Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 2 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 20 Pfennig. naüonaloemsihe Jude MkelluugsblakdesVerbavdesuakonaldeutscherZudeuLv. Da« Mitteilungsblatt erscheint monatlich Geschäftsstelle des Verbandes und Lchriftleituug des Mitteilungsblattes: Berlin W35, Blumeshof 9, Lel.: Lützow 5333/34. Bankkonto: Martin Schiff, Berlin Wb, Zägerstr. 9. Postscheckkonto Berlin Nr. 1 l 1231 Jahrgang ssySO Februar Nr. 2?• Aus dem 3 n halt: Dentfehe Irvietraeht und Judentum von Walter — Sabbatpflege von Dr. F. wachsner. — Bemerkungen zum HaTemann-Prszetz. Deutsche ^xvietracht unct Juclentum. Hue einer feftrede; von dalter Bloem. - Vorbemerkung. k Der Dichter Walter Bloem war im November v. I. von einer Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten als Festredner für ihr Stiftungsfest gewonnen worden. Man erwartete wohl . von tym, der sich oft genug in Wort und Schrift als Nicht-Antisemiten ausgewiesen hatte, einen Dortrag der für solche Veranstaltungen hergebrachten Form: Lobeserhebung auf die Leistungen der deutschen Juden und Polemik gegen den „kulturfeindlichen" Antisemitismus. Statt Hessen hatte der Dichter den Mut, Wahrheiten auszusprechen, um die sonst christliche Festredner in jüdischen Versammlungen preist ängstlich herumgehen. Zwar erhob er im ersten Teil seines Vortrags in eindrucksvollen Wartest Protest gegen „ungerechte Zurücksetzung jüdischer Mitbürger'und Kameraden", und die töricht verallgemeinernden Anschauungen, die „den Juden" fsrr alles deutsche Ungemach verantwortlich machen, lehnte er mit größter Entschiedenheit ab. Dann aber ging er zum Erstaunen eines großen Teils seiner Hörer dazu über, den deutschen Juden vorzuhalten, daß auch von ihrer Seite noch manches geschehen könne und müsse, um die wahre deutsche Volks gemeinschast, di« Gemeinschaft nicht nur der Staatsbürger, sondern der Volksgenossen herzustellen. Er leitete zu diesem Teil seiner Ausführungen über mit Worten, die nicht vergessen werden sollten», „Wenn Sie mir zu stimmen, dann werde ich sagest dürfen, der ß ich zum ersten Mal in jüdischen Kreisen volles Verständnis und freudigen Widerhall gefunden habe. Dann darf ich hoffen, daß Sie diese Gesinnung hinaustragen werden in die unserer Anschauung noch fernstehenden jüdischen Seelen. Denn glauben Sie mir, Kameraden — es muß etwas geschehen, etwas Ganzes, Entscheidendes, Richtunggebendes." Das Echo, das Walter Bloems Freimut gefunden hat, dürfte inzwischen ihn selbst überzeugt haben, daß noch viel mehr „Richtunggebendes" zu tun ist, als ein einmaliger Vortrag in einem mit Iüdischnationalen und Zwischenschichtlern stark durchsetzten Bund zu leisten vermag. Die jüdischnationale und alljüdisch« Presse kann sich noch heute über die „Taktlosigkeiten" nicht beruhigen, die der Dichter seine» jüdischen Hörern „ins Gesicht zu sagen" gewagt hat. Wir nationaldeutschen Juden . begrüßen so ehrliche „Stimmen vom anderen Ufer" als Beitrag zu der V e-r st ä n d i g u n g s a r b «i1, di« eines unserer Ziel« ist. Wir wollen dafür Sorg« tragen^ daß die Worte Walter Bloem's i» möglichst weiten Kreisen gehört werden. Darum geben wir den zweiten Teil bes Vortrages aus dem Sonderdruck, der bei Grethlein & E o., Leipzig, erschienen ist, im Folgenden mit Zustimmung des Verfassers und des Verlages wieder. Die Schriftleitung. p Als die freiheitliche Gesetzgebung des beginnenden neunzehnten Jahrhunderts die Schranken des Ghetto niederlegte, da geschah es in dem Vertrauen, daß das Judentum bereit lein werde, im Deutschtum aufzugehen. Wir wissen alle, daß solche Entwicklungen in unsrer unvollkommenen Welt nicht gradlinig, ohne Hemmungen und Rückschläge verlaufen. Ich habe bereits zugegeben, daß auf deutscher Seite gefehlt wurde. Ich füge hinzu: es ist auf beiden Seiten gefehlt worden. .. In einer zweitausendjährigen Leidensgeschichte ohne Beispiel» die das tiefe Mitgefühl jedes anständig denkenden Menschen herausfordert, hat das jüdische Volk Eigenschaften in sich gezüchtet oder züchten lassen müssen, die ihm am Ende seiner ärgsten Leidenszeit, als der Druck der Entrechtung plötzlich fiel, in einem .Aufschwung ohnegleichen Luft geschafft haben. Menschlich tief begreiflich ist es. daß das Judentum in der unvergessenen und unvergeßlichen Erinnerung an Jahrtausende grauenvollster Unterdrückung bo,s Maß und die Besonnenheit nicht gesundest hat. diesen jähen Umschwung und Aufstieg ohne Ueberhebung und Ueberspannung zu ertragen. Ich habe mich seit Jahren bemüht, in der deutschen Oeffentlichkeit, um Verständnis für die Tragik des Judentums zu werben und zur Versöhnung, zum brüderlichen Ausgleich zu mahnen. Ich bin so wenig Philosemit. als ich Antisemit bin. Ich bin Deutscher, und nur von diesem Standpunkt! aus betrachte ich auch das Problem der deutschen Juden. Ich habe h?ute versucht, die Tragik des jüdischen Frontsoldaten darzustellen und für ihn soviel Gerechtigkeit zu fordern, wie ihm nachträglich überhaupt noch gewährt werden kann. Ich werde es mir nicht versagen lassen, aus