dah wir heute auch in Deutschland so viel wehmütige Achselzucker haben, liegt vielleicht daran, dah Ihr so viel Intellektuelle nach Deutschland eiportiert, für uns zu viel, wenn auch für Euch, die Ihr ständigen Nachschub aus dem Osten habt, noch immer zu wenig. Und das erklärt vielleicht wenigstens teilweise, dah bei Euch das Judenproblem in noch grellerem Gewände erscheint, als bei uns. Aber es ist das gleiche Problem hier wie dort, und die Parole für jeden, der zur Lösung des Problems beitragen will, heiht bei Euch wie bei uns: aushalten, durchhalten, nichtweichwerdn. Nochmals: nichts für ungut. Vielleicht hat Sie meine Analyse des Oesterreichertums in Ihrem Nationalgefühl gekränkt. Aber wäre das nicht der beste Beweis dafür, dah dieses Gefühl auch dort lebendig ist, wo das viel mihbrauchte und doch nicht ersetzbare Wort „national" aus Ressentiment abgelehnt wird? Glauben Sie mir. Herr Ar. Singer, auf den Härtegrad kommt es an. Wir dürfen nicht sagen: „es ist vergeblich'.', dürfen uns nicht damit, bescheiden, unsere Bürgerpflicht zu tun und uns im übrigen dem Kismet zu unterwerfen. Wer aufgibt, hat verloren. Wir wollen nicht verlieren, wollen unser Deutschtum und die deutsche Zukunft unserer Kinder ikicht verlieren, und darum dürfen wir Nicht üufgeben. Gerade dort,' wo es den Juden schwer gemacht wird, nationaldeutsch zu sein, ist ein Zusammenschluh. ein Zusammenarbeiten der nationaldeutschen Juden notwendig. Ich danke Ihnen herzlich für die würdige Form, in der Eie uns gegenüber Ihren Standpunkt vertreten haben. Wir sind nicht verwöhnt, auch von seiten unserer jüdischen Stammesgenossen nicht. Was Sie uns vom Standpunkte Ihrer vermeintlich so anderen österreichischen Lage in ernster und saihlicher Form vorgehaltxn haben, ist uns von reichsdeutschen Juden oft genug unter Verhöhnungen und Beschimpfungen vorgehalten worden. Wir haben das gleiche getan, was wir gegenüber den Beschimpfungen und Verhöhnungen der HakAikreuzler tun. — wir schieben sie beiseite und gehen unseren Weg. Der Weg ist schwer, aber er wird nicht „vergeblich" sein. Und sollten wir Heutigen den Erfolg nicht erleben, wir werden, so lange wir leben, dennoch nicht ablassen, uns strebend zu bemühen. Mit vorzüglichsr hochachtung und deutschem Eruh . Ihr sehr ergebener ' . Naumann. Für die Schriftleitung verantwortlich: Ar. W Druck von Rob. Rohde Rchflg., Berlin W. 38, deutsch« r Dr. Wal ter Laaser, Berlin; Verlag: Verband ckNtioualdeutfcher Juden lk. v., Berlin W 38. — — Kür Herausgabe und Schriftleitung in Oesterreich veranüvortlich: verband nationalc Juden, Wien U, Praterstratze 84, Zimmer W.