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Der nationaldeutsche Jude · 1930-08-01 · Nr. 8 (August 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 8 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 20 Pfennig. Der rmüonMemjche Itröe .. ZudenLv. Das Mitteilungsblatt erfcheiul monatlich Sefchästsstelle -es Verbandes und Schriftleitung des Mitteilungsblattes: Berlin WZ5, Blumeshof % Sd.: Lützow 5333/34. Bankkonto: Marlin Schiff, Berlin W-, Jägerftr. 9. Postfcheckkonto Berlin Nr. 111231 Jahrgang |930 Angnft Nr. 8. Aus dem Inhalt: 1 Jnr Nelativität her Nullur vön Ernst Berg und Max Naumann. — Sehlagbäuine auf! von 5. Nast. — Umgang mit Jühifchnationalen. GrunclsätLlickes zu pancuropa. Ton Rane Chferbach, Assistent 4n der Deutschen Hochschule für Politik, Berlin. Das Thema Paneuropa ist durch die Abhaltung des hancuropäischen Kongresses in Berlin besonders aktuell: geworben. Das Rundschreiben Briands an alle europäischen Regierungen kommt hinzu, um auch die breite Oeffentlichkeit zur praktischen Stellungnahme in dieser Frage zus drängen. j Der Gedanke, ein geeinigtes Europa zu bilden, hat etwas »»gemein Bestrickendes. Alle Schwierigkeiten unseres zersplltterten Kontinents, alle Minderheitenfragen und alles kleinliche Gezänk scheint mit einem Schlage damit beseitigt zu sein. Gerade für uns Deutsche ist es so verlockend zu Hörens: Alle Böller Europas werden gleichberechtigte Glieder eines Gesamtstaates sein: keine Sieger und Pesiegte mehr, keine trennenden Grenzschranken zwischen uns und dey Millionen Ausländsdeutschen. Für die gut entwickelte deutsche Industrie keine Zollmauern mehr gegenüber anderen Länder, freie Eist- und Ausfuhr ohne staatliche Eingriffe innerhalb Europas.! Eine großartige Idee! — Bon ferne gesehen. Me sieht es aber m Wirklichkeit aus? s Zunächst die Abgrenzung Europas: Briand will wie Eoudenhooe-Calergi, der Vorkämpfer Paneuropas, Rußland und England nicht eingeschlossen wissen: Beide Länder seien durch ihre Interessen in anderen Kontikenten keine ausgesprochen europäischen Mächte mehr. Aber damit stellen sich did ersten Zweifel ein. Auch Frankreich tst ein Land mit l einem Janus köpf: das eine Gesicht weist nach Europa, das andere aber nach Afrika hin. Gerade Frankreich strebte .in den lebten Jahrzehnten nach Ausbau seiner! afrikanischen Kolonien zu einem großen organischen Reich von hundert Millionen Einwohnern. Niemals war das Streben zur Autarkie, zur Selbstversorgung größer als in unseren Tagen. Man denke nur an die vielen kleinen Nationalindustrien, die jeder der neu entstandenen Staaten aus ganz unökonomischen Gründen künstlich emporgezogen hat. Diese Industrien werden nicht mehr lebensfähig sein, wenn die schützenden Zollschranken fallen. Wird aber ein Staat seine Industrie opfern wollen? Glaubt man. daß Frankreich seihe afrikanischen Reichtzideen äufgebe'n wird zugunsten Europas?! Glaubt man, daß Frankreich oder Lolland ihre reichen Kolonien allen anderen europäischen /Mächten zur gleichen Ausbeutung öffnen würden? Das waxe ein gefährlicher Fehlschluß. Was bliebe ubng? Italien, vor allem aber Deutschland, garantierten den französischen Kolonialbesitz. Haben wir an diesen verewigten «tatus quo ein Interesse?! ... m . Man zieht' eine Parallele zwischen den Verenngten Staaten, von Amerika und Europa, indem man sagt:! weil Nordamerika einen so großen inneren Markt Hat. von keinen Zollgrenzen emg schastsleben. Zunjä allein nicht über Märkte Rußland, daß die Kaufkraft schätze sehr viel w gengt, hat es ein so beneidenswertes Wirtächst darf man die Vorteile der Marktgröße chätzen. Wenn man die großen Einheits- Ehina und Indien betrachtet, so sieht man. der Bevölkerung und die Menge der Naturchtiger sind. Gerade beim Vergleich mit Nordamerika erkennt man, wie primitiv diee Parallele ist. Europa ist in tausendjähriger Geschicht« geworden, jeder Fußbreit Boden ist mit historischem Leber erfüllt, mit einem anderen Schicksal und anderen Lebensge etzen. Die Nordanu rikanischen Staaten waren nie Staaten in unserem Sinn, mit eigener Souveränität nach außen. Sie waren mit weitg chenden Rechten, ausgestattet, blieben aber in ihrem Wesen stets nur Provinzen. Welche andere Entwicklung nimmt der Staat in Europa! Gerade der Krieg mit seinen unerhörten, nie vorher gekannten Eingriffsrechten sollte uns gezeigt Haber , was in Europa der einzelne Staat für jeden Bürger bedntet. Wenn man von einer Rückkehr zum Freihandel, jum Liberalismus spricht, so vergißt man. daß die Welt in dem letzten halben Jahrhundert sich so gewandelt hat. daß die nber rle Epoche der Freizügigkeit für alle Zeiten vorbei zu sein scheut. Die Bindungen an den Staat, an die Gemeinschaft innerhalb der Wirtschaft mit ihren Konzernen und Trusten sind ungeheuer gewachsen. 'Wo gab es früher Staaten mit Arbeitsvermittlung, Unterstützung, Sozialoersicherung, Wohnungssubventionen und protektionierte Wirtschaft? Aufgehen u den Bereinigten Staaten von Europa bedeutet Einschränkung der Souveränität, des Staates zugunsten eines Ueberstaates wir haben aber gerade gesehen, daß die Entwicklung in Europa den entgegengesetzten Mg geht: ständige Erweitern'ig der Staatsbefugnisse. Wir müssen uns dann weiter fragen: Ist der nationale Gedanke in Europc bereits so abgewirtschaftet, dckß die heutige und selbst die nächte Generation reif genug-ist, khre nationale Einstellung zugunsien einer europäischen aufzugeben? Denn darüber müssen wr uns klar, sein: die Vereinigten Staaten von Europa sind si inlos, wenn' wir nicht ein tiefes Zusammengehörigkeitsgefühl l aben, das so stark ist. daß es jede nationale Belastungsprobe, ei trägt. Mr Jtaliem u id die neuentstandenen Staaten des Ostens, Polen, die Tschechoslowakei und die Balkanstaaten kennt, der chird wissen, daß hier der Nationalismus erst mit seiner Arbeit begonnen Isat, stärker als jemals in der Geschichte. Und die andere k rage: Sind wir denn wirklich eine euro- 673476893^79^8781^4^999589^8

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