Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 12 (Dezember 1925)
- Date
- 1925-12-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Zum Cbanuha- (Meide ) feste. Von Rabbiner Dr. Loevy. (SB bleibt unbestreitbar, daß alles Geschehen auf Erden aus dem Zusammenwirken aller Kräfte und Zeiten herauswächst. Dennoch rollt sich das Leben der meisten Menschen vom Kommen bis zum Gehen derart nb, daß sie keine bemerkenswerten Spuren ihres Daseins zurücklasten. Nur wenige selbst von denen, die in ihrer Zeit sich 'auszeichnen, ragen mit ihrem Wirken in eine spätere hinein, und nur ganz vereinzelte finden ihren Weg in das Gedächtnis aller zukünftigen Geschleckter. Aehnlich ergeht es ganzen Völkern. Nicht nur kleine, unbedeutende Stämme und Völkerschaften, nein, auch manche Nationen, die zu ihrer Zeit eine bedeutende Rolle im Völkerlebon gespielt und eine große Knltir besessen haben, sind mit- - samt ihrer Kultur zugrunde gegangen. Gering ist im Vcrhälniis die Zahl derjenigen, deren Smiren diesen Untergang überlebt haben, die ans aller Zeit noch zu uns herüberklingen mit ihren Schickialen und Bestrebungen, mit ihren Schöpfungen, deren Trümmer, durch Zufall oder zielbeivußten Forschertrieb nach ffniiriamcnden ans Schutt und Liesen herausgcholt, von ihre: ijiii'iigen 'Größe zeugen. r'Uiden Fingern einer Hand .itlen und diejenigen Völker die unauslöschlich ihren in das Buch der Menichhei cinschrieben, die ewig in :dr ü'Ntcben nicht nur durch ihr Gedächtnis, sondern durch das Fosttmirkeu einer großen Idee. deren, Lickit sic angezündct und die seitdem niemals mehr aus. der' Menschheitsgeschichte verschwindet, sondern zum (Oradmener ihrer Entwickelung geworden ist.^ Ideale ivic Gott, Liebe, Freiheit/ Lugend/ Recht, straft, Schönheit haben ihre Schöpfer/ Pflegte lind Vorbilder in bestimmten Völkern gefunden. Das Verdienst, die Religion, welche bei den alten Völkern durch Vielgötterei, Sitienlongkeit und Prieftertrug zu einem geistigen, fiiilichen und materiellen Schädling geworden war, durch den Glauben an einen einzigen, unsichtbaren Gott der Wahrbckii und der Reinheit, der Liebe und der Gerechtigkeit zu einom geläuterten Ideale erhoben zu. haben, an welchem die gaize Menichheit zu ihrem wahren -Heile unV zu ihrer höchueiu Würde sich empörarbeiten durste, dieses Verdienst ist dir unvergängliche Bedeutung des jüdischen Volkes für alle Zeiten und Nationen. Die Wurzeln djries Glaubens reichen zurück lin feine Familien- und Stammesgeichichtc, und seine B e f r o i u n g a l s V o l k, auf diese Ursprünge zurückweisend, wird aitsdrncklich nur als V o r st u f e jur reinen Gottesveretiruug bezeichnet. (III Mose 25.55». Auch der jüdische Staat sollte nur den Boden abgebcn,'auf welchciw dieser Glaube sich auswirkte. DjcSeclc dieses Staates war tatsächlich die Religion, er bestand nur, solange sie in ihm lebte, und seine Blütezeit war die Regierung» dichter-:/ In der früheren, religiös fortgesetzt schwankenden Richterzeit war auch der Bestand des Staates fortgesetzt gefährdet, und mit d>» zunehmenden Gottlosigkeit der späteren Könige eilte er unmifhaltsain seinem Ende entgegen. Bei seinem Sturze stüchteie sich daun -die Religion unter der Führung der Propheten/ dem äußeren Gesäße des Staates immer weniger trauend, in ihrer sfrafi aber für immer gefestigt, in die Seelen ihrer Bekenner und in die unzerstörbaren'Symbole ihrer Gcdankenj Das jüdische Volkstum wurde zum Judentum, und die Idle eines selbständigen, jüdischen Staates tritt jetzt nur noch aaNn an die Oberfläche, wenn die Abhängigkeit von einem fremden Herrscher die jüdische Religion gefährdet. Eni typisches Beispiel dafür ist das geschichtliche Ereignis, an welches die Fcierdes Ehanukafestes anknüpft. Ohne Miirren hatte das südliche Volk nach seiner Rückkehr aus dem babylonischen Eril das Joch fremder Herrscher ertragen. Von Eyrus an über Alerander den Großen bis.Antiochus EpiphaneS entrichtetest die Juden willig ihre Steuern, gehorchten den Königen Persiens, Mazedoniens, Aegyptens und Syriens. Als aber der letztgenannte Anliochus die Ausübung ihrer Religion ihnen bei Todesstrafe verbot, ihre Heiligtümer entweihte und zuletzt noch jeden einzelnen zwingen wollte, den 