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Der nationaldeutsche Jude · 1930-11-01 · Nr. 11 (November 1930) · p. Seite 8

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 11 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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drohunaen ein Ende gemacht habe,, ja datz es für ihn eine unmögliche Aufgabe sein mag. die Sintflut des Krieges zu hemmen, wenn die Wetterwolken am Himmel stehen. Aber er könne wenigstens das internationale Gewissen slHarfen, rn den Völkern das Bewutztsein internationaler Ver erziehen. Und solch ein Erziehungsmittel sei auch die Schule. Als Wegweiser für diese Verständigung aber erscheir alte Vorbild der dreisprachigen Schweiz und die wicklung, die das britische Weltreich durch leine Auflösung in selbständig regierte Dominions Gegen den wohlverstandenen Na'tiona der auf Patriotismus beruh,t. k qm p f t an: er will seinen „W e l t st a a t" v i e l m c tändigung t ihm das Neue Entföderatioe hurchmacht. l i s m u s, er nicht hr „aus: nationalen Steinen baue n . Aber. der heutige Nationalismus, die k ü n st l i ch e Uebersteigerung des Patriotismus, der verächtlich und feindselig auf andere Nationen herabsieht, vergibt, nach Hayes Auffassung, über dem Nationalprinzip und den Nationalitäten die Kultur und die Menschheit. Zweifellos wäre eine Gesundung des heutigen Nationalismus auf diesen Grundlagen möglich, aber werden die Sieg erst aalendes Weltkrieges, von denen sie abhängt, das einsehen und danach auch gegen die Besiegten handeln? Wer die Politik unserer ehe- ^maligen Feinde in den Nachkriegsjahren verfolgt hat. kennt die Antwort. , Von den pflichten der Juden und von den pflichten des Staates. 6in Buch von Conftantin Brunner. Besprochen von Dr. fritz BlankenfcId. V 0 rbeme r tu 11 g. Da« besprochene Buch in bei «ustao SiepfnHeuer, Berlin, erschienen. Die Besprechung ist ung eilsgesandt. Wir behalten uns die eigene Stellungnahme vor. Tie Schriftleitung. Eonstanlin Bruiiner, der Philosoph, tritt in diesem Werk als Politiker, mit bestimmten Forderungen' hervor.^äls philosophischer Politiker: mit keinerlei Interesse irgendwelcher Gruppe oder Partei geht er. Das Parteiurteil,, ob von jüdischer oder von nichtjüdischer Seite, das ist es ja. gerade, was richtiger Erfassung der Iudensrage im Wege steht. Dennoch^hat natürlich die oudenrache durch Parteileidenschaft nicht an Bedeutung verloren. Sie ist für Brunner „die merkwürdigste und . . . vielleicht folgenreichste Kulturangelegenheit der West". Unter dfin Licht neuer Begriffe und Formulierungen rüttelt Brunner Juden und Nichtjuden, vor allem aber diesmal die Juden, auf. Sie sollest aktiv werdenZaklio für die Emanzipation, für die Selbstemanzivation. und das Ihrige tun, den Schaden zu beseitigen. an dem sie'nun so lang? schon tragen. »Einstweilen schweigt die jüdische Presse: nur zionistische Blätter haben sich geregt und Brunner des „jüdischen Judenhasses" bezichtigt. In der „Kölnischen Zeitung" entrüstet sich ein Rabbiner über den „Gipfel witzelnden Ungeshmacks" in der „widerwärtigen" Himmelsunterhaltung zw scheu dem jüdischen Lande^gvkt und dem Zionisten Jakob Klatzlin, während gerade dieses Kapitel des Buches, eine ingrimmige ' Satire, die in der gesamten Literatur ihresgleicheil sucht, von dem mehr ästhelllch daherkommenden Rezensenten d S „Berliner Tageblattes" als „göttlicher Spatz" gerühmt wir ». Hervorgehoben wird hier auch der „dichterisch herrliche, zu veilen wildtestamentarllche Tenor von Brunners Sprache, feil eifervolles Lulherdeutsch" --- aber über die ästhetische Betrach ung hinaus gelangt auch der Aufsatz des Berliner Tageblattes nicht. Warum nicht? Es scheint, datz auch hier Parieibefangenheit vorliegl. Denn Brunner geht nicht allein de Konfusion der Nichtjuden über die Juden, sondern vor allem der Konfusion sämtlicher jüdischen Richtungen zu Leibes In jenem Himmelstheater wird von ihm der Zionismus zrim Kastierle geschlagen — aber auch der Separatismus, t er nichtzionistllchen Juden ihr heimliches Synzpathllieren mit dem Zionismus und törichtes Herausstellen lüdiicher Eigenart findet ick)onungslose Verurteilung (man lese die inhaltlich ebenso rücksichtslose wie im Ton mahoolle Kritik, die an d:m Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zeübt wird). Zionistischer wie nichtzionistischer jüdischer Separa ismus wird r aufgedeckl als der alte Aberglaube, der seinen von Brunner ...... „ Ausgang nimmt von dem jüdischen Landesgotf mit seiner Rationalreligion für das auserivählte Volk: der Aberglaube ist die Sünde wider das Leben: Sünde gegen das geistige und gegen das materielle Leben. Ten Gellt des Judentums, das geistige Judentum sieht Brunner im Prophsetismus, in Christus und in Spinoza. Er verherrlicht und veranschaulicht das Wesen dieses Geistes: grell auch