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Der nationaldeutsche Jude · 1929-04-01 · Nr. 1/4 (April 1929) · p. Seite 8

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1929
Issue
Nr. 1/4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 i Hus dem Cagcskampf. Inner-palästinensische Schwierigkeiten. Der Generalpostmeister von Palästina hat entschieden, dah Telegramme in hebräischen Lettern innerhalb Palästinas an den Postschaltern nicht entgegengenommen werden sollen. — Das bedeutet einen schweren Schlag gegen die zionistische Lieblingsidee der hebräischen Verkehrssprache. Nach einer Meldung aus Jerusalem drangen kürzlich etwa 90 angeblich arbeitslose Leute ins Rathaus von Tel Aviv und forderten Arbeitslosenunterstühung. Nach einer vertröstenden Antwort des Bürgermeisters und zweimaliger Aufforderung der herbeigeeilten Polizei, das Gebäude zu räumen, zerschlugen die Eindringlinge die Türen, demolierten die Einrichtung und verwundeten zwei Polizisten. -Die Polizei ermittelte unter den Demonstranten nur 10 Arbeitslose, a^er Rest bestand aus Kommunisten und Gewerkschaftlern. Der Ueberfall' macht den Eindruck einer wohlorganisierten Provokation gegen das neue bürgerliche Regime seit den Neujahrswahlen in Tel Aviv. Nach der soeben veröffentlichten Statistik betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer in Palästina im Jahre 1928 laut „I.T. A." 2178, die der Auswanderer in dem gleichen Jahre ebenfalls 2178. Selbst in den drei Krisenjahren. 1926 — 1927 — 1928. wanderten in Palästina 17 971 Juden ein und „nur" 14 614 Juden wanderten aus: der lleberschuh der Einüber die Auswanderer betrug in dieser Periode 3357: Seitdem hat sich das Verhältnis noch weiter verschlechtert. Die schädlichen Wirkungen des Zionismus in Italien. Die Zeitung „Popolo di Roma", das führende faschistische Organ, besaht sich in einem längeren Aussatz mit einem vor kurzem in Mailand tagenden Kongreh der italienischen Zionjsten und entwickelt in diesem Zusammenhänge > ihre Ansichten über Judentum und Zionismus. Der Rumänische Korrespondent des Londoner „Daily Telegraph" referiert ausführlich über diesen Aufsatz und behauptet, dah er vom italienischen Regierungschef Mussolini selbster stammt. In diesem Aufsatz, schreibt der „Daily Telegraph-Korrespondent. tadelt der Duce die nationaljüdische Einstellung der italienischen Zionisten und richtet an sie die Frage, ob sie sich als eine Religion oder eine Nation betrachten. Die Juden Italiens seien zum gröhten Teil glücklicherweise mit der allgemeinen Bevölkerung verschmolzen, in Italien bestehe kein Antisemitismus, wie dies in vielen anderen Ländern der-Fall sei: in der letzten Epoche Italiens haben drei Premiers jüdischer Rasse das Land regiert, ohne dah von irgendeiner Seite dagegen etwas eingewendet worden sei. Nun aber sei man überraicht, zu hören, dah die Zionisten die Juden nicht als Italiener betrachten. Das italienische Volk lebte bisher in der Einbildung-, dah die italienischen Juden der Nationalität nach Italiener, der Religion nach jüdisch sind. Habe sich dies geändert? Bereinigung für das liberale Judentum ebenfalls gegen die Iewish Agency AB. ' Nachdem seit längerer Zeit innerhalb der, Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland Diskussionen über die Frage der Beteiligung der Vereinigung an der erweiterten Iewish Agency stattgefunden haben, hat sich jetzt der Gesamtvorstand der Vereinigung zum ersten Mal offiziell mit dieser Angelegenheit besaht. Es wurde die Beteiligung an diesem zionistischen Hilfswerk abgelehnt, da „der Befriedung des' Judentums am beiten zu dienen sei, wenn man die Zionisten ihren Weg allein gehen läht".' Polemik, wie sie nicht sein soll. Der Artikel „Erischa-Kunst" von vr. Mar Naumann im letzten Heft unseres Mitteilungsblattes hat in seinem zeitwichtigen Eintreten für die Freiheit der Kunst, gegen ihre Unterordnung unter rein politische Tendenzmache die Zustimmung weitester Kreise gefunden. Heinz Pol. ein Redakteur der Vossischen Zeitung, der s o bei Ullstein nicht schreiben dürfte, bringt in der „Weltbühne" eine Polemik ' gegen diesen Aussatz, der sachlich nichts, persönlich gegen vr. Naumann nur Beleidigungen aufzubringen hat. „Dummheit — Infamie — Unverschämtheit — Borniertheit — heiher Ekel" und so fort. Wie gesagt, ohne jede inhaltliche Wertung des Artikels. Dadurch entfällt für uns ebenfalls die Möglichkeit einer Auseinandersetzung. die wir sonst um der Sache willen begrüht hätten. I Nach Palästina nun Ruhland. In der Sitzung der Zentralverwaltung von Ozet wurdlaut I. T. A. über die Landfonds der Krim berichtet. Maiteilte mit. dah der Gesellschaft Komzet weitere 95030 Hekla. Boden für Landansiedlung von Juden in dem Rayon von Kertsch, Krim, zur Verfügung gestellt worden sind. Radiese Weise werden die jüdischen Kolonisten jetzt über insgesamt 242000 Hektar Boden verfügen. Die I. T. A. meldet aber gleichzeitig, dah die Neu siedler viel unter den klimatischen Verhältnissen zu leiden haben und berichtet über starke Viehverluste durch Schnee un.