Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 7/8 (Juli/August 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Dr. Haack, Privatdozent, Breslaus Wer heute zu der Frage des Judentums Stellung nimmt, wird sofort in das Schema des Philosemitismus oder Antisemitismus gepreßt. Demgegenüber sei betont, daß uns hier nur der Wille zur Verständigung und allein sachliche Einstellung leiten soll. Nach dem bekannten Wort Dr. Liebennanns*): „Verständnis muß zur Verständigung führen" glaube ich. daß eine sachliche Erörterung auch in der Judenfrage langsam zu einer Versöhnung der zurzeit diametralen Gegensätze führen kann. Ist doch die Judenfrage in ihrer Problematik zu erfassen, wichtig für jeden, der über die Zukunft Deutschlands klar denken und an ihr Mitarbeiten will. Die Zukunft Deutschlands liegt vor uns im geheimnisvollen Dunkel. Vergebens suchen Enthusiasten ünserer Zeit, besonders die Sekten, diese Zukunft zu deuten. Hier kann es sich nicht um den Versuch eines solchen reinen Phantasieproduktes handeln. Für den wissenschaftlich Gebildeten kann es nur um den Versuch gehen, auf Grund der Erfahrungen der Vergangenheit eine Analyse der Gegemvart und auf Grund dieser Analyse Zukunftsperspektiven zu geben. Nachdem wir dies für die Zukuiift Deutschlands im allgemeinen versucht haben, werden wir das Problem des Judentuins in diesen weiteren Rahmen einzuspannen haben. Bei der Frage deutscher Zukunft handelt es sich um ein politisches, ein wirtschaftliches und ein geistig kulturelles Problem. Der außenpolitische Höhepunkt-Deutschlands war bereits, wie wir jetzt allgemein erkennen, um 1900 überschritten. Die fortschreitende Isolierung Deutschlands erfolgte nicht nur durch die geschickte Einkreisung von seiten Englands, sondern zugleich durch die eigene Versäumnis! vieler Gelegenheiten zur Verständigung mit anderen Staaten. Nach dem Weltkriege mußten die Konsequenzen eines verlorenen Krieges eintreten. Das Falscheste was geschehen konnte, war, statt energisch gemeinsam den Wiederaufbau Deutschlands zu betreiben, einzelne Volksschichten oder Stände wegen des verlorenen Krieges anzuschuldigen. So wurde vor allem das Judentum, auch die Freimaurerei (vgl. das Buch von Wichtl), die deutsche Diplomatie usw. für den traurigen AuSgang des Krieges verantwortlich gemacht. Was Fichte in seinen Reden an die deutsche Nation über das Törichte und Verächtliche solcher Anschuldi¬ *) Dr. Liebermann: „Zur jüdischen Moral" gungen sagt, dürfte treffend auch für unsere Nachkriegszeit - paffen und.ich möchte es danun etwas ausführlicher, zitieren: „Tief verächtlich machen wir uns dem Auslande, weitn wir vor den Ohren desselben uns, einer den anderen, deutsche Stämme, Personen, Stände über unser gemeinschaftliches Schicksal anklagen und einander gegenseitige, bittere und leidenschaftliche. Vorwürfe machen. Zuvörderst sind alle Anklagen dieser Art größtenteils unbillig, ungerecht, unbegründet). Die Ursachen, die Deutschlands schlechtes Schicksal herhei«führt haben, sind seit Jahrhunderten bei allen deutschen Stammen ' ohne Ausnahme auf die gleiche Weise einheimisch gewesen: die letzten Ereigniffe sind nicht die Folgen irgend eines besonderen Fehltrittes eines einzelnen Stammes oder seiner Regierung. Sie haben sich lange genug vorbereitet, und hätten, wenn es bloß auf die in uns selbst liegenden Gründe angekommen wäre, schon vor langem uns ebensowohl treffen können. Hierin ist die Schuld oder Unschuld aller wohl gleich groß, und d e Berechnung ist nicht wohl mehr, möglich . . . . Diese >egenseitigen Vorwürfe sind, soweit sie ungerecht sind und innütz, zugleich äußerst unklug und müssen uns tief herabsetzen in den Augen des Auslandes, dem miir zum Ueberflnß die Kuni e derselben aus alle Weise erleichtern und aufdringen, wer n wir nicht müde werden, ihnen vorzuerzählen, wie verworren und abgeschmackt alle Dinge bei uns gewesen seien und in wrlchem Grade wir elend regiert worden: müssen sie nicht glauben, daß. wie auch irgendwie sie sich gegen uns betragen werden, st > doch noch immer viel zu gut für uns seien und niemals v ns zu schlecht werden könnten? Müssen sie nicht, glauben, daß wir bei unserer großen Ungeschicktheit und Unbeholfenheit milt dem demütigsten Dank'jedwedes Ding aufzunehmen haben, das sie aus dem reichen Schatze ihrer Regierungs-, Verwaltung! - und Gesetzgebungskunst uns schon dargereicht haben oder noch für die Zukunft uns zudenken?" Was haben wir in dem Nachkriegsdeutschland so nicht alles vom AuSlande übernommen. Denken wir an die Vielheit der „Räte" aus Sowjet-Ru zland, an die Bescherung des Dawes - Plans durch Amerika >is zu den Einfliiffen des italienischen Faschismus oder den „Ku- - Klux-Klan-.Manieren aus Amerika. Gegenüber diesem Schauen nach dem Ausland und seinen— vermeintlichen Vorzügen dürfte es außenpolitisch das Wi< htigste sein, daß sich Deutschland wieder auf seine eigene Straft besinnt. lÄai