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Der nationaldeutsche Jude · 1930-01-01 · Nr. 1 (Januar 1930) · p. Seite 8

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1930
Issue
Nr. 1 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Hu9 dem Cageakampf. Krach in der Ierusalemer llniofrjität. I on den letzten Wochen qab es in den verichiedqniten liegenden Studentenerzesse. Die überichüiiigen Kräfte! der jungen. kaum dein strengen Öoche der Mittelschulen ent romicncn Männer entluden sich an Hochschulen, an denen es eine nennenswerte Anzahl jüdischer Hörer gibt, gegen diese, In der Universität von Athen muhte die Feuerwehr die gegen die Reg i c rung aufgebrachten «>c müler im -wörtlichsten 3innc abnjhlem in Klamenburg ging» gegen die Freimaurer und in Innsbruck geriet der akademische «Freisinn mit dem studentischen K l c r i laIismus in eizeisiven Konflikt. Den merkwürdigiten Krach aber gab es in einer Hochschule, die a u s s ch l i c tz I i d) jüdische Hörer hat: in der hebräischen Universität JeruHalem. Und um die Paradorie aut die Spitze zu treiben: Die jüdischen A f q b ( m i t e r in ö f r n i a I c m nah m e u gerade das übel auf. was die jüdischen Akademiker in Europa aufs freudigste begrüben, wetzn cs geschieht, und am bittersten beklagen, wenn es unlcrhleibt: c r u st c Mahnungen des Rektors z ü m, n ajt i o naIen und konfessionellen fr r i e d e ». Der Direktor der Jeruialemer Universität hat die feier liche Eröffnung des neuen Semesters zu einer. Rede beiiutzl, in der er seinen Skeptizismus über den 'Wert eines einzig auf' englischen Bajonetten ruhenden Judenstaates auszüdrückeu wagte, Ihm erscheint der «F r jedemit den reli und National anders c i n fl c it c 111 c n. B ü r zi o s >c r u des heiligen Landes als eine viel wertvollere Grund läge des zionistischen Ausbauwerts. Man Nelle sich vor, der Rektor einer ungari Hochschule hätte in seiner Jnaugurationsrede ähnliche deiizen entwickelt: Welch eine jubelnde Zu in u n g hätte die g e i a ifi t c jüdische Presse i di I i c ii 11 di der zionistische n e.r f ü l l t! 21} c n n ein jüdischer '){c 11 o r einer hcbrä,ischen v e r >' i t ä t solchen Pazifismus verkündet, e i ii i e d e r g c b r ü l l t . . .! Das Signal zum Sturm an der hebräischen Universität .flel> ein schon lehr „bemoostes Haupt": Herr U i i i k ch k i n Präsident des ,.Ö ü d i i ch e n R a t i o n a l f o n d 4' unterbrach d i c Ansprache des Rektors mi Zwischenruf, er >ll:ii'chkiii> iei gekommen, eine wi ch c n Ten lim e i n iber Uni vird Er dem Ien und nicht eine p o l i t i s ch e-. R e b c .zu alles! an- 11 e r « Seele reinen ai'chcr Uienidj Anlas; Lutsch a i l l i ch e hören. Mali unterschätze nicht die Tragik dieses «r Als Präsident einer der gröfzten internationalen 3chr > komitees ist der Mann jahrein, jahraus in die a! m a l e r i e 11 it e n 3orgen eingesponnen. Aber in seiner lebt irgendwo noch ein bescheidenes Fünkchen, das zur gLiitigcn «Flamme emvorstrebl. Schnosren i't ein pro i Beruf, der nur selten Gelegenheit zu höherem Geiilesauii gewährt. Eine solche spärliche Gelegenheit in die Reltorsi ratien «an der hebräv ':en Univernlät. Wie mag ein mit io verkümmertem Geistesleben diesem feierlichen eutgegenfiebern! llnd nun denke -man sich diel tüuschuNg: anstatt etwas über die Einsteinsche Relativitätstheorie oder über^ die Gerion-che Tuberkulosendiat vdqr auch nur ganze so-sehr freut, toll er politische Ratschläge yom üle'ichts winkel der Aussichtslosigkeit eines blojz auf brutaler Waffengewalt aufgebauten oudenstaates in Kauf nehmend Sein ganzes besseres och lehnt s'rch dagegen a.if. Jeder gute Mensch zvird das begreifen. ... j Und nur ganz schlechte Merle können, ieitv reines streben nach geiniger Erleuchtung verkennend, dem Perdacht zl(neigen. dah der Präsident des „oüdiichen Rationalfonds" die Ausführungen des Rektors als Geschäftsikörung gewertet habe. I>r. H. 3p. ia uvu uuu utc viuiiMi'ur: ^uuciiuiuiuiuiui vuai uuar ein bifrdicn Talmuderegeie zu hören, worauf er ssch das ze Jahr von einer Reklorsinauguration zur andkirii — Hebräisches Theater. i „Immer mal wieder" taucht die ,„H a b i m a" hei uns auf und jedesmal iit ein gros-er Teil der Kritiken auf den To» ge'timmt: „Wir verstehen zwar kein Wort, aber es iit oirmbar erhabene Kunst." Dic>es Perballen der Presse er-' innert an: das Märchen von des Königs neuen öhleidern: es lieht zwar keiner etwas, aber nur ein unschuldiges Kind wagt zu sagen, datz es wirklich nichts ii:ht. In früheren Jahren waren wir allein dieses unschuldige Kind: selbst die den -Juden nicht eben wohlgesinnte Preise war offenbar von dem Wunsche beherrscht, an ilnnitiittn hinter den. Alfred Kerr und Geuosien nicht zurück zu bleiben. Erst in diesem Jahre zeigen sich schüchterne Ansätze dazu, das; man den Wert dieses runisch-jüdischen Unternehmens füv chas deutsche Volk richtig einzuschätzen beginnt. Ein — dem Namen nach jüdischer — Kritiker eines vielgelesenen Blattes hebt hervor, wie wörtlich seinerzeit in unserem Mitteilungsblatt (192 « «. '' 12 3. 