Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 9 (September 1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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t Itrnsthaft geschadet baden. Genau daS gleich« gilt umgekehrt von dem Kampfe jüdischer Organisationen, insbesondere des CentralvereinS. gegen di« Antisemiten. Beide Gruppen wirken im Ergebnis einträchtig zu einer weiteren Verhetzung und Vergiftung des deutschen Volkslebens zusammen. Wenn eS dem Lentralverein gelingt, einem Judengegner wirksam zu Leibe zu gehen, etwa durch Herbeiführung einer gerichtlichen Verurteilung, so hat dies nur den Erfolge daß zwar dieser Judengegner nicht bekehrt wird, aber dafür eine große Zahl a n derer nichtjüdischer Deutscher, die bisher dem Judentum, wenn auch vielleicht nicht gerade wohlwollend, so doch indifferent gegenüberstanden, zu scharfen Judengegnern gemacht wird. Und auf der anderen Seite ist die wesentliche Wirkung deS Antisemitismus die, daß die Juden in eine latente Deutschfeindlichkeit hineingetrieben und dazu bewogen werden, sich auf gewisse Seiten deS Judentums zu besinnen, die sie selbst schon übenvunden glaubten. So ist der Centralverein eine Reaktionserscheinung gegen dem Antisemitismus und der Antisemitismus wiederum gewinnt auS der Tätigkeit des CentralvereinS täglich neues Leben. Daneben sorgen auch überspannte z i o n i st i s ch e Aeußerungen dafür, daß der Agitationsstoff auf antisemitischer Seite nicht auSgeht. Im Interesse beider Parteien muß unbedingt die Grundstimmung aus einer Sache des Kampfes eine solche d«S Friedens werden. Diesem Ergebnis kann nur durch objektive Aufklärung vorgearbeitet werden, und hieran lassen es beide Teile fehlen. Von den religiösen und völkischen Kämpfen, die innerhalb des Judentums selbst ausgefochten werden, ahnen außerhalb der jüdischen Kreise nur sehr wenige Leute etwas. Die große Masse dos Publikums will vom Juden überhaupt nichts hören. Die jüdisch orientierte Presseaberschweigtdiese Dingegrundsätzlich t o t und auch die nichtjüdische Presse bringt nichts darüber. Objektive Artikel werden abgelehnt, weil eine Geschäftsschädigung befürchtet wird. Für Schriften, die weder philosewiiisch noch antisemitisch sind, ist schwer ein Verleger zu finden. Sind sie tüchtig antisemitisch, dann ist der Leserkreis sicher, und auch die rein philosemitischen werden schließlich untergebracht. Ist eine Schrift aber unparteiisch ausNärend, dann schimpfen beide Parteien darüber. Auch diese Zustände sind letzten Endes wohl ein „Erfolg" des Centralvereins. Die deutschen Juden sind daran gewöhnt worden, die „Antisemiten" als ein» Art Derbrecherbande anzusehen, und sie machen sich über die tieferen Gründe, ans denen der Antisemitismus beruht, keine Gedanken mehr. Andererseits gibt eS in Deutschland nur sehr wenig Blätter, die Ausgesprochen antisemitisch sind. Diese Blätter können natürlich eine psychologische Betrachtung des Antisemitismus nicht bringen; sie würden sich den Ast absägen, auf den» sie sitzen. Die stillschweigend antisemitisch orientierte Presse aber vermeidet ängstlich, daS Wort „Jude" oder „Antisemit" in den Mund zu nehmen. Sie hat Angst. Und so kommt eS dann, daß zum Unheil Deutschlands die Kampfhähne auf beiden Seiten ausschließlich das Feld beherrschen. Der Jude.kann aber nur dann Helsen, mit dem Antisemitismus einigermaßen fertig zu werden, wenn er sich darüber klar ist, wo die Wurzeln liegen, aus denen der Antisemitismus seine Kraft saugt. Sonst bleibt eS bei dem stets wirkungslosen Kampf gegen die Symptome der Erkrankung. Man sieht eine Ursache des Antisemitismus vielfach in der Tatsache, daß die Erscheinung des Durchschnittsjuden von dem deutschen Schönheitsideal besonders abweicht. Dieser äußerliche Umstand rnag Mitwirken, ist aber nicht von maßgebendem Einfluß. In den skandinavischen Ländern hat der Antisemitismus keine große Bedeutung, ebenso in Holland, und diese Völker sehen doch noch erheblich germanischer aus, als die Deutschen. Auch die unerfreulichen Erscheinungen der Kriegs- und besonders der Nachkriegszeit, die mit jüdischen Namen verknüpft werden, kommen nicht so entscheidend in Betracht, wie man gelegentlich anzunehmen versucht ist. Unser Zeitalter vergißt sehr schnell. Ich biir überzeugt, daß die Mehrzahl mich der antisemitisch eingestellten Zeitungsleser heute nicht inehr weiß, um was es sich bei Bannat und Kutisker eigentlich handelt. Die eigentlichen Wurzeln des AntisemitimuS liegen viel tiefer. BiS zur Emanzipalion gab eS vor allenr einen Antisemitismus der regierenden Gewalten. Der Jude war staatsrechtlich Fremdkörper. Man wollte im Grunde auch gar nicht, daß er sich in Deutschland heimatberechtiat Stellungnahme j)u den fühlte. Die gesellschaftliche Juden war zeilenweise freundlicher; freilich wurde die morali Juden gegenüber mit bl von Golgatha ist im Juden zum Verhängnis Die Emanzipation d Die damalige Zeit In der Romanliteratur Hunderts kehrt der Typ Jüdische Frauen — ich Rahel Varnhagen — hie auch Fürsten verkehrten in Zeiten allgemeiner, besonder« religiöser oder sozialer Erregung sche Rechtlosigkeit des Fremdlings den utiger Wut betont. Der Justizmord Laufe der Geschichte unendlich! vielen geworden. -!;r Juden in Preußen und den anderen deutschen Staaten erfolgte, um auch die Strafte der Juden zur Mitarbeit am Staat hermzuziehen. Sie war nicht als Geschenk gedacht, sondern ie sollte den Juden verpflichten. Es trat jedoch eine ganz an >ere Wirkung der Emanzipation in die