Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 7/9 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6682492-5438663-5438812--320-4871528- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
maMMi r «w* irrwp Bermischles. Jiddische» Theater. In Berlin spielt — „immer mal Wieder" — ein jiddisches Theater. Es kommt diesitial auf dem Umwege »der New York, wo bekanntlich fast der zehnte Teil sämtlicher Iuden der Welt im freiwilligen Ghetto lebt. Ucber Sie sogenannte Kunst, die in dieser Anstalt verabfolgt wird ist kaum ein Wort zu verlieren. Rührseliges Volksstück mit ichmalzigem Gesang und knallig aufgetragenen Effekten. Nur eine Kostprobe: Einer königlich istolzen Geschäftsfrau wird von der höchst bösartigen Schwiegertochter die angestammte Fuhdank entzogen. Sie rollt esu weniges die Äugen, lätzt dann ihren mit Diamanten ü,d Perli-n gefüllten Schmucklasten herbeiholen und setzt - bums >— die Fütze darauf. Im Zwischenakt singt ihr Mann Couplets. Aber wesentlich ist das Publikum. Es widerlegt bündig die in alljüdischen Blättern so | oft wiederholte Behauptung, datz in Berlin nur eine ganz unbedeutende Anzahl von Ostjuden lebe. Das recht geräumige Theater ist. bei der achten oder neunten Wiederholung des Stückes, noch gut gefüllt. Kaum eine Kaftangestalt, die meisten Besucher westeuropäisch gclleidet. Manchem sieht man es noch an. datz ihm die Kleidung ungewohnt ist. aber das findet sich bekanntlich im Laufe der Zeit. „Ae ganzer Daitsch" wird einmal im Stück mit verachtungsvollem Humor zu einem Jüngling gesagt, der soeben aus der heimischen Tracht geschlüpft ist und erfolgreich versucht, sein Aeuheres dem modernen Schiebertypus anzunähern. Alle diese frischgebackenen „Daitschen" lauschen atemlos, erfassen jedes Wort der uns fast unverständlichen und mitztönenden Sprache, bejubeln stürmisch jede Pointe, lind sichtlich ergriffen, wenn der Spieker auf der Bühne mitten in einer Familienszene zum rituellen Gesang übergeht. Hald- Aiien und Halb-Ämerika auf der Bühne. Ganz-Asien mit dünnem Europa-Firnis im Zuschauerraum. Die Leute sind unter sich. Sie mögen unter sich bleiben. Aber warum gerade bei uns in Deutschland? Der „wahre Zionismus". Ein ostjüdischer Zionist, der polnische Sejm-Abgeordnete G r ü n b a u m . fordert in einem jiddisch geschriebene» Zeitungsartikel auf. den jetzigen zionistischen Führern die Leitung zu entreitzen und „in die Gasse hinaus den ibahrcn Zionismus zu verkünden". Dann folgen die bemerkenswerten Sätze: „Unsere Losung oarf nicht nur Palästina-Aufbau sein, sondern in er st er Linie die Erstarkung der zionistischen und nationalen Idee, das ist die Erneuerung des Volkes, seine Befreiung und Erlösung vom G a l u t h. 's Die Aufbauarbeit in Palästina darf nicht als Endziel des Zionismus propagiert werden, soll vielmehr nur als e i n Mittel dienen, um unsere nationalp olitischen Bestrebungen in der Diaspora zu b e - mäntel n."s Trotz solcher ehrlichen Geständnisse, die durchaus nicht vereinzelt sind, öffnen harmlose Pro Palästina-Gemüter immer wieder den Geldbeutel, wenn ihnen von weniger ehrlichen Zionisten erzählt wird, der Zionismus sei eine in der Hauptsache „humanitäre" Bestrebung, die ohne Gefahr, für die „Galuth"-Völker von jedem Iuden und Christen unterstützt werden könne. Konkurstermin. Am IO. August beginnt in Basel der Zionistenl o n g r e tz. Er steht im Zeichen des Zusammenbruchs des Palästina-Unternehmens. Sieben' Parteien stehen sich gegenüber. Im Wahlkampf, aus dem die Ab» geordneten hervorgingen und der mit gröhter «chärfe geführt wurde, waren es noch einige mehr. Einem Flugblatt, mit dem die „Vereinigung radikaler Zionisten" für die Wahl ihrer Abgeordneten warb, entnehmen wir folgende Blütenlese: „Die Krisis der Organisation hat ihren Höhepunkt erreicht." , „Die Iewish-Agencq-Politik ist . . . ohne ,eden Erfolg geblieben." ..... „In Palästina ist die Lage überaus schwierig. „Die Erekutive hat jede Autorität verloren, vor allem durch ihre Unfähigkeit... die Kcilonisation systematisch zu leiten." , _ r. _ „Das bisherige, auf allen Gebieten bankrottierte System der zionistischen Arbeit.? •) Galuth —die Fremde. . Uebersetzung nach der jüdischen Zeitschrift „Die Wahr , *) -—- . heit" (Wien). Sperrungen von uns vorgenommen. Die Schriftleitung. Wenn davon auch nur anderes übrig bleiben, als glieder des deutschen Pro Kultusminister Becker chid persönlich nach Palästina begeben. die Hälfte wahr ist. wird datz s ch einige hervorragende M t o Pa ästina-Komitees, etwa He Herr Frau von Oheim >?