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Der nationaldeutsche Jude · 1930-12-01 · Nr. 12 (Dezember 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 12 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I Einzelnummer 20 Pfennig. i Mtkeiluugsblatl desverbandes nationaldeutscher Zuden Lv i; Das Mitteilungsblatt erscheint monatlich Geschäftsstelle des Verbandes und Schrifileitung des Mitteilungsblattes: Berlin WZ5, Blumeshof 9. Sei.: Cü^on) 5333/34. Bankkonto: Martin Schiff, Berlin W5, Jägerftr. 4. Postscheckkonto. Berlin Ar. I 11231 Jahrgang J930 j Dezember Nr. \2 Aus dem Inhalt: Jnr Methodik ber Nntifemitiemu»«Problem» von Siegfried von def Trenck. — Moratorium? von S. N a st. — Mahlen zum österreichischen Nationalrat ven l)r. tzugo Spiegler. Keine Leichenrede. Von Max Naumann. Leichenreden nennt man beim Kartenspiel die reizvollen Erörterungen, die iich um erledigte Spiele entspinnen, «ie behandeln das unerschöpfliche Thema, tuie, es wohl gekommen wgre, wenn der eine dies getan und der andere jenes unterlaisen hätte. Man führt diese angenehmen Unterhaltungen mit dem ganzen Aufwand von Rechtbehalten, Besserwissen. Vorausgesehenhaben, Nichtverstandenwordensein, in denen'sich unfruchtbare Geltungsbedürfnisse ausleben. Der erzieherische Wert, der von gewohnheitsmähigen Leichenrednern ihren Ergüssen beigelegt wird, ist gleich Null, denn keine Leichenrede berücksichtigt alles Unwägbare, Unberechenbare. die tausend Kleinigkeiten, die in der Kartenverteilutg, der Augenblicksstimmung eines Partners,, dem Zwang-zu unverzüglichem Handeln liegen — kurz: alles das, was wir Zufall, Glück und gelegentlich auch Schicksal nennen. Das praktische Ergebnis der meisten Leichenreden besteht nur darin, das Spiel aufzuhalten. Die Wahlen zu den jüdischen Gemeindekörperschaften sind vorüber, und es ist zu erwarten, dah nunmehr eine Fülle von Leichenreden sich über die wehrlosen Leser der jüdischen Sonderpresse erziehen wird. Wir wollen uns gn dieser fruchtlosen Unterhaltung nicht beteiligen. Das alte Spiels ist erledigt, das neue beginnt. Betrachten wir in Ruhe die Situation, die iich aus der neuen Kartenmischung ergibt.' Die „Deutsche Liste", für die sich führende Mitglieder unseres Verbandes gemeinsam mit anderen deutschfühlenden Juden eingesetzt haben, hat für den Preuhischen Landesverband jüdischer Gemeinde» ihren Spitzenkandidaten durchgebracht. Für die Repräsentanten - Versammlung der Gemeinde Berlin ist auf die „Deutsche Liste" kein Mandat enüallen: es fehlten uns rund 250 von 1600 Stimmen. Dieses Ergebniist bedauerlich. Es wäre zu begrüben gewesen, wenn auch in die Repräsentantenoersammlung einer unserer Kandidaten ungezogen wäre: er hätte wenigstens die sichere Gewähr dafür geboten, dahdie Kenntnis von jedem Rückfall in die Zustäiide der Vorwahlzeit sofort und in ganz unmitzoerständlicher Fi rm den Weg in die deutsche Oeffentlichkeit gefunden hätte. Wir wollen trotzdem nicht in die Gepflogenheiten de: Leichenredner verfallen. sondern versuchen, aus der Situation, wie sie nun einmal ist, „das Beste zu machen". -! - Bon dem Preuhischen Landesverband wollen wir absehen. Wir haben dieses unfruchtbare Gebilde stets lediglich als eine Gefahrenquelle betrachtet! Der Verbandstag, der aus den jetzigen sogenannten Wahlen! heroorgegangen ist, wird dadurch gekennzeichnet, dah eine wirkliche Wahl lediglich in Berlin stattgefunden hat. Im ganzen übrigen Preuben sind Einheitslisten ausgestellt worden, durch die man einen Wahl' kampf vermieden hat. Solche Einheitslisten sind stets das Ergebnis fauler Kompromisse, in denen bisher stets die Jüdischnationalen die Gewinner waren. Daran wird sich auch dies mal nichts ändern, trotzdem in Berlin die Liberalen ihre Stellung verstärkt haben, und auch der Vertreter der „Deutschen Liftes wird in dieser Versammlung nicht allzu viel ausrichten können. Was geschehen kann, ist lediglich schärfste Aufmerksamkeit gegenüber jedem Versuche der Iüdischnationalen, ihre jüdischvölkischen Bestrebungen als - Willensausdruck der „Gesamtjudenheit" hinzustellen. Diese Aufmerksamkeit wird besonders erforderlich sein, wenn wieder,, wie in dem vorigen Verbandstag, eine Neufassung des Preuhischen Judengesetzes von 1847 als Vorlage an die Preuhische Staatsregierung zur Beratung gestellt werden sollte. Die Persönlichkeit „unseres" Delegierten bietet die Gewähr dafür, dah der Augenblick nicht versäumt wird, in dem auf die hier entstehenden, Gefahren für die Stellung der jüdischen Deutschen zu ihrer nichtjüdischen Umwelt iziit gröhter Deutlichkeit hingewiesen werden muh. Wichtiger und zukunftsreicher ist die Lage in der Repräsentantenoersammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin, weil diese gröhte Gemeinde Deutschlands ein Spiegelbild der Eesamtzustände ist und weil gerade diese Gemeinde von den Jüdischnationalen. solange sie an der Herrschaft waren, unverhohlen als Operationsbasis für ihren Feldzug gegen das Deutschtum benutzt würde. Nach dem Wahlergebnis entfallen von 41 Mandaten 24 apf die Liberalen, 15 auf die Jüdischnationalen leinschliehlich der zionistischsozialistischen Partei Poale .Zion) und je eines auf die „religiöse Mittelpartei" sowie die neugegründete „Ueberpartei". Der Mittelparteiler und der Ueberpgrteiler gehören selbstverständlich zu den Jüdischnationalen: der Ueberparteiler ist der bekannte bisherige Leiter des Berliner Gemeindeblattes, der Jüdischnationale l)r. F r e u n d. Es stehen somit 24 Liberalegegen 17 Jüdischnationale. Dies bedeutet eine klare Mehrheit für das Deutschtum — vorausgesetzt. dah Liberalismus und Deutschtum sich in Zukunft als wesensgleich erweisen sollten. Ob dies der Fall sein wird, ist die Frage, von deren Beantwortung die Gestaltung der Zukunft abhängt. Wir Anhänger der „Deutschen Liste" haben es im Wahlkampfe vermieden, die Liberalen anzugreifen, obwohl es auf

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