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Der nationaldeutsche Jude · 1929-09-01 · Nr. 9 (September 1929) · p. Seite 2

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1929
Issue
Nr. 9 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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f- -m " f,.. Rasse einzudeutschen, d. h. also durch sein Volkstun bildende Wirkungen auszuüben, die sich als stärker erwiest n. als die von dem fremden Volke mitgebrachten rassischen tz Grundlagen. Nicht selten sind sogar Beispiele, wo aus solcher Ei rdeutschung fremder Rasse besonders wertvolle Träger deutscher Art hervorgegangen sind. Am schwersten aber wiegt wohl die unumgängliche Erkenntnis, wie die' wechselnden Geschicke der letzten zwei Jahrzehnte besonders deutlich gemacht haben. datz die Scheidung vor den grasten Forderungen des Volkstums mitten durch die Raücge-ineinschaft hindurchgeht. 4. Weiter iit zu reden von d.er .Bedeutung der schichte. Datz "die gcinciwam durchlebten wechielnden Ereignisse im Lause der Jahrhunderte die'Züge eilies Volkstums prägen, das kann inan besonders gut studieren am deutschen Volke, denen Gesthicbke so unglaublich "reich ist an Leiden und an Taten, an Arbeit und an Gaben. B'esondirs anschaulich tritt diele Gemeinschaft der Gcschiclfle in die Erscheinung in den Gestalten groster Führer. Sie Iwachsen a ls aus der Volksge'änchte, werden gehoben und getragen von der Volksart. aber dann neben iie überragend da, als Deuter und Zünder des Volkstums, werden zum Ziclbild fü: die nachsahrenden Geschlechter. Zum Volk int vollen Simse wurde unser deutsches Volk als Schickialsgemeiitschaft. Kein bedeutsames Stück seiner Geschichte' ist" vergangen. Iedzs lebt fort und baut mit an der gegenwärtigen lebendigen Gestalt des Volkstunis. Lassen Sie inich als das bedeutendste Beispiel. Neimen die Rolle, die für das Werden dcitttcher Art das Ehristentunr. gewieft bat. An ihm fand.sich die de» liche Seele, vor seiner Forderung und imter seiner Gabe entfalt ste sie ihren ganzen Reichtum in ungeahnter, Schönheit und Fül e. Zu den höchsten Höben erhob, ne sich immer dann, 'wenn sie dem König Ebristus diente. Walter von der Vogclweide und Edwin von Strastburg und Matthias Grünewald uitd Albrecht Dürer und, -Johann Sebastian Bach und ungezählte ander' sind des Zeugen. Ästeil die Schicksalsgemeinschaft der G schichte <un Werden des Volkstums so. wesentlich beteiligt iit. darum ist es wolilisthe Pflicht, die Verbindung mit der-Vergangenheit zu erhalten und zu pflegen, darum "ist' die Geichichts öiigkcil ein politisches . Verbrechen. Ein gründlicher Kenner des siebcnbürgjkchen Voltstums bat mit Rechl einmal gesagt, dies kleine Volt verdanke einen guten Teil seiner zähen Lebenskraft seinem ungewöhnlichen Geichichtsbewustlsein. Aber'io nabe bür uns hier dem Ziele glauben, immer noch ist das Weien des Vo.lkslums nicht erschöpft, i t der Zern punll unstrer Frage nicht erreicht. Gin Schulbespiel dafür hat uns Deutschen rnfr anderen Völkern der Ästcltkrieg geliefert. Schicksale liich über uns stelominen von unerhörtem Ausmast, lieber Hözen der Kraft und des Erfolc es ist unicr Volt gegangen, die iw der Gerüchte ihresgleichen suchen. Durch Tiefen und Erkcksütlerungen bat es hindiirch gcmutz, wie kaum, irgendwani: in seiner langen Geschichte. Aber so übermächtig jVloles jVletidelslobn. der Deutfebe. grob diese Schicksale waren, sie vermochten es nicht, das Volk zur geschlossenen Schicksaisgemeinschaft zusammenzuschweitz Die Tatsache liegt offen vo^vchsern Augen, dah trotz Gemeinschaft des Booens, der^svrache, der Rasse aus di-, selben Schicksale die einen antworteten mit Festigung ihr Treue, mit Vertiefung ihrer Innerlichkeit, mit Sammlr. ihrer geistigen und sittlichen Kraft — auf dieselben Schickdie anderen mit Lntfreindung und Losrcibung von ihl Volk, mit Untreue, mit Zuchtlosigkeit. 