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Der nationaldeutsche Jude · 1929-07-01 · Nr. 7 (Juli 1929) · p. Seite 8

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1929
Issue
Nr. 7 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 'F. Hus dem Cageakampf. Kein« Enteignung jüdischen Gemeindebesitzes i> Berlin. In der jüdisch-nationalen Presse wird mitgeteilt, dah der Magistrat Berlin beschlossen habe, „eine det jüdischen Gemeinde in Weihensee gehörende Bodenfläche von etwa 3926 Quadratmetern zu enteignen. Es handle sich dabei um Gelände. das zum Zwecke des jüdischen Friedhofs von der^ Gemeinde erworben worden sei." Tendenz dieser Notiz: .selbst in Berlin sind die Juden nicht vor-rücksichtslosen Attacken der Behörden geschützt: wie recht haben wir Zionisten mit unserer Propaganda zur Untergrabung des deutschbewuhlen Judentums. — Nunmehr wird städtischerseits mitgeteilt, dah es sich in dieser ominösen Angelegenheit natürlich ' keineswegs um eine Enteignung, sondern vielmehr um den Vorschlag eines Rückkaufs handle, der überdies noch der Zustimmung der stadtverordnet^zversammlung bedürfe. Zu diesem Rückkaufsvorschlag iit die Stadt auf Grund ihrer Baugesetzgebung berechtigt, da die Berlängerung der Metzstrahe .ihr Weihensee nur unter Berücksichtigung des jetzigen ungenutzten Geländes der jüdischen Gemeinde durchführbar ist. »elbstverständlicksind über diese Frage direkte Verhandlungen mit der jüdischen Gemeinde im Gange. Nach dieser Sachlage kommt irgendeine Benachteiligung der jüdischen Gemeinde oder eine anders als rein sachlich-baupolitiiche Auffassung des eventuellen Rückkaufsgeschäfts überhaupt nicht in Betracht. „Juden, lauft nur bei Juden." \ Unsere Meinung über die Ueberftüssigkeit und Schädlichkeit des neuen „Jüdischen Adrehbuches für Groh-Berlin", dessen Erscheinen in nichtjüdischen Wirtschaftskreisen sehr unliebsames Aufsehen erregt hat, haben wir an dieser stelle in der.Mai- Rummer bereits zum Ausdruck gebracht. Heutel bleibt die Veröffentlichung eines Propagandaschreibens dcS Verlages dieses Adrehbuches nachzuholen, das an jüdische Fimieninhaber gerichtet iit und folgcndermahen lautet: Wir haben Veranlassung, den jüdischen Kreisen <Hroß-Berlins Firmen aufzugeben, die tatsächlich auf eine Geschäftsverbindung mit ihnen Wert legen. ES ist uns leider aus besonderen Gründen nicht möglich, nähere Detail« hier schon niederzulegen. . Da wir aber annehmen, dah Ihnen an der Berliner jüdischen Kundschaft sehr viel gelegen ist bzw. ein groher Teil Ihrer jetzigen stunden sich aus diesen Kreisen rekrutieri, -so bitten wir Sie, einen unserer Herren mittels beigefügter Karte zu einer unverbindlichen Konferenz zu verlangen. j Wir müssen dabei voraus bemerken, dah das »Jüdische Adreßbuch für Groß-Berlin" , von uns herausgegeben wird und als Nachschlagewerk bei den bemittelten jüdischen Familien sowie bei der betr. Geschäftswelt fungieren wird. Das' Werk hat zwar Titel und Inhalt mit einem Adreßbuch gemein, unterscheidet sich aber im Anzeigenteil dadurch, daß auch dieser effektiv nachgeschlagen wird und in maßgebendster Weise die erwähnten z a h l uu g S f ä h i g Kreise beeinflußt. Dieses schreiben enthält nichts weniger als eine Boykottdrohung gegenüber solchen Firmen, die das vom Vorlage unter dem Deckmantel eines Nachschlagewerkes bewuht vropagierte System: Juden, kauft nur bei Juden! nicht mitmarhen wollen. Und da beklagen sich die Gemeinderepräsentanten! stder Wirt- ° schastsantisemitismus! , j „Intellektuelles Ghetto". Die Nr. 23 der „C>V.-Zeitung" tLentral^rein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens) bringt >ols Leitartikel in groher Aufmachung einen tendenziösen Bericht über die Stahlhelmtagung in München, trotzdent. auf dieser die Iudenfrage überhaupt nicht erörtert wurde, des weiteren einen zustimmenden Artikel eines jüdischen Glaubensgenossen über das Ueberfetzungswerk eines anderen Glaubensgenossen, betitelt: „Die Ueberbewertung des Nationalen" und zum Dritten einen Artikes!über „das Ende des Kapitalismus", der feststellt, dah sich der „Kapitalismus des ungehemmten Erwerbsstrebens überlebt habe". ‘ i Mit Recht bekämpft die „C.-V."