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Der nationaldeutsche Jude · 1927-05-01 · Nr. 3 a (Sondernummer) (Mai 1927) · p. [Seite]

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1927
Issue
Nr. 3 a (Sondernummer) (Mai 1927)
Date
1927-05-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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mm WWW WWWWWW mm T - Holländer und ihr näherer Anhang auf der einen, und! die zionistischen Führer auf'der anderen Seite, ziehen sich vorsichtig schrittweise in ihre Ausgangsstellungen zurück, indem sie. was von ihren: Standpunkt durchaus verständlich ist. in der bewährten Form der Kriegsberichterstattung vor den weiteren Kreisen ihrer eigenen Anhänger verschleiern, wie gründlich ein zunächst aussichtsreich erscheinendes Unternehmen mißglückt ist. Wir können init der von uns geleisteten Aufklärungsarbeit zufrieden sein. Selbstverständlich hat es auch in diesem Falle an ' ängstlichen Gemütern nicht gefehlt, denen die von uns geführte Sprache zu kräftig erschien. Es ist immer dieselbe Menschengattung, von der diese Dämpfungswünsche ausgehen. Brave Leute, deren Gesinnung durchaus echt und zuverlässig ist. die es aber durchaus nicht begreifen können, daß eine Warnung im Augenblick der höchsten Gefahr nicht in sorgsam gewählten Worten hinter der vorgehaltcnen Hand geflüstert werden darf, sondern mit voller Lungenkraft und mit Ausdrücken, die wie Keulenschläge wirken, hinausgeschrien werden . muß. wenn sie ihren Zweck erreichen soll. Wir haben unseren Zweck erreicht, und das Erschrecken der, Zarten und Geräuschempfindlichen wird uns in Zukunft, wenn wieder einmal Gefahr sein sollte, so wenig beirren, wie diesmal. In psychologischer Hinsicht interesiant ist die Wirkung, die unser WarnungSruf auf die unmittelbar betroffenen Herren vom Ecntraloerein ausgcübt hat. Herr vr. H o l l ä n d e r nimmt in 9<r. 14 der E. L.»Zeitung vom H. 4. 27, an uns das vorgeschriebene Aergernis. Wir kennen Herrn vr. Holländer genügend, um zu wissen, daß er leicht in AufregungSzustände verfällt, wenn nicht alles so verläuft, wie er es sich gedacht hat. Es überrascht uns daher auch nicht im. mindesten, daß er in diesem Falle, der neben Herrn I u st i z r a t v r. B r o dn i tz gerade ihn besonders nahe angeht, völlig aus der Fern: gerät. Er nennt unseren Aufruf ein „Gesudel", ein „Machwerk, das die Wahrheit auf den Kopf stellt", das Produkt eines „hysterischen Kopfes" und das „Geschrei" eines „Kranken". Das sind nur die allerfreundlichsten Ausdrücke. Daneben steht noch allerlei von „unsachlicher Kampfcsweise", „Unkenntnis vorhandcner Zusammenhänge", von dem „Gefühl des Abscheues" und was sonst eben Herr vr. Holländer schreiben kann, wenn er zwischen zwei Stühlen schriftstellern muß. Bemerkenswert ist nur, daß Herr Dr, Holländer die richtige „Kenntnis vorhandener Zusammenhänge", die er uns mit Unrecht abspricht, nun nicht etwa seinen eigenen Lesern vermittelt, was ja an sich das Nächstliegende wäre. Er geht aber in seiner Zurückhaltung so weit, daß er nich t einmal mit teilt, was wir nun eigentlich in unserem entsetzlichen Aufruf geschrieben haben, daß er sich vielmehr mit der Wiedergabe der drei letzten Sätze begnügt, die nur das Ergebnis auS den vorher mitgeteilten Tatsachen ziehen und natürlich von keinem E.V.-Zeitungs-Leser verstanden werde» können, der nicht unseren Aufruf selbst gelesen hat und deshalb schon weiß, was wir geschrieben haben. Und ein solcher Mann spricht von „demagogischer Aufmachung". Demagogie ist für Leute dieser Gattung immer nur daS. was der andere tut. Es fällt anscheinend Herrn vr. Holländer nicht ein, daß es übelste Demagogie ist, wenn man , die zu Grunde liegenden Tatsachen selbst verschweigt oder ver- > schleiert, dafür aber den anderen, der diese Tatsachen aufgedeckt hat, mit einem Strom von Beschimpfungen überschüttet. Auch dieser Ausbruch einer vom Standpunkte des Herrn vr. Holländer begreiflichen, wenn auch vom Standpunkte eines geschmackvollen Publizisten nicht entschuldbaren Aufgeregtheit soll uns nicht abhalten, noch einmal in aller Ruhe festzustellen^ was deS Pudels Kern ist. Herr vr. Holländer scheinl immerhin die Tatsache nicht leugnen zu wollen, die inzwischen auch längst in Zionistenblättern des In- und Auslandes offen zugestanden worden ist, duß er und Herr vr. Brodnitz mit den Zionisten angebandelt haben und daß die von ihnen geführten Verhandlungen auf eine „Befriedung des deutschen Judentums" hinausliefen. An einer anderen Stelle spricht er von „Meinungsverschiedenheiten im Judentum", womit anscheinend der Gegensatz der deutschfühlenden Juden zu den Zionisten bezeichnet werden soll. Demgegenüber sei mit aller Klarheit fe st ge st eilt, daß es sich bei dem Gegensatz zu den Zionisten nicht um „Meinungsverschiedenherten", sondern um Gefühlsverschiedenheilen, um deutsches oder fremdes Nationalgefühl handelt und daß es in diesem Punkte keine „Befriedung" gjrben darf. Wie