-,. Kälte. Für die religiös-orthodoren Siedler muh auch d, nicht eben judenfreundliche Forderung der Charkotoer kom munistischfn Tageszeitung „Stem" eine schwere Schädigung bedeuten., wonach „kein Pfund Mehl für Mazze gegeben wer den soll,! da man sonst auch der orientalischen Kirche Meh! für Osteispeisen wird bewilligen müssen". jstommunismus und doch Antisemitismus. Das Organ der jüdischen Kommunisten „Ermess" klagt, wie die H,J. T. A." meldet, in einem Leitartikel darüber, dah der j,Trotzkismus", die Linksbewegung unter den Kommunisten, sein gröhtes Gefolge unter den Jude» hat. Die jüdischen Arbeiter, Angestellten und die jüdische Intelligenz seien zum grohen Teil im Lager der Trotzkisten. Die Folge sei eine Abwehrbewegung unter den Stalin treuen Kommunisten nichtjüdischer Abstammung. — Gleich zeitig wird von anderer kommunistischer Seit» die offensicht lich politisch mehr links steht, auf die starke Beteiligung der jüdischen Intelligenz auf dem rechten Flügel der Partei hingewiesen. Da auch in deusschen kommunistischen Kreise,» neuerdings in Zusammenhang mit der Führerfrage Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden gemacht werden, ergibt sich die Unmöglichkeit der Ueberwindung der Judengegnerschaft auf dem Boden der internationalen und kommunistischen Verbrüderung. (Es soll zwischenschichtlerisch«, jüdische „Deutsche" ^geben, die aus derartigen irrigen Hoffnungen heraus kommunistischen Tendenzen huldigen: diesen diene zur Bekehrung vorstehende Notiz.) Ist das der Aufgabenkreis der Berliner Jüdischen Gemeinde? In der Repräsentanten-Versammlung Mitte Februar wur den unter anderem Anträgen folgend« Vorlagen eingebracht: . Bewilligung von Beiträgen 1. für das hebräisch-russische Theater Habimah. 2. an die jüdische Schülerorganisation in Warschau, 3. an das Pro Falascha-Komitee (das sind jüdische Neger in Afrika!). Kücberfcbau. Los vom Zionismus. Von Fritz Blankenfeld. Kimchi und Ernst Ludwig Pinner (I. Kauffmann Verlag, Frankfurt/Main 1928). Die Insel des Verständnisses. Von Walther König (Verlag der Neuen Gesellschaft, Berlin-Hesfenwinkel 1928). Zwei Schriften, deren Gemeinsames ist. dah sie aus dem Kreise um Constantin Brunner stammen und sich mit der Stellung der Juden zur Umwelt beschäftigen. Leider verbieten uns Raumgründe auch diesmal die eingehende Würdigung. Vorbehaltlos anzuerrmnen sind der Idealismus und die ehrliche Entschlossenheit, mit der diese „Brunnerianer", Nichtjuden'loie Juden, an die Lösung des Problems Herangehen. Bedenklich stimmen, aber gleichzeitig entwaffnen muh die gläubige lleberzeugtheit. die ein Kennzeichen aller Anhänger des „Einsiedlers" Brunner zu kein scheint, diese lleberzeugtheit, die sich von theoretischen Darlegungen praktischen Erfolg verspricht und keinen anderen Weg, als den eigenen, gelten lassen will. Wir fürchten, dah die rauhe Wirklichkeit den Brunnergläubigen noch manche Enttäuschung bereiten wird, die tiefe Enttäuschung aller derer, die nicht verstehen kömien. dah der Mensch ttotz aller technischen Fortschritte auch heute noch ein höchst kümmerliches Lebewesen ist und dah sehr weite Zeiträume dazu gehören, seine ethische Entwicklung einen Schritt vorwärts zu bringen. Ferner gingen ein: Historische Belletrifttk (Verlag R. Oldenbourg, Berlin und München), Zehn Jahre Bokschewiftenherrschaft (Verlag Bickermann, Berlin-Grunewald), Politik und Humanität, ein Lebensbild Paul Nathas von Emst Feder (Deutsche Verlagsgesellschast für Politik und Geschichte, Berlin). Als die Firma verkrachte. Von Nathan Asch (Rütten- Loening-Derlag, Frankfutt a. M.). Die Besprechung folgt in der nächsten Rümmer. Schriftleitung und verantwortlich: Heinz Ludwig, Berlin-Wilmersdorf; Berlag: verband uMionaldeutscher Juden E. B.. Berlin SB. 85. — Druck von Rob. Rohde G. m. b. H., Berlin W. 35. — Für Herausgabe und Schriftleitung in Oesterreich verantwortlich: Verband national« deutscher Juden, Wien II, Praterstrahe 34, Zimmer 82.

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