wird beleuchtet, wie sich das auserwählte Volk gegen seine Groben nicht weniger' spröde verhallen hat al^ andere Völker gegen dierhrigen. Tie Propheten wurden gesteinigt, der Aberglaube blieb an dev Macht, die „jüdische Religion" ist bis auf den heutigen Tags ein Gemisch von Heidentum mit Judentum: und dah die Duden wegen dieser Religion die Absonderung von den Böllern auf sich nahmen, das war Quell und Ursprung ihres Unglücks. Brunner sagt: „Ich schwöre es nach dem freiesten Gewisser und siegele es mit dem Eid der Tenker: der Aberglaube halt: die Selbsti) Keiner Betonung bedarf, datz Naumanns Richtung die einzige Ausnahme bildet und von Brunner rihmlichst an erkannt wird. Der absonderung gebracht. — die Selbstabsonderung hatte des Hasses Lügen über die sich selbst Absondernden gebracht. — und das Lügen hatte gebracht die völlige Ausstohung dieser sich selbst absondernden, „Astderen", über die gelogen wurde, bis man sie nur noch kannte nach dem Refleibiltr im Lügenspiegel. Wie es gekommen ist, den gleichen Weg zurück geht das Unglück wieder: fein Weg zurück, das ist der Gang der Emanzipation" (Seite 282). * Wir haben an diesem Wort eine Prägung ex ungue fconis: ein Satz enthält und enthüllt das weltgeschichtliche Rätsel der Juden und spricht zugleich latent die Forderung des Tages aus. Wenn die Juden dieser Forderung gewachsen ,wä.^n. sie könnten dieses Buch zu ihrer Visitenkarte machen. Tr.» ist ihr Buch mit ihrem von der Wahrheit selbst gezeichiteieu Antlitz. Unerbittlich naturgetreu gezeichnet und doch mjt welcher Liebe und allertiefsten Wärme! Wie kalt und beschränkt mutz der sein, der im Angesichte der mächtigen und hohen Gedanken dieses Werkes nur in seinem engen Parteiilandpunkt sich gekränkt empfindet, ohne auch nur zu ahnen, »atz durch diesen Eonstanlin Brunner der Erzengel Michael elbst noch einmal die Sache der Juden mit übermenschlicher traft zu führen scheint. > Tab und wie es Brunner wirklich um die Sache, um die ganze Sache der Juden zu tun ist, das haben nicht wenige Zionisten erkannt, die ihre Legitimation anderswo herholen als aus der Redaklionsstube der „Jüdischen Rundschau". Die in Jerusalem erscheinende hebräische Zeitschrift „Mosnajim" veröffentlichte Uebersehungen aus Brunners Werk und eine Reihe von Aufsätzen über ihn: „Er möge wissen, datz wir hier auf den Bergen Zions seine Werke studieren und von rechts nach links über ihn schreiben: dies ist die Rache Zions an einem ihrer besten Söhne." l)r. A. Coralnik, einer der feinsten Köpfe aus dem nationaljüdischen Lager, schreibt in der New- Äorker Zeitung „Ter Tag" über Brunner: ,,Jch kämpfe gegen ihn und kann ihn nicht besiegen. Ich will mich losmachen von ihm er aber lätzt mich nicht." Und weiter: „Mir imponiett der Deutsche Brunner, der den Mut besitzt, solch ein Jude zu sein, so kolossal fanatisch überjüdisch." lieber den Judenhatz — dah er seine Wurzeln nicht in iden Gehabten, sondern in den Hassern habe, nämlich in einem Grundzug des allgemeinen Menschencharakters (der in den i Juden genau so anzutreffen ist wie in den Nichtjuden), datz 'der Judenhatz Menschenhab sei wie der Deutschenhatz. darüber!hat Brunner tief und eindringlich an anderer Stelle-) gesprochen. Hier, wo er auf die Pflichten des Staates kommt, 'wirft er besonders die Frage-auf, wie weit der Staat als ,Rechts- und Freiheitsstaat das öffentliche Lügen im politischen > Kampf noch weiter dulden dürfe. Der Staat verkenne seine Pflicht, die bisherige gemütliche Behandlung des öffentlichen Lügens bedürfe einer staatsorganisatorischen Korrektur: mit seinen Machtmitteln habe der Staat der demagogischen Verhetzung der Menschen durch die Lüge entgeaenzutreten. Merkwürdig genug, dah gerade auf dem äußersten Flügel des rechten Radikalismus Brunners Werk, Widerhall gefunden hat. „Der Nationalsozialist" nennt Brunner den „groben, befreienden, frommen Heiden", „den durch die Nation gesonnten! Menschen im Herdersinn" und will „ihn als Mitkämpfer j gelten lassen, ganz gewitz nicht zuletzt wegen des bei Brunner! überall hervorbrechenden leidenschaftlichen deutschen Nationalbewuhtseins. Diese Wirkung auf Nationalsozialisten zu- ' sammengenommen mit der oben erwähnten auf Zionisten! lätzt das Adelszeichen von Brunners Geist erkennen: er w« siegt seinen Feind nicht nur. er zwingt ihn zur Gefolgschaft.! . *) Conftantin Brunner, der Judenhab und die Juden, Oesterheld & Co.. Conftantin Brunner, Memscheleth Sadon, Verfasser. Berger & Co. Für die Schriftleitung verantwortlich: vr. Walter Laaser, Berlins Verlag: Verband nationaldeutscher Juden E. B., Berlin W 85. — Druck von Rob. Rohde Nchflg., Berlin W. 35. — Flir Herausgabe und Schriftleitrmg in Oesterreich verantworllich: Verband national« deutsch« Jude». Wien II. Praterstraße S4, Zimmer 22.

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