hilflos Herr vr. H o l l ä n d e r auf dem Holz-! weg einherstolpert, zeigt derselbe Aufsatz, in dem er gegen uns j so liebreich ist. Denn dieser Aufsatz deS Herrn vr. H o l l ä n d e r , beschäftigtlsich nicht nur mit dem Verband nationaldeutscher Juden, er ist vielmehr der Ausi rnck eines Zweifronten.Kampfes. Der andere G-gner, gegen den sich der bedauernswerte Eentralvereins-Direktor verteidigen muß, sind — die Zionisten selbst, die lieblos ,enug waren, inzwischen ebenfalls von den befriedungseifrigen (jelUral- Vereinsleitern abzurücken. Wie ein roter Faden zieht sich durch den Aufsatz des Herrn vr. Holländer der Gedanke: W i e gut würde sich mit den Zionisten leben la sen. wenn sie nur nicht zufällig jüdischnatii nal wären! Man lese den Artikel selbst; auch ein noch so ansführlichcr Auszug faim' unmöglich ein klares Bild von dieser Fülle der Unklarheit geben. Kurz vor dem Schluß steht ivörtlich der Satz: „Es ist ein schwerer politischer Fehler der Z io ni st en gewesen, die Paläst naa r b e i t st: i t der z i o n i st i s ch e n Weltanschauung zu verquicken". Tie Naivetät, die in diesem Satze zum Ausdruck kommt, ist geradezu entwaffnend. Ein Mann also, der einige Jahrzehnte an führender Stelle in der Arbeit des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens steht, hält es für einen „politikchcn Fehler der Zionisten", doß sie das Palästina-Werk nur unter dem Gesichtspunkt ihrer Belt* anschauungj" sehen und betreiben. Er hält es anscheinend allen Ernstes für möglich, daß ein Jüdischnationaler etivas onreres sein kann, als jüdischnational, oder daß es Zionisten gib:, die irgend etwas mit dem Zionismus Zusammenhängendes betrüben können, ohne dabei Zionisten zu bleiben. Und ein solcher ll kann setzt sich voll Gottvertrauen mit den Herren ölnmenj eld und Klee an einen Tisch, um VeiZhandlungcn über eine ..Befriedung dgs Judentums" zu füKen. - Es'fehlt ihm.Enbar jedes Verständnis dafür, daß ihm Re Verhandlungsgegner nicht nur an taktischem Geschick und Energie turmhoch über egen sind, sondern daß ihre Stellung auch innerlich die unverglei hlich stärkere ist. weil sie genau wiffen, was sie wollen, und weil sie nicht anders wollen, als sie können. Er selbst hingegen der Direktor eines Vereins von höchster innerer Nnausg^ichci heit, lind sein neben ihm sitzender Vorsitzender glauben im Gr mde nur das eiste zu wiffen, daß infolge der gesinnungsfrcudigen und gcsinnungstüchtigen Arbeit der Ziostisten heute ein starker Zug zum Zionismus durch die deutsche Judenhcit geht uifd da; sie selbst, die sogenannten „Führer" des Eentralvereins. um G >ttcs willen nicht den Anschluß versäumen dürfen. Es könnten ihnen ja sonst einige zionistische oder zionistenfrcunUichc Mitglieder davonlaufen, womöglich das geschätzte Vorstands- Mitglied Räbbiner vr. B ä e ck, der von einem wasche hten Zionisten kaum mehr zu unterscheiden ist, oder Herr Efefredakterr Georg Bernhard von der Vossisc) en Zeitung, den man in den Vorstand gewählt hat, nack dem er in der Zionistischen Vereinigung,so sch ine Reden ghalten hatte. Daß eine Selbstreinigung des Vereins von derartigen Vorstands- und sonstigen Mitgliedern die einzige Rettung wäre, daß nur auf diese Weise der Centralverein wieder werden könnte, was er nach seiner Satzung sein sollte, eine Organisation zur „unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung". das begreift Herr vr. Hollär der anscheinend so wenig, wie Herr Justizrät vr. Brodiitz. Aber sehr qut begreifen eS die Zionisten und deshalb, nur deshalb, Haien sie sich auf die „Anbiederungs"-Bcrsuche der Herren Een tralvereinler eingelaffen. Herr B l u m e n se l d . Herr Klee und ihre Leute wissen sehr genau, daß eine , Befrieduug de i Judentums", wie sie den Herren B r o d ritz und Holländer voxschwebt, niemals etwas anderes sein kann, als ein Herübergleiten des Cvntralvereins zum Zionismus, eine Eingliederung des Centralveri ins in eine bisher noch nicht bestehende, aber, wenn es so fort geht, mit Sicherheit entstehende „Centralvereinigung der Ghettofreunde". Denn daß der Zionismus heute in Palä tina und überhaupt in der großen Politik abgewirtschaftet ha , ist eine Tatsache, die sich schließlich selbst bis zu den Herren Brodnitz und Holländer herumgejprochen haben fi llte. Ihr eigener Vorstandskollege vr. Weil hat ja erst kürzlich auf Grund persönlicher Anschauung nach dieser Richtung hin sehr bemerkenswerte Aufklärungen gegeben, Aufklärungen freilich nur für den, der sie noch brauchte und nicht, wie wir, aus den zionistishen Schriften, Reden und Zeitungen selbst lc ngst die Wahrheil wußte. Der selbstverständliche Schluß für jeden, der einen Gedanken zu Ende denken kann, ist der. daß bei Weiterfühlung der praktisch I aussichtslosen zionistischen Bestrebungen das E rgebnis nur eine weitere Durchsetzung rer deutschenJudenheit mit einem unfruchtbaen Fremdgefühl sein kann, einem Fremdgefüjhl.

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