-Zeituilg in jletzter Zeit den völkischen Radauantisemitismus, sie beeinträchtigt aber die Abwehrwirkung ihres Kampfes, wenn sie-jetzt beginnt, in dieser Weiieauf die Linie des „intellektuellen Ghettos" loszusteuern, jene geistige Haltung, die -inan in nichtjüdischen Kreisen als anational, einseitig linkspolitisch und destruktiv gegenüber gewachsenen Institutionen verurteilt. Sabbathgedanke und Wirtschafts-Antisemitismus. In der letzten Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde beklagte sich Ministerialrat Goslar. Mit. glied der jüdischnationalen Vollspartei. zugleich preuhii, deutscher Regierunqsvertreter. über den „wirtschaftlichen An-, semilismus, der den Bestand der Gemeinde gefährde". o,.- gleich trat er aber in dieser Sitzung für eine „Beleb». - des Säbbathgedankens" ein. dieauf einer Linie mit der v. seiner Fraktion stets vertretenen tcilweisen Freigabe rsonntags für jüdische Gcwerbezwcige liegen würde. — S. diese Politik ein Mittel zu Beseitigung des wirtschaftlich Antisemitismus bedeutet'? Palästina, Völkerbund — und England. Lord Robert Cecil war kürzlich in Berlin. Das Pr- Palästina-Komitee konnte es sich nicht nehmen lassen, ihn ... einem Tee einzutaden und zu einer Stegreif-Rede zu nötige,, Lord Cecil erklärte sich für einen „überzeugten Förderer bi Zionismus", was für einen Engländer selbstverständlich ii\ Im übrigen sprach er die denkwürdigen Worte: „Palästin,: zeigt, daß der Völkerbund nicht eine akademische Idee iii sondern ein praktisches Instrument der Politik, das geeignet ist, ein neues. Stadium der Weltgeschichte im Zeichen de. Völkerverbindung herbeizuführen." Es wird nicht berichtet, ob zu der Veranstaltung auch Hühner zugelasscn waren. Zutreffendenfalls dürften sie herz lich gelacht haben. Zwei Briefe. Im „Schild", der Zeitschrift jüdischer Frontsoldaten, er schien in Nr. 22 ein Artikel über die jüdischen Frauenorgan, sationen., Der Syndikus des „C.-V." K a m n i tz e r schrieb daraufhin an den „Schild" als Mitglied des R. F. F. folge» den Brief: »Ich beziehe mich auf meine Karte vom 7. d. Mt», in der ick mein Erstaunen ausdrückte, dah Sir bei aller Anerkennung der Frauenarbeit einen Leitartikel über die WohltahrlSarbeil der Frau brachten. Ich bin der Meinung, daß solche Artikel in Frane.izeitnngen und nicht in daS Organ der Frontsoldaten geboren. Im letzte» Blatt finde ich wiederum einen langen Frauenartikel, der sog« noch in einer Propaganda für den Zionismus endigt. Ich bitte wiederholt darum, einmal Vernunft anzunehmen und derartige Artikel Frauenzeitungen zu überlassen, da ick sonst gezwungen bin, den »Schild" abzubestellen. Mit kameradschaftlichem Gruß gez. Kamnitzer, Syndikus deS C.-B. Landesverband Thüringen." Bravo. Herr Kamnitzer! Wir freuen uns. dah solche Eesin nung noch im „C.-V." vorhanden und kampfesfroh auch zur Abwehr zionistischer Machenschaften, wo immer sie be troffen werden, bereit ist. Leider aber lesen wir in der Nummer 24 des „Schild" diesen weiteren Brief des Herrn Kamnitzer: „Bon einer kleinen Reise zurvckgekehrt, finde ich Ihre Beleg- Eremplare und darin meinen Ihnen seinerzeit übersandten Brief im Wortlaut mit meiner vollen Unterschrift und, was daS Unglaublichste ist, mit-der Bezeichnung meiner Stellung im Centralverein, so daß jeder einzige Leser den Eindruck empfangen muß, ich hätte diesen Brief in meiner Eigenschaft als Syndikus des Centralvereins an Sie gerichtet In Wirklichkeit habe ich als eines der ältesten Mitglieder des Frontbunde» von meinem Recht, Kritik an dem Vereinsorgan zu üben, Gebrauch machen wollen. ES widerspricht allen redaktionelle» Gepflogenheiten, einen derartigen Brief abzudrucken. ES wäre viel richtiger gewesen, die darin enthaltenen Lehren zu beherzigen. Da Sie aber nun einmal mit dem Abdruck meine- Briefes angefangen haben, muß ich Sie schon bitten, auch diesen Brief zur Aufklärung der Leser zu veröffentlichen. gez. Kamnitzer usw." Ja. wir sind nun aufgeklärt — leider! Das ist die Tragik der deutschfühlenden Menschen im „C.-V.": sie wollen das Beste und dürfen es nicht sagen, sie sind deutsch und dürfen es nicht bekennen, sie lehnen den Zionismus ab, aber be kämpfen ihn nicht. Dem „S ch i l d" aber können wir nur raten, die deutschbewuhten .Lehren" ihres Kameraden Kam nitzer zu „beherzigen". Schrikrleitung und verantwortlich: Heinz Ludwig, «lerlin-Wilmersdorf: Verlag: Verband uationaldeutfcher Juden E. B„ Berlin W. SS. — Druck von Rob. Rohde K. m. b H, Berlin W. 35. — Für Herausgabe und Schristleitung in Oesterreich verantwortlich; Verband nationoldeutjcher Juden. Wien II. Praierstrah« 34. Zimmer 22.

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