5. Und nun scheint mir an diesem zuletzt genannten B spiel der Punkt sich zu zeigen, wo wir das Wesen eines Voll tums zu suchen chaben. Wie die Menschen. die durch d gleiche Geschichte hindurchgchen. auf das mit ihrer Lebe, Haltung antworten, was auf sie cindringt, darin zeigt sich c>. weitgehende gleichgeartete geistige Struktur, und wird cs sein, die das tiefere Wesen eines Volkstums ai>I niacht. Alles bisher! Genannte, Bo^en, Sprache. Rasse. G . schichte, hat am Polkbtum gebaut, aber es bot gewissermatz-, nur den Boden, auf dem die geistige Art. die persönlich-sittlich, Haltung des deutschen ^Rrnschen erwuchs, nur den Stoff, a>- dem sie sich entfaltete!, zum Bewusttsein kam, sich übte. Keines der Merkmale 'eines Volkstums, die wir beobachtend aufzeigen können, macht für sich allein das Wesen eines Volkstums aus. Helfen kann hier vielleicht der Begriff der Struktur — das gute deutsche Wort Gestalt wird , sich vielleicht hierfür ein bürgern. Denken Sie an die Struktur eines gotischen Baues: Kein einzelner Bestandteil macht ihn zum gotischen Bau, nicht der Grundrist oder der Aufrist, nicht das Profil der Wölbung, nicht Form und Mastwerk der Fenster, nicht der figürliche Schmuck, vielmehr ein innerlich begründetes, ei» notwendiges Verhältnis all dieser einzelnen Teile zueinander, vielnichr eine Gesetzmastigkeit, die man schon hier auf dem Ge biete der Architektur fast eine organische nennen möchte. Wie für den gotischen Bau. wie für die Eiche, wie für das Seelen leben in seiner Ganzheit gibt es auch für ein Volk in seiner Geschichte ein inneres, mächtig wirksames Formgesetz, ein Wachstumsgesetz. Abweichung von den Linien, die dieses Gesetz vorzeichnet, oder gar Widerstreben gegen den Zusammen Hang, in den es weist, bedeutet allemal Schwächung der Volks traft, Zurückünken, Erkrankung. Bejahung dieses verborgenen Gesetzes aber, Gehorsam gegen seine Forderungen, Aufgeschlossenheit für seine . Kräfte bedeutet allemal Lebensbereichc rung, Aufstieg, Gesundheit. Leistung, Kraft. Ich bin mir wohl der Unzulänglichkeit einer Umschreibung für das Wesen des Volkstums bewustt, wage aber um der Verständlichkeit willen abschlicbcnd zu sagen: * Teutsches Volkstufn i st d a s , w a s auf Grund der Gemeinschaft des Hodens, der Sprache, der Rasse, derGeschichteltafteinesinnerenW ach stumsgesetzes aus dem deutschen Bolle werden kann und will und soll. Zur 100. diederkehr seines Geburtstages (6. September 1729). Ton Dr. Otto Conrad. Moies Mendelssohn ist bekannt als einer der,edelsten Vertreter nicht nur des Iudentums, sondern der Men chheit überhaupt. Als solchem hat ihm Leimig in seinem Nathan ein Denkmal gesetzt. Er war ein Philosoph, der Hurtanität, der Ptenichlichkeil: das beweist vor allem fein Phädo n. der ihm den Beinamen des deutschen Plato eingebracht hat. Lehre und Leben stimmten bei Moies Mendelssohn überein. Das ist ein' nicht geringes Lob. Mil Recht schrieb sein.Zeitgenosse, der berühmte Gelehrte Lazarus, von ihnk: „Die Innige Verbindung einer edlen Stärke des Willens, Reinheit der Gesinnung und Tiefe des Gemüts mit. der Klarheit md Schärfe des Geistes. alio die strenge Einheit und Ganzhei: des philosophischen Eharakters. ist selten wieder in gleicher Vollkommenheit, dagewesen." Aber das Lebenswerl Mendelssohns erschöpfte sich nicht in philosophischen Betrachtungen., Für uns Deutsche hat der in Dessau geborene Jude eine besonderr Bedeutung, weil er mit ganzer Seele ein Deutscher war und dem deutschen Vaterlande praktische Arbeit geleistet hat, für die ihm heute noch unser Dank gebührt. . Das Deutschtum Mendelssohns zeigte sich zunächst im Verhältnis zu seinen Glaubensgenossen. Ihnen gegenüber war sein Streben darauf gerichtet, die Juden mit der deutschen Kultur vertraut zu machen, eine harmonische Verbindung zwischen religiösem Judentum und mftionalcm Deutschtum herbcizu führen. Als der junge Mendelssohn mit 14 Jahren 1743 nachdem Berlin Friedrichs des Groben kam, mutzte er erst das Deutsche schreiben und lesen lernen. Er mutzte sich deutsche Bücher heimlich verschaffen und sie ir* der Nacht lesen: denn die jüdische Gemeinde duldete es damals nicht, dah ihre Mit glieder sich der deutschen Sprache befleitzigten. Trotzdem wurde

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