- um die Lage zu! rettqn Deutsche Kultur. Die C. V. - Z e i t u n g hatj eine Sondernummer nnker dem Titel „Unsere Mitarbeit an! der deutsch,» Kultur" herausgebracht. Dem Einführungsartikel des Herrn Syndikus l)r. Wiener entnehmen wir folgende cätze: . j . „Die Wörter sind minderwertige, höchst fadenscheinilge Hüllen um ihren eigenen Körper?' „Ahmen wir nicht. . . unseren vielgxfchüftigen Gegnern nach, die kein« kulturelle Leistung vorbeilassen, ohne niht nach Name, Nase oder Sippschaft ihres Urhebers ihr West urteil einzurichten?" | : I' Vielseitigkeit.! . 7 Der bekannte Regierungszicchist und Pressechef d Preutzischen Staatsmintsteriums. Herr Pi i n i s< rialrat Hans Goslar-, in nunmehr auch zum vera wörtlichen Schriftleiter des Gemeindeblattes Berliner Jüdischen Gemeinde ernannt worden etil- 1 er Berbandsnächrichlen. 1. Jungengruppe (Berlin). Fahrten und Hciisia b e n d e. Fahrten: 28. August 1927 Treffen 8 Uhr morgens v p r dem Stettiner Vorortbahnihof. Fahrkarte Hermsdqrf. Rückkehr gegen 6 Uhr abends. Führung: H. Z. 18. September 1927 Treffen!' -9_1lhr morgens a u f dlrni Bahnhof Aleranderplatz. Fahrkarte Friedrichshagpn. Rückkehr gegen 6 Uhr abends. Führung: E. I.' Heimabende: 31. August 1927 bei Ludwig Krciifz, '-8 Uhr. Leitung: H. Z. 14. September 1927 bei Hermann äamter, '-8 Ushr. Leitung: H. S. 23. September 1927 bei Reinhard W 01 f f, ' .-8 Ushr Leitung: R. W. ' > 2. Frankfurt a. M. Es ist beabsichtigt, im kommende» Winter mehrere Versammlungen abzuhalten. Alle Anregungen und Nachrichten werden an Herrn S " W. H e Feuerbachstr. 21. erbeten. I 3. Rednerkurstkd» Die Kursusabende beginnen Voraussicht lich im Oktober. An die bisherigen Teilnehmer -ergeht sbesondere Nachricht. 4. Wahlprotest (Berlin). Der P ol ize i p rä sidein 1 von Berlin hat die Wahl zur Repräientanten-Versammlnng der Berliner jüdischen Gemeinde b c st ä-t i g t. Die ge >e» diesen Bescheid eingelegte Beschwerde ist von dem Ol er Präsidenten zurückgewiesen worden. Gegen diesen 'Bescheid wird weitere Beschwerbe_ eingelegt, lieber die Einleitung des Verwaltungs-Streitverfahrens schweben Erwägungen. Weitere Mitteilungen folgen. Der Vorftant Bücherschau. Zur Besprechung sind eingegangen: F. Hemann: Geschichte des jüdischen Volles seit der Zerstörung Jerusalems. Calwer Vereinsbuchhandlung. Stuttgart 1927. G. A. Vorhin: PlatimÄtzige Entsittlich« > g. „Auch eine Revue." Selbstverlag. Lübeck 1927. Hans Christiansen: Der Freuen st aat. Eine tragische Kinokomödie. Verlag Heinrich Staadt, Wiesbaden 1927. Heinz Anders: Mensch und Tier. Phylar-Ver ag. Berlin 1927. Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge. Herausgegcben von der Haupt stelle für jü bische Wanderfnrsorge, dem Arbeiterfürsorge-Amt der jüdisck en Organisationen Deutschlands und der V: r - einigten Zentrale für jüdische Arbeitsnachweis e. . (Zeitschrift) Heft 1 2. ' J)r. Ferdinand Steinbrecher: D,e u n l 0 n, st 1 s ch e B e - wegung zur Wiedergeburt Deutschlands. P0I1ti.dK Studie. Selbstverlag. München 1927. Curt Elwenspoek: Charlytte von Meriko. Der Leidensweg einer Kaiserin. Wdlter Hädecke Verlag.-Stutt- ^"^Ludivig Strautz: Ruf aus der Zeit. Verlag Lami) Schneider.. Berlin-Dahlem 1927. Das Jahr des jüdischen Frauenbundes (Kunstkal der) 1927 28. . p ■ ' - Die Besprechung, die m dieser Nummer wegem Raummangels nichd erfolgen kann, wird in der nächsten Nummer nachgeholt werden. Schnftleitun g. ert n -