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Der nationaldeutsche Jude · 1930-03-01 · Nr. 3 (März 1930) · p. Seite 8

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 3 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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I 1 8! sich von selbst, dah die bayerischen Juden denken wie Kurt Münzer. Und die bayerischen Juden lassen es sich gefallen, als ginge es sie nichts an! , Der ungezogene Liebling. ' Serri Kürt Tucholsky, auch Peter Panter, Theobald Tiger, Kaspar Haüse-r, Ignaz Wrobet genannt, ständiger Mitarbeiter der „V o > fi schen Zeitu nL" und der „W eItbühne". beschäftigt sich in dem letzteren Organ und unter dem letzteren Decknamen in Form eines „Briefes an eine Katholikin" diesmal mit — der Religion. Hören wir, master in dieieih Zusammenhänge über die Juden zu sagen hat: ' . , „Sie erlauben mir hier ein notwendiges Wort über die deutschen Juden. .. . Deren Toleranz der Kirche gegenüber setzt sich zusammen aus Pogromangit und einer 'inneren Unsicherheit, die bis zum böten Gewissen geht. Hätten die deutschen Rationalisten nicht diese fast tierische Stalldumpfheit von' pommerschen Bereitern aus dem vorigen Jahrhundert: sie hätten längst auf die allerdings zugkräftige Volksparole „Haut die Juden!" verzichtet — und dreioiertel des deutschen Juden sähen heute da, wo ne klaüenmätzig hingehören: bei der Deutschen Bolksvartei. Sie ' tun ■ es nicht, weil sie der Antisemitismus abstötzt: sie tun es zum Teil doch, weil ihnen ihr Bankkonto lieber ist als eine Religion, von der sie nur noch das Weihnachksiest und die „frankfurter Zeitung" Hallen. Bon der winzig kleinen Minorität der Rational- Juden unter Führung eines schon von Siegfried Jacobsohn rechtens vermöbelten Herrn Naumann will ich gar nicht sprechen: gefüllte Milz mit einem Stahlhelm ist wohl nicht das Richtige. Aber jene friedlich'dahin verdienenden Hausjnden, die anfatmen, das; wenigstens Lenin nicht einer der ihrlen gewesen ist, jene israelitischen Familienblättchen, beschnilfene Gartenlauben, errichtet im Stil von Sarah Courtbs Mahleriohn . . . diese Leute" sollen dem deutschen Bolk das rituelle Schächtmesser in den Rücken gestosten haben/ Dazu sind sie viel zu feige. W'e täten sie das." ' DaN der ungezogene Liebling der zwifchenschichtlichen Grazien Hut uns nalionaldcutichen Juden (er nennt uns: Rational Juden» böse iil, das; m die gegen uns gerichteten gelegentlichen Anwürfe des seligen Siegfried Jacobs o h n als „Bcrmöbelung" iin Gedächtnis hat. daN seine kulinarischikatilinarische Phantasie uns als „gefüllte Milz mit Stahlhelm" sieht, das wollen wir ihm gewih nicht übelnehmen. DaN er aber io lieblos mit denen verfahren darf, die ihn doch als die feinste Blüte ihres eigenen Geistes lieben und die mit ihrem' Gelbe ihm ermöglichen, unterhöchst unproletariichcn Lcbcnsumständen die wirklichen Proletarier gegen ihre eigene „Bürgerlichkeit" aufzuwicgeln, — das ist einer der kleinen Mängel an innerer Logik, die wir nicht gelten im Perkehr der jüdüchen Zwischenschicht mit ihren „geistigen" Lieblingen und Führern beobachten. Oder sollten diese Leute es vielleicht gar als Liebkosung empfinden, von ihrem eigenen Lieblin'g ll »i ge spien zu werden V Auch solche Neigungen finden sich, zuinal in Verfallschichten und in Ben'allzeitcn. > Das hebräische Fest. Der „Jüdischen Rundschau", dem Organ der deutschen Staatsbürger zionistischen Glaubens, entnehmen wir die'Boranzeige zu einem „H e b r ä i s ch e n F e st", das inzwischen in den SpicherniSlen zu Berlin stattgefunden hat. Wir zitieren wörtlich: „Es scheint, das; :es eine Tradition in Bcrlhr wird, in jedem Jahr ein grvszes hebräisches Fest zu veranstalten. Ein Feit, zugleich eine Heerschau und Prüfung der hepräi'chen Bewegung. Jeder sieht, das; sich der Kreis, der Hebräisch- Sprechenden auch in Berlin dauernd vergrötzerL Und noch gröher ist der Kreis derer, die fühlen, datz es ohne die Sprache unmöglich ist, sich intensiv geistig mit dem neuen sckraffenden Erez-Jsrael zu verbinden und sich dem Volksbewutztsein einzufügen. Bie!e hundert Schüler kommen heute bereits zur Hebräischen Sprachschule. ... Boden und Sprache sind die Grundfesten jedes gesunden -Volkes .... Die Svrackze — Wahrzeichen unkerer geistigen Erneuerung. In den Spicherniälen darf kein Berliner Zionist. fehlen. Es soll eine schöne, würdige, werbende Demonstration unserer Sprachbewegung seiy." V Das; die Zionisten selbst sich bewusst auch in sprachlicher Hinsicht voin Deutschtum lösen, ist völlig in Der Ordnung und kann nur begrützt werden. Je klarer und energischer auch von dieser. Seite her die Scheidung dürchgeführt wird, desto eher wird der Tag kommen, an dem man auch bei unseren nichtjüdischen Volksgenossen zwischen