Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 3/4 (März/April 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Der Fall Marx und seine „Erledigung" durch den Lentralverein. von Sanilülsrat Dl Folgendes Schreiben in mirzugegangen: > Ter Vorsitzende -des Ern trat-Vereins deulschrr , 2 t a vi t s b ü r g t r jüdisch e n Glaubens. Berlin, den 23. Februar ll'2N. j Einschroiben! .Herrn 2anitäle-rat Dr. Alfred Pryser, B erl i n.E h arl ot t e n b u rg. - 9 . Grolmanslr. 42 43. ^ehr geehrter Herr Sanilätsrat! In der Angelegenheit der von Ihnen gegen j>as Mitglied! unteres Hanplvorstandes, .Herrn Rechtsanwalt Dr. Jacob M ar r« >tarlsruhe, erhobenen Beschuldigungen hatte Herr Rechtsanwalt Dr. Marr,den Hauptvorsland des Central Vereins ersucht, einen Gutachter-Ausschuß einzusetzen, der die ihm zur Last gelegten Tatsachen prüfen tolle. Ter Hauplvorstand hat diesem Eriuchen entsprochen und die^Heire» Rabbiner Dr. Leo B a c ck - Berlin. Reichstagsavgeordnelen Dr. Ludwig Haas-Karlsruhe Utlü Fnstizrat Hugo S o IIIIeIIfeld - Berlin mit der gulachtlitfu'HJ Prüfung der Angelegenheit beaiiitragt. Wir beehren! uns, Ihnen beiliegend ein Eremplar dieses Gulachtens zu j überreiche». Ter Hauvivorstaud des Central-Vereins hat in seiner Sitzung vom 17. Februar d. Fs. dieses Gutachten entgegcngeuoiuuicn und zu ihm folgenden Beschluß gesagt: „Nachdem nach eingehender Prüfung die eingesetzte Gutachterkoinmissioii, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. Baeck, Justitrat Hugo 2 i> ii h c ii f e I b ulid Reichstagsabgeordnelen Dr. H aas. in ihrem ausführlichen Gutachten einmütig zu der Feststellung gekommen ist, daß die von Herrn Sanitälsrgt Dr. i'filier gegeii Herrn Rechtsanwalt Dr. M arr- Karlsruhe erhobenen Vorwüxfe unbegründet sind, sieht, der! H a u v t v o r st a n d des E e n t r a l - V e r e i n s diese, Angelegenheit a l s erleb i g t a n. Tas Gutachten > ist den Herren Rechtsanwalt Dr. Man und Sanilätsrat l>r. 'pfiiicr zgizustellcn. Tiefer Beschluß wird in der E. V.-Zeitiiug verörfenilicht." Fch'beehre'mich. Ihnen auch hiervon Mittcilüng zu machen. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Dr. Brodnitz.! > . Vorsitzender,! Taraui habe ich erwidern •, ' ' . Eharlottenburg 2, den 2. März l!»2<>. i'irolmanstr. 42 43. Tem l. Voriitzenden des E-e n t ra l-V c r e i n s d e u t i ch c r T r a a l s b ii r g e r j ü d i s ch e n Gl a n b e n s. Herrn Justizrat Dr. B r o. d n i tz . Berlin 8>Vl«. Lindenstr. 13. Lehr geehrter Herr Juslizrat! Sie waren so gütig, mir gestern „ciugeschricbeii" ein »müngreiches Schrifiilück zugehcn zu lassen. aus dem ich erj iehe. daß auf Ihre Veranlassung drei mir mehr oder! minder d < t a n n > e Privatperson e n sich mit meinen \ Poiiviir'e» gegen Herr» Rechtsanwalt Dr. fflarr befaßt haben . Ich danke Ihnen für diesen Akt. der Höflichkeit und hone, daß mir meine lleberhäuüxng mit wichtigen Arbeiten schon-in nächster Zcit gestatten wiM. die gewiß sehr interessanten Ausführungen aufmerksam durch^istudieren. Meine Anschuldigungen gegen Herrn D r. M a r r jedoch werde ich trotz des mir gleichzeitig in i t g c t ei l t e il B c s ch ln ss es Ihres Hauptvo ist and es so lange aufrecht erhalten, bis ein unpaikriisches Schiedsgericht, wie ich cs Herrn Dr. Mari vergebens vorgeschlagen habe, oder ein ordenttiches G. nicht, denen A »ruf u'n g er in auffallendcrWeisc verlmiedcn hat, meinen Standpunkt als unrichtig erklären fällte. Tics steht aber keineswegs zu befürchten. Tie Aygrle ieiihkit ist also nur für Ihren Hauptvorsland, nicht aber Lpeicuiigeu und Feildruck im Text sind vou uns vorgenoäimer. Die Tchrk'tleitiiiig . Alfred Peyser. für wich erledigt. Sicherlich entspricht es den idealen Grundsätzen des G.-S., seine Mitglieder objektiv zu inforniieren. und so darf ich mich wohl der Hoynung hingeben, daß keine Opportunitälsgründe irgendwelcher Art Sie abhalten werden, in den C. V.