Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 5 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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lnummer 20 Pfennig. naüonalöeuWe Jude Mlttellllvgsblatl desverbandes nationaldeutscherZudeuLv Lel Das Mitteilungsblatt erscheint monatlich Geschäftsstelle des Verbandes und Lchriftleitnng des Mitteilungsblattes: Berlin W35, Blumeshof Lützow 5333/34. Bankkonto: Martin Schiff, Berlin WS, Jägerstr. 9. \ Postscheckkonto Berlin Ar S. 111231 Iahrgans {93^ Mai Nr. S ' Aus 6cm Inhalt: Vriefrvechfel mit einem Dentschvoltifchen von vr.x Wilhelm Stapel und Ot. Max Naumann. —- Va» Rnfsengeschäft von S. Na st. — Nach zehn Jahren von Or. S. Breslauer. — Leldmarfchall Moltke von Lrnst Berg. Die netten sVlörcker. Unser Zeitalter der neuen Humanität hat einen neuen Typus hervorgebracht, den netten Mörder. Es ist üblich geworden. die Mitbürger, die wegen Mcnschenbescitigung angeklagt sind, im Gerichtssaal mit „Herr" anzureden. Und die Herren Mörder zeigen sich, von seltenen Ausnahmen abgesehen. erkenntlich. Sie toben nicht,! schreien nicht, springen nicht über die Schranke der Anklagebank dem Vorsitzenden oder dem Staatsanwalt an den Hals, sie sindj ruhig, wohlerzogen, feinfühlig, sachlich, kurz: ausgesprochen i nett, zeigen volles Verständnis für die peinliche Lage des Richters, der ihnen unangenehme Fragen stellen und sie gegebenenfalls verurteilen mutz, und sie geben bereitwillig, meist mit wüsenichaftlicher Gründlichkeit und bewundernswerter SachkenRnis, Auskunft über ihr Seelenleben vor. bei und nach der Tat. Die Erörterungen haben oft den Klang scharfsinniger Dislussionen über medizinische und soziale! Probleme. Angeklagte und Gericht verkehren miteinander tzuf dem Fritze gegenseitigen Respekts, wie Fachleute, die bestrebt sind, in bester Ordnung zu erledigen, was nun einmal erledigt werden mutz. Gelegentlich greift daswohlwollende! Verständnis des Angeklagten über den Richtertisch hinaus! auf andere Personen, die in irgendeiner Form notgedrungen beteiligt sind, etwa auf Angehörige des Mitmenschen, den! man bedauerlicherweise hat umbringen müssen, oder auf die Presse, der zum Beispiel der Massenmörder Kürten seine Anerkennung' für ihre matzoolle Berichterstattung in wohlgesetzten Worten ausgesprochen hat. Diese Feststellungen sollen keineswegs ein Lob der Vergangenheit auf Kosten der Gegenwart ffem. Von einem Strafkammer-Vorsitzenden des alten Berlin wurde erzählt, er habe jede Verhandlung mit. den Worten eröffnet: „Angeklagter,^ liehen Sie auf! Sie werden nachher noch lange genug, sitzen." Dieses mit Recht überwundene System soll gewitz nicht geprielen yder zurückgewünscht werden. Aber man kann auch des Guten etwas zu viel tun, und die Frage ui,, ob das heutige System des Verkehrs mit Mördern nicht mindestens ebenso starken Bedenken unterliegt. Die betont" verständnisvolle Behandlung, die man heute den Menschentötern zuteil werden lätzt. hat. allmählich dazu geführt, datz die Herren Mörder sich als eine Art Berufs- Itand fühlen. 'der Anspruch auf. Berücksichtigung seiner besonderen Fachinteressen erhebt wie jeder andere Stand. Die sogenannte „neue Sachlichkeit", die früher nur «n den Bezirken der Serualität detrieben wurde, feiert heute Triumph« auf kriminellem Gebiet. Und dadei Müssen wir wiederum feststellen, was schon einmal unter dem Titel „Politische Unterwelt" an dieser Stelle Gegenstand unserer Betrachtung war: die politischen Herren Mörder verhalten sich m allem Wesentlichen genau so, wie ihre Herren Berufsgcnossen, f die andere Spezialfächer isiegen, etwa den Versicherungs¬ oder den Serualmprd. Lie alle sind nette, sympathisch« über sich selbst und ihre »raktische!r Sachlichkeit zu diskutieren. Sie ganz autzerhalb ihrer Menschen mit der Fähigkeit, Tätigkeit init wissest chaftlich stehen, wenn man ie hört Grunde autzerhalb Tiefe liegt stets dei gleiche der eigmen Persönlichkeit. Und sähigkcit pder lermeinkliche Unfähigkeit sozialen Triebe zu widerstehen. Jeder 'Trieb geht a ttrtrieb zurück, und Beseitigung eines lästigen jeder Uxtricb ist unsozial, ob ernun aus Todesurteil angenommen: e letzten Augenblicke begnadigt gehen. Und die Presse, m gespendeten Lobs, wird diese Wirkungsfaktor. Es ist Tat, im in de» die Uni einem unuf einen Mitgeschöpfes, auf Befriedigung geschlechtlicher Bedürfnisse öder „nur" auf Aneigimng erwünschter Gegenstände, die zufällig eincin änderen gehö.rcin>i hinausläuft. Die Seelen der Herren Mörder sind in dieser Hinsicht primitiv wie die der Kinder, die mit Selbstverständlichkeit nach jedem klitzerndün Ding greife» und mit Selbstverständlichkeit Zuschlägen, wenn jemand sie behindert. So ist der Gegensatz zwischen Richtern und Angeklagten im Grunde der Gegensatz zwischen der älteren und jüngeren Generation. Die Mörder sind Jugendliche, wenn nicht an Lebensjahren, so doch in ihrer kindlich-primitiven hemmungslosen Triebhaftigkeit. Und es ist ja rin Wesfnsmerkmal unserer Zeit, >dah die Aelteren sich vor bin Jüngeren fürchten, datz sie gegenüber der Sachlichkeit unserer zeitstemätzcn Jugend schlechthin wehrlos sind.! Sachlich ist meist auch die Form, in der man die Folgen der Tat in den Kauf nimmt. Der Mörder Kürten hat das >t wird, wenn , man ihn nicht im in bester Haltung zum Richtplatz dankbarer Erwiderung des ihr Haltung mit Respekt anerkennen. Respekt mag sein. -+ aber die Opfer, die unter Qualen gestorben sind, werden auch durch nettes Benehmen des Herrn Mörders dei Hinnahme der Todesstrafe nicht wieder lebendig. Item: Es wäre! begrützenswert. wenn unsere Mörder etwas weniger nett wären etwas weniger gemordet würde. — und zum Ausgleiche dafür M. N. Achtung! Einladung zum Vortragsabend zur Hauptvers a jit mlung und 8, Seite dieses B lattes.