Juden, die aus dem Deutschtum hinauswollen, und Juden, die im Deutschtum aufgcgangen »ind oder wenigstens hineinwollen, zu unterscheiden beginnt. Um io unbegreiflicher für jeden, der Slnir für klare Entscheidungen hat, erscheint, gemessen an solchen Kundgebungen eines bewuht deutschfremden Geistes. die Denkweise derjenigen Zwischenschichtler und Mitläufer der Zwischenschicht. die sich immer noch von z>onistischen Taktikern für deren eigene Zwecke ausnutzen und sich immer wieder zu Ge meinschatts-Aktionen mit Jüdischnationalen verleiten lassen. Der an anderer Stelle dieses Blattes gewürdigte Vorstandsbeschlus; des Central Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zeigt,-wohin die Reise geht, wenn man sich den jüdischnationalen Führern überlätzt. j „Der verschadchente Schadchen! (Der verheiratsvermittelte Heiratsver- ° m i 11 l e r.)" Die „Leipziger Jüdische Wochenschau" ist ein alljüdisches, natürlich „neutrales" Blatt, das literarisch etwa zwischen der C.- V.- Z eitung und dem „Israelitischen Fa m ilien bla tt" steht. Entrüstete Aeutzerungen gegm den überall zutage tretenden Antisemitismus wechseln mit An regungen zu „positiv jüdischer Arbeit", mit Artikeln rein jüdischnationalen Charakters und mit betulichen Kundgebungen eines sogenannten „jüdischen Familiensinnes", wie ihn diese Leute verstehen. Unter die letztere Gattung der Literatur fällt eine gereimte „humoristische Studie" von Oskar Grau unter dein oben wiedergegebenen Titel, der wir die folgenden Verse entnehmen. , > Wie wird man blotz die Sara los, i So denkt Herr Klos mit Schmerzen. Und auch der Mamme liegt die Sach' Roch dringender am Herzen. Man seiert hin, man feiert her. Was hier denn wohl das Beste wär. And kommt am Schlutz zu dem Entschluß, Das, Zuael Spann hier helfen muh! Als erster offeriert Herr Spann Frau Klos den Zankel Schmeisser, Das ist ä schwarzgelockter Mann Und redd. ä bissel heiher. Dann ist er auch nicht wenig fett, ‘ 1 Doch sei Mischpoche ist sehr nett. Er ist geborn in Posen. Und macht in — — Damenhosen. Doch zur Bedingung stellt er dann. Zu sehn vorher ein Bild. Was niemand ihm verdenken kann. Frau Klos -jedoch wird wild. Denn Saraleben ist sehr mies. Und manches noch, so das und dies. - Nicht gegen das — natürlich höchst unerfreuliche — Institut der Heiratsvermittlung soll hier zu Felde gezogen werden. Diese Form der Eheschließung wird leider von Christen wie von Juden geübt. Aber es ist der Ton. der die- Musik inacht. Wenn unser Mitarbeiter Hans Neusachs es wagt, in seinen Zwischenfeld-Eedichten die Menschengattung. die in solcher „humoristischen Studie" den kongruenten Ausdruck ihrer Familien- und Humor-Auffassung findet, mit bitterem Spott zu übergießen, erregen sich die C. - V. - Z e i t u n g und die Jüdische Rundschau in trautem Verein über die „Geschmacklosigkeit" dieser Form der Satire. Die Kopie ist geschmacklos, — das Original ist traulich, schätzenswert, jedenfalls harmlos und beileibe kein Hindernis für die deutsche Volksgemeinschaft, wenigstens soweit sie die Ausübung von Rechten gestattet. Man hat kein Empfinden dafür, wie hier mit der Miene der Selbstverständlichkeit ein Stück Äsiatentum weitergezüchtet wird, wie hier eine Auffassung des jüdischen Familienlebens als natürlich und erträglich hingestellt wird, die jeder wahren Einordnung in die deutsche Volksgemeinschaft bewußt und mit selbstzufriedenem Behagen widerstrebt. Herr O s k g r Grau sage uns nicht, daß auch er ein Satiriker sei. Seine Art des „Humors" ist nicht der aus der Liebe zum deutschen Volkstum geborene Hatz gegen deutschfremde Schädlinge. Der Grundton seiner „Poesie" ist die Selbstgerechtigkeit des noch im Ghetto wurzelnden Zwischenschichtlers, der Mißstände bei „seinen Leuten" zwar sieht, aber mit achselzuckendem „Nu wenn schon?" abtut, demselben „Wenn schon", das der Jüdischnationale Gronemann für die typisch jüdische Einstellung zur Umwelt erklärt. Und deshalb verflicht sich die Dichtung des Leip- . ziger Wochenschau-Humoristen Grau mit den Geistreicheleien des Weltbühnen-Tucholsky. mit dem „unsterblichen Blut" des Bayerischen Gemeinde-Israeliten Münzer, mit dem „Hebräischen Fest" der Z i o n i st e n und mit der Palästina-Entschliehung des Centrglvereins zu einem Ring, der das Deutschtum der deutschen Juden erwürgen muh. wenn nicht bald kräftige Hände zugreisen! Deutschfühlende Juden, wachet auf! Schriftlertung und verantwortliche Marg o Wolfs, Bln-Wilmersdorf; Verlag: Verband uationaldeutscher Juden ffi. B„ Berlin W Sä.— Druck von Rob. Rohde ®. m. b. H., Berlin W. 35. — Für Herausgabe und Schriftleitung in Oesterreich verantwortlich: Verband national» , deutscher Juden, Wien II, Praterstratz« 84, Zimmer W,

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