-Blä»crn neben ihrem Hauptvoistandsbeschluß auch dies mein Antwortschreiben im Wortlaut zum Abdruck zu bringen. Mit vorzüglichster Hochachtung, ergebenst gez. Dr. Alfred Peyser. Sanitätsral.*) Inzwischen habe ich glücklicherweise Zeit gefunden, mich durch die 23 Seiten dieses „Gutachtens" durchzuarbeiten und bin versucht, den boshaften Scherz zv zitieren: „Das Gutachten i st a u f s e h r s ch l e ch t e m P a p i e r g c s ch r i e b e n, schade ü m das schöne P a p i x r!" Ick bin selbst weit über ein Jahrzehnt gutachtlich tätig, von der Aerztekannner den Gerichten als ständiger Gutactner benannt und gerade jetzt in meinem Spezialfach mit Borlesungen über Gutachier-Täiigkeit betraut. So weiß ich denn ein Gutachten, dessen Verfasser nicht Gefahr laufen will, ohne weiteres wegen Befangenheit abgelehnt zu werden, sehr wohl von dem Schriftsatz eines Verteidigers zu unterscheiden. Hier handelt es sich ausschließlich um eine» solchen Schriftsatz und es mag dahingestellt bleiben, wer in diesem Gewirr von Gesinnuiigsgenossenschast. Kollegenschaft in Beruf und Hauplvorstand. Eouleurbrüderschast?c. die leitende Kraft war, wer sich mit anhörcn und gutheißen begnügt hat. Gemeinsam ist allen dreien sicherlich eine unerschütterliche Voreingenommenheit, die dazu führt, daß alles Licht auf Herrn. Marx, aller Schatten auf Herrn Naumann fällt, von meiner schlichten Person, deren intellektuelle Fähigkeiten man sogar an einer Stelle in Zweifel zieht, gar nicht einmal zu sprechen, ^ch kenne Männer — und es sind nicht die schlechtesten! —, die sich in solcher Lage vou vornherein für befangen erklärt hätten. . Tas wäre auch Pflicht dieser drei gegnerisch cingestellteu .zerren gewesen, zumal ' die Gefahr vorlap, daß geschickte Presseäufmachung den gut- , gläubigen io. V.» Mitgliedern die Ansicht suggerieren würde, schon die Namen der drei Milwirkcndcn bürgten für ihre Unparteilichkeit. . Ein ganz leiser Zweifel ist ihnen aber wohl selber gekonunen. denn an einer Stelle heißt es. .... „aber d i e.-.u n t c rz c i ch n e t e n Gutachter n e h in e n f ü r^ i h r*ie n , w e » n auch ein st.im ur i g e n Spruch Unfehlbarkeit nicht in Anspruch. Es läßt sich dieMöglichkeit nichtvpn der Hand weisen, daß a n d e r e G u t a ch t e r h i c r u n d d a i n Einzelheiten zu anderen Ergebnissen kommcii.“ Ties „hier und da in Einzelheiten" ist köstlich! Ich werde mich nicht, auf den Nebeiiweg verlocken lassen, den Herr Marx cingeschlagen hat, und'gehe auf den Inhalt des Schriftstücks deswegen nicht ein. Ten Kampf gegen unsere Lästerer führe ich unbeirrt weiter und gerade Herrn Marx halte ich nach wie vor nicht für einen sachlichen Gegner, sondern für einen unserer Lästerer, der sich einer nachweisbaren Fälschung schuldig gemacht hat. Tie Mäimer aber, die zurzeit in der Welt große Politik machen und Streitigkeiten durch Schiedsgerichte aus der Welt schapen wolle», weise ich auf das neue patentierte E. B. - V e r f a h r e n hin. das die veralteten Genfer Methoden in glücklichster Weise überholt: Wer augegnffru wirv/verschafst sich eia Gutachten seiner Grsiauungsgenofsen, in Vetzi ihm attestiert wirb, er sei im Recht. Alles andere ist dann überflüssig und Friede herrscht auf Erden! Ein Schutz ins Schwarze. Von Dr. S. Breslauer. Ter Zio'nismus geht seinen Weg, und wenn man mit Eugelszungen zu ihni redete, wir wissen es, er wird niemals von seiner Ueberzeugung lassen. Deshalb bleibt aber der Kampf gegen ihn doch eine zwingende Aufgabe, namentlich *Y DaS Schreiben ist — selbstverständlich für jeden, der diese -Leute kennt I— n i * t in der C-V -Zeitung abgeduckt werden. DuS Blatt hat sich klüglich mit der Berössenttichung des ,Er» ledigiin .s'-BeschlnsseS vcgnngt. Die Schriftlciiung.