Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 9 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Hus dem Cageshampf* Englische Presseftimmey;um Palästinakampf. London. 28. August. (Sonderdicnst der „DAZ".) Die Londoner Preise berechnet die Ausgaben, die den englischen Steuerzahlern durch das Palästina-Abenteuer entstanden Und. schon aut annäbernd eine Million Pfund. Die Rvtbermere-Presie^verlangt stürmisch du: Untersuchung des gesamten Palästina Problems. Bon der Farce eines nationalen Heimes für die 3 i o n i ft c habe man jetzt genug. England habe schon genug eigene Sorgen, um auch noch für die groben Fehler anderer Leute zu zahlen. s London. 29. August. Der Führer der zionistischen Organisation. l)r. Weizm a n n . trifft heule in London ei» «fern vom Schuh! Tie Red.i. und auch Sir Herbert Samuel, der in,der Tschechoslowakei war. wird hier erwartet. Der zionistische Vollzugsausichuh hat eine dringliche Periammlung in London ein beruien. Die Vorgänge in Palästina haben die gesamte mohammedanische Welt auherorhentlich erregt. Tie Rückwirkungen sind in Indien bereits fühlbar. Die dortige Presse und auch das Sekretariat des^Zentralen Kalifat-Komitees äuhern sich dahin, dah sie mit --orge und Schmerz die' Methoden sehezr. btt von der britischen Mandatsregierung in Palästina angewandt werden,!um die ungerechten und widersin n i g b n Forderungen der Zionisten zu unterstützen und zu fordern. Es in bemerkenswert, dah der amtliche Bericht in Jerusalem ausdrücklich betont, dah in Transjordanien Rübe berricht. Dies zeigt deutlich, dah die englischen amtlichen Stellen mit Sorge auf die Stimmung unter den 'Arabern und Mohammedanern blicken und dieser Gefahr eine viel gröhcre Bedeutung beimessen als den gegenwärtigen Unruhen. -- : I Helfer des Kommunismus. In Berlin wird zurzeit ein neuer k o m m u o i st i s ch e r H etzril m vorgeführt, ein Erzeugnis derbekannten russischen Anstalt iür tünstlerische Förderung der Weltrevolution. Die „B o s s i s ch e Zeitun g" dringt eine Kritik, in der offen zugegeben wird, dah es sich um ein zum Zwecke der kommuninöchen Propaganda geschaffenes 'Machwerk handelt und dah die Typen des „Bürgertums", die in dem Film auftrelen. im Gegensatz! zu den selbstverständlich höchst edlen Kommunisten als „fürchterliche Karrikaturen" gezeichnet sind. Trotzdem fahl das Platt sein Urteil , dahin zusammen: ,-Aiiu echt russischer Film, unerhört gekonnt.' unerhört aufreizend, verhei-eitd und doch — eilt großes Kunstwerk!" Diese Formulierung in bezeichnend für die Kunst- und Politik-Auffassung, die in gewissen, durch Blätter wie die „Bossische Zeitung" vertretenen Kreisen herrscht. Man erkennt sehr wohl die Gefahren des unerhört .hetzenden und unerhört aufreizenden Kommunismus, aber man gibt diesem selben Kommunismus finanziell und moralisch Hilfsstellung, sobald nur ein kommunistischer Hdtzer und Aufreizer geschickt genug in. seiner Propagandaleistung die Form eines „groben Kunstwerks" zu geben. Diese Gruppe des in Deutschland wohnhaften „Bürgertums" sieht ruhig zu, wie man ihr den An unter dem Leibe absägt, und lächelt dabei eitel über die eigene Vorurteilslosigkeit. Roch im Absturz werden diese ILeute entzückt sein, weil die Konstruktion der Säge so „unscrhört gekonnt" ist. i Die „Bossische Zeitung" hat zweifellos den Ehrgeiz. nicht nur ihren „bürgerlichen" Lesern zum Munde zu reden, sondern-Einfluh auf das deutsche Volk zu gewinnen. Man begreift offenbar in dem Redaktionspalast des Herrn Georg Bernhard nicht, wie undeutsch dieser K u n st s n o b i s m u s i st und wie jede Aeuherung dieser Gesinnung den an sich schon' sehr schwachen Kontakt mit' dem deutschen Volke weiter zerstört. Die „Bossische Zeitung" sagt: „Unerhört aufreizend, verhetzend und doch — eilt grobes Kunstwerk!" Für das d eut siche Volk heiht es: „Ein grohes Kunstwerk und 'doch — un - hört aufreizend und verhetzend." Diesen Unterschied wollen wir festhalten. M. N. Berlin den Ostindien! Der zionistische Repräsentant Wallmann der Ber'nr Jüdischen Gemeinde lieh sich in einer der letzten Sitzuuzcn also