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Der nationaldeutsche Jude · 1927-06-01 · Nr. 4/6 (Juni 1927) · p. Seite 2

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1927
Issue
Nr. 4/6 (Juni 1927)
Date
1927-06-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Dann schob der Zionism«» sein Haupt, zuerst verlacht, dann mit Ueberheblichkeit und Spitzfindigkeit „bekämpft", allmählich aufrückend zur NIoöespielerei der! Unsicheren und Unklaren. Um die Wenigen, die ihr ^erz wirklich nach Asien zog, scharten sich die Sensationshunglsigen, die stets das Neueste suchen und denen das Uralte, durch eins Entwicklung von Jahrtausenden längst Ueberwundene als „letzte Neuheit" willkommen war. Palästina wurde die!„Grotz« Mode". Mau kokettiert mit dem Lande der Erzväter, spestdet Geld für eine bestenfalls überflüssige Umverfität, entdeckt die Schönheit Asiens auf wöhlgeleitefen Gesellschaftsreisen, schwätzt das tauge und Breite über das „Wesen des Judentums", sucht Anschluß an jüdische Gruppen gleichvil welcher Gefühlsrichtung, verhandelt über „Befriedung des Judentums", preist die „jüdische Eircheltsfront", schlägt „Brücken" zu den organisierten Zionisten, ist sich selbst unsagbar interessant und — verliert ofltttäfylidj den sei wererrnngenen Boden der dentsechen vaterlande» unter den Fützen. Denn je wichtiger diese Leute ihr unklares ,,^)udessin" nehmen, >esto mehr fühlen sie das Bedürfnis, sich al» Juden zusammen zu schließen, siech abznkgpseln gegen die nichtjudifech« Umwelt, ihre liebevoll gepflegte Soudcran zu vertiefen und sie auch den „Anderen" sichtbar zu machen. Die „Anderen" aber, unsere nichtjüdischen Volksgenossen, sehen erstaunt und zum Teil mit Behagen, wie sich die Juden wieder „durch praktische Grundsätze, Sitten, Gebräuche und Verfassung von den übrigen Staats-Einwohnern absondern", wie sie die „sSlide Reform" rnekwärt» revidieren, wie sie sich förmlich danach drängen, die „auf «ine so verkehrt« Art eingerichtet« Erziehung" in jüdischen Sonderschulen, die heute erst ausnahmsweise bestehen, wieder „l»«f d«m grotzen Kaufen" «inzuführen. Ein kleine» Beispiel: Unsere Leser kennen aus einer früheren Mitteilung die „Sozial-Gesellige Vereinigung", gegründet von dem Syndikus des Eentralverein» deutscher Staat»bürg«r jüdischen Glauben». Der neue Verein gibt soeben die erste Nummer einer besonderen Zeitschrift heraus. Man ersieht aus ihr, daß christenfreie Tanzvergnügungen, Dampferausflüge ufw. veranstaltet werden, gelegentlich auch ein Vortrag. Und jauchzend über den zu solchen Zwecken erzielten Zusammenschluß eiliger Hundert sozial-geselliger Juden ruft der Leitartikler aus: „E» geht vorwärts, unaufhaltsam vorwärts!" , Wen die Gottheit verderben will, den schlägt sie mit Blindheit. Auch dieses Vereinswesen, so unbedeutend es erscheinen mag, ist ein Zeichen der Zeit. Verblendet taumeln dies« Menschen rückwärt» in» Ghetto und dabei rufen sie jubelnd: ,,E» geht unaufhaltsam vorwärt»". Wie würden sie erst schreien, wenn die Ghettotore sich hinter ihnen schließen würden! vorwärts oder rückwärts, —daß ist he ,te die Schicksalsfrage der deutschen Juden, Wir kennen nur einen einzigen Weg» und das ist. der, den da;. Edikt vom Jahr« JT98 unseren Vorvätern wies. Es ist der Weg, den auch unsere programmsätze weisen. Verständig««, Erziehung»«»!» " Entwicklung»,» Nicht rückwärts zum Ghetto, sondern deutschen Juden sein, denen das deutsch« Vat««l empfinden ist. csarbeit nach autzen. eit nach innen, rbeit an der Jugend, vorwärts zum Deutschtum! and nicht «in leerer Begriff, Das muß der Weg aller sondern ein heißes Herzens- Jüdisch,! Solidarität. Von Justizrat l » r. 0 e o r g Siegmaun. Bei Erörterungen mit deutschen Volksgenoffen nichtjüdi cher Abstammung, über die Judenfrage im allgemeinen und die völlige Eindeutschung der deutschen Juden durch restloses!lufgehen in die deutsche Volksgemeinschaft im besonderen, begegnet man immer wieder dem Hinweis auf das „jüdische Solidaritätsgefühl" als ein Haupthindernis, das der völligen Verschmelzung der Juden mit der sie umgebenden nichtjüdischen Umwelt ent» gegensteht; ein Gedanke, dem Ernst v. Wolzogen küvzlich^ auch in einem Artikel, der im Deutschen Ta gebllatt vom 5. Februar 1927 erschienen ist, in folgenden Sätzen Ausdruck gibt: „Und nun will ich einmal den springenden Punkt in möglichst helle Beleuchtung zu rücken versuchen. Wenn ein Jude in New Kork auf ein Hühnerauge getreten wird, so schreit sein Raffegenosse in Konstantinopel Wehe. Der sittlich einwandfreieste Kulturjude des Westens duldet es nicht, daß man selbst den größten Lumpen und Schwerverbrecher aus dem Osten, der mit unserer Polizei in Konflikt gerät, öffentlich als Juden brandmarkt. Diese rassische Solidarität jenseits von Gut und Böse will nun absolut nicht in unseren deutschen Schädel hinein. Für uns bleibt ein Lump ein Lump, sei er ein Deutscher oder Botokude..'. Offenbar beruht in dieser Solidarität quand meine die Hauptslärke des Judentums. Uns wird es gottlob in alle Ewigkeit versagt bleiben, aus solcher Quelle unsere Kraft zu laugen." Das auf uns nationaldeutsche Juden dieser Vorwurf nicht zutrifft, daß wir vielmehr eine jüdische Solidarität und eine jüdische Einheitsfront grundsätzlich ablehnen, soweit es sich nicht um rein religiöse und humanitäre Dinge oder um die Abwehr unberechtigter antijüdischer Angriffe, die gegen die Gesamtheit der deutschen Juden gerichtet sind, handelt, bedarf an dieser "Stelle keiner Ausführung. Es kann aber nicht geleugnet werden, daß der Wolzogen'sche Ausspruch, wenn er auch. in seiner Formulierung an starker Uebertreibung und Verallgemeinerung leidet, doch insofern etwas Wahres enthält, als bei einem großen Teil der deutschen Juden das allgemeine jüdische Solidaritätsgefühl noch in erkennbarem Maße vorhanden ist. Freilich, daß ein Uebeltäter öffentlich als Jude, in Verbindung mit seiner Tat. „gebrandmarkt" wird, stößt auch bei uns auf schärfften Widerspruch. DaS hat aber nichts mit dem Solidaritätsgefühl zu tun, ist vielmehr ein Erfordernis der Selbstachtung und Gerechtigkeit: denn wenn ein Jude etwas Häßliches begeht, hat diese Tat nichts mit seinem Judentum zu tun, ebensowenig wie eine üble Tat eines

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