'griechischen Göttern zu opfern, da grinen die Juden trotz der allergeringsten militärischen Aussichten auf Erfolg zu den Waffen für die Erhaltung ihrer Religion. Daß es sich hierbei durchaus nicht um einen Freiheit stampf, um die Erlangung staatlicher Unabhängigkeit, um eine nationaljüdrsche Erhebung handelte — wie Davids und Salomos, die ^fcit des rrommen Psalm- und der sestgeregeltcn Gottesverehrnng zLempelbau». manche fälschlich glauben —. dafür zeugen unwiderleglich die Worte des greisen Priesters Mattisjahu, der die Fahne des Aufruhrs anfpflanzte, sowohl bei seinem Kampfrufe, wie auch bei seinem Vernßächtnis. das er auf dem Sterbelager seinen Kindern zurückließ: „Wer für das Gesetz eifert und den Bund hält, der folge mir" (I. Makk. 2, 2t 28). „ 11 li b nun, Kinder, eifert für das Ges e tz und gebet eu er Leben hin für den Bund unserer Väter " (I. Makk. 2, 50). Hier ist keine Rede von der Wicderaufrichtung eines eigenen Staates, ja nicht einmal von der Verteidigung der Heimat, sondeni immer wieder, immer nur von der väterlichen Re- ItAin und ihren Gebote». Uckd so war denn auch die erste Tär nach dem wunderbar errungenen Siege die Wiederweihe (Ehanuka) des durch die Heiden entweihten Heiligtums, das erste Siegesfest die achttägige Dankesfeier für die Rettung der Religiös in dem vom Lichterglanz erstrahlenden, wiedergeweihten Hause Gottes. So erinnern uns die Lichter des Ehanukafestes eindringlich daran, daß das, was uns Juden in de): ganzen Welt gemeinsam heilig i st, >v e d f r im Staate, noch in der Rasse, noch i n einem b eff o u d e r c n B o l k s b e w u ß t s e i n l i e g t. sondern einzig und allein in der R e l i g i o ii, die das Licht uyseres Lebens ist. Der selbstästdige Staat mar im Leben des jüdischen Volkes nur eine vorübergehende Erscheinung, die sich mit ganz ver-: cinzelten Ausnahmen nur wenig bewährt hat. Tie Rasse ist von vornherein (nach Jeremia) schon einer starken Mischung unterworfen gewesen. Später verstärkte sich der fremde Einschlag nach der Rückkehr aus dem babylonischen Eril und in / der Zeit des Talmud durch eine große Anzahl von Proselyten. und auch in der-Zeit der Zerstreuung bis in unsere Tage hinein fehlte es: trotz aller Verfolgungen nicht an llebcrtritten zum Judentum.. * Auch das jüdische Volksbewußtsein hat seit der Auflösung des jüdischen Staates durch die Römer überall, wo den Juden die Teilnahme an derff-tultur des ihnen zur Heimat gewordenen Landes offen stand, immer mehr dem Bewußtsein der Zugehörigkeit zu dem Volke dieses Landes Platz gemacht, und von Plato bis Kant haben jüdische Geistesgrößen wie Philo und Mendelsohn bewiesen — die ncucstc Zeit hat den Beweis vervielfältigt — daß die Kultu rg c m e i n s ch a f t ( B o l k s g e ni e i n s ch a f t) der Besten u u d T r e u e st e n i in I u d e n t u m mit ihren nichtj ü d i s ch e n M i t b ü r g e r n aufs stärkste verankert w'ar. In dieser Kulturgemeinschaft aber liegt nicht nur die kalte Pflicht des Staatsbürgers, sondern auch die luajrnic Liebe zu Volk und Land der Heimat, dieselbe Einstellung mit ihnen im Denken und Fühlen.! Und wenn ^>as Ehanukafest, an den Kampf und Sieg der Makkabäer erinnernd, uns die unverletzliche, mit unserem Leben zu verteidigende Treue zur alten Religion her Väter ins Herz pfldnzt und in diesem Gedanken uns mit den Juden aller Länder verbindet, so verschmilzt uns, eben kraft dieser Religion (Jeremia», Schicksals- und tt u l t u r g e m e i u s ch a f t mit der Heimat, ihrem Land und Volk aufs i n n i g st e. M i t Gott für Volk und Vaterland! Danziger Brief. Von Referendar Heinrich Rosen st ein (Danzig). Durch den Versailler Vertrag ist Danzig, dessen völlig deutscher Charakter auch vom Feindbund anerkannt wurde, gegsn den Willen seiner Bewohner von Deutschland abgetrennt und zu einem selbständigen, dem Schutze des Völkerbundes empfohlenen Staat gemacht worden. Einem Staat, der nicht leben kann, weil er zum selbständigen Leben zu Nein ist, und der nicht sterben darf, weil der Vertrag es ihm verbietet. Die inneren.Beziehungen zwischen Danzig und Deutschland sind durch diese Abtrennung nicht gestört worden. Immerhin sei nicht verschwiegen, daß Deutschland in kultureller Be-