11 ff.) geschah, datz diese Bühne für uns >. .. iositäts Interesse haben könne, wie etwa ein Chi, ' ,;ir. Das treffendste Wort aber findet ein anderer Kriti v .. seine Besprechung betitelt: „Habima — oder: wa ge «> t uns das an?" So soll es sein. Der Rektor der Universität F r a n k f u r t a. M. hat folgendes Rundschreiben erlassen: Universität Frankfurt a. M„ den 26. Nov. 1929. Frankfurt a. M. Abschrift sämtlichen in das Register der Universität ■ eingetragenen Korporationen und Vereinen hier gur 'Keniilnisnahmc und Beachtung. Ich weise wie mein Herr Amtsvorgänger, durch einige -Ereignisse der letzten Zeit veranlaszt. mit allem Ernst darauf hin. das; jeder Mensch, welches immer seine Nation und Rasse, seine religiöse und politische Ueberzeugung oder sein 3tand und seine Weltanschauung sein mag, voller Achtung wert iit, solange er sich diese nicht selb st durch seine Handlungen verscherzt. Allen Angehörigen unserer Universität mache ich diese Achtung jedes ehrenwerten Mitmenschen und seiner Uebcrzcugung zur Pflicht. Der Rektor? Küntzel. Wir bcgrüszcn diesen Erlah in Verbindung mit andere» Anzeichen z. B. den an einigen Hochschulen eingeleiteten freimütigen Außsprackzen zwischen Studierenden der verschiedeniteu Richtungen — als Beweis dafür, dah der Zustand allseitiger Aufgeregtheit, der zurzeit nicht nur Studenten, sondern zum Teil auch Hochschullehrer beherrscht, immerhin im Abklingen begriffen ist. Jetzt gilt es, die Radikalinskis aller Gruppen davon abzuhalten, dah sie weiter die Achtung vor anderer „Ration und Rasse, Ueherzeugung. Stand und Weltanschauung" mit Fützen treten. Verjtändigungs a r b e i t! Ein liberaler Rationalist. Das Jahr 1929 ist reich an Ereignissen, die uns an den Fall D r e n f u s erinnern. D r e n f u s selbst wurde 70 oahre alt. GeorgesElömenreau ist in Hohem Alter gestorben. Und gerade jetzt vor 30 Jahren fand der zweite Drenfus-Prozcsz statt. Alles zusammen Grund genug für zeitbewuhte Bühnenschriflsteller und Bühnenleiter, dem Publikum mit einem Ausschnitt aus der Drenfus-Affäre in dramatischer Fornt anfzuwarten. Insbesondere der Tod Georges Elömenceaus hat in Deutschland Interesse erregt. Und mancher, der die Ereignisse jener fernen Tage nicht mehr genau im Gedächtnisse hatte, der dann die Nachrufe auf Elömenceau las und schliehlich sein Nachbild auf der Bühne sah. war ernstlich überrascht. E l ö >n e » c e ä u wir kennen ihn nur noch als den „Tiger", den fanatischen Deutschenfeind, den führenden Kopf von Versailles. Und plötzlich werden wir daran erinnert, dah dieser Mann nebenher ein entschiedener und besonders beherzter liberaler war. ein fanatischer Freund der Gerechtigkeit, der einmal Jahre lang mit verbissenem Eifer gearbeitet und alles, seine politische und wirtschaftliche Eristenz, ja sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, um das Unrecht wieder gutzumachen, das sein Vaterland dem Juden Dreizfus und der Ehre der „groszen 'Ration" selbst angetan hatte. Der deutsche fortschrittlichgesinnte Zeitungsleser und Theaterbesucher vernimmt es mit ungläubigem Staunen. Ein glühender Hasser des Nachbarvolkes-und zugleich ein glühender Freund der Gerechtigkeit, ist diese Kombination überhauptmöglich? Man kann also ein wilder, selbst ein verblendeter und unerbittlich rachsüchtiger Nationalist sein und doch ein Liberaler, der die Ungerechtigkeit des eigenen Volkes und den Judenhah ebenso tief verabscheut und so unablässig bekämpft, wie die vermeintliche» Feinde seines Vaterlandes. Aber man kommt schlietzlich auch über diese Ueberraschung und Erschütterung wohleinstudierter Ariome hinweg. Man tröstet sich: das gibt es wohl nur in Frankreich, llnd kaum einer denkt daran, dem Problem bis zu den Wurzeln nachzugehen und sich zu fragen, ob hier nicht einer der tnvischen Fälle jener „Fremdheit", jener durch selbstgewollte Abkapselung gezüchfeten Verständnislosigkeit gegenüber dem Empfinden unserer - deutschen „Nationalisten" oorliegt, von denen vr. Paul -Fechter im Leitaufsah dieses Blattes so eindringlich spricht. Schriftleitung und verantwortlich: Margo Wolff, Berlin 23 62; Verlag: Verband nationaldeutscher Juden E. V., Berlin W 35.— Druck von Hob. Rohde G. m. b. H., Berlin W. 35. — Für Herausgabe und Schristleitnug in Oesterreich verantwortlich: Verband nationaldeutscher Juden, Wien 11, Praterftratze 34. Zimmer 22.

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