vernehmen: Die Belebung in der jüdischen Gemeinde in Berlin is, ,.uf zwei Faktoren zurückzusühren: ' erstens auf die Tatsache der jüdischen Renaissancebewegung in der ganzen Welt und zwei. :,r auf den Zuflus; frischen jüdischen Blutes durch die st a r k e E > n» Wanderung der Ostjuden. Die Ostjuden sind dazu berufen, das Subjekt jüdischen Leben» zu werden. Die Ostjuden haben große Leistungen vollbracht, wofür wir den Ostjuden dankbar sind. Die gröhte Gemeinde des deutschen Judentums, Vertreterin der alteingesessenen Berliner jüdischen Bevölkern,:q, muh ihre innere „Belebung" (über deren Vorhandensein sich übrigens streiten läht) auf die Ostjuden zurückführen! Ein schönes Armutszeugnis. Tie Ostjuden in Berlin zum „Subjekt jüdischen Lebens zu machen" werden sich aber alle die deutschen Steuerzahler der Gemeinde verbitten, die ein Recht zu haben glauben, dah allein ihren Interessen die Gemeindearbeit zu gelten habe. 2m übrigen ist unseren Lesern ja unsere Meinung über die „grohen Leistungen" dieser Subjekte des jüdischen Lebens bekannt. Wie ein gewisser Pazifismus wirkt. Tie „Grazer Tageszeitung" schreibt: ES gibt eine .Union deutschösterreichischer Juden', einen .Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens', einen .Verein zur Abwehr des! Antisemitismus', einen .Jüdischen Frontkämpfer» bund' und ähnliche Gliederungen, die alle einen Zweck haben: Den Deutschen zu überzeugen dah die Juden sich nur durch ihr Glaubensbekenntnis von den Deutschen unterscheiden. Wie aber die Juden wirklich über ihre Einstellung zu den Wirt»- völkern denken, beweist eine Rundfrage, die von der Prager jüdischen .Wahrheit" veranstaltet wurde: »Wir werden Sie sich für den Fall eines Wiederausbrnches des Krieges verhalten?" Die Ant» warten find äußerst lehrreich und gerade iür uns Deutsche bemerkenswert. So erwiderte Professor Einstein: „Ich würde unmittel- oder mittelbaren Kriegsdienst unbedingt verweigern und versuchen, meine Freunde zu derselben Haltung zu veranlassen, und zwar unabhängig von der Beurteilung der Kriegsursachen." „Also Hochverra t". schreibt die „Grazer Tagcsztg." weiter, „unter allen Umständen, auch dann, wenn das deutsche Wirtsvolk zur Selb st Verteidigung gezwungen wäre. Und da erwarten die Juden mit ihren .deutschen' Organisationsbestrebungen ernst genommen zu werden!" Wir haben der „Grazer Tageszeitung" unser Mitteilungsblatt gesandt als Beweis dafür, dah es auher den Freunden solcher antinationalen Gesinnung, die übrigens jo auch in nichtjüdischen Kreisen anzutreffen ist. auch noch nationaldeutsche Inden gibt. Auherdem dürfen wir wieder einmal darauf Hinweisen, dah Professor Einstein nicht deutscher Staatsbürger, sondern Ausländer ist, ganz abgesehen von seiner Zugehörigkeit zum Zionismus. Ein neuer Ehettooerein. Unter dem Namen „Verband JüdischerJngenieure und Chemiker in Deutschland E. B." haben sich jüdische Angehörige der technisch-naturwissenschaftlichen Berufe zu eineni neuen Werein zusammengeschlossen. Das Vereinsprogramm gibt selber zu, dah die berufliche Notlage des angestelltei: Mittelstandes allgemein herrscht, es behauptet aber eine besonders schwere Lage der jüdischen Techniker, „da sie au: einen vorwiegend antisemitischen Arbeitskreis" angewiesen seien. Abgesehen von der Fragwürdigkeit dieser Be hauptung — glauben, diese Angestellten nichtjüdischer Arbeitgeber an eine Verringerung des Antisemitismus durch ihren Zusammenschluh? Die ständig zunehmende konfessionelle Organisierung züchtet vielmehr geradezu Entfremdung und Klassengegensätze, Ghettogei st auf der einen, neue A b s ch l i e ft u n g auf der anderen Seite. Und wie wird der neue jüdisch bewuhte Verband die „vorwiegend antisemitische!. Arbeitgeber" dazu, überzeugen, künftighin gerade seine Mitglieder anzustellen? Schriftleitung und verantwortlich: Margo Wolfs. Berlin W 62; Verlag: Verband uationaldeutscher Juden E. V„ Berlin W 85. — Druck von Rob. Rohde G. m. b. H. Berlin W. 35. — Für Herausgabe und Schriftleitung in Oesterreich verantwortlich: Verband national» deutscher Juden, Wien II, Praterstrahe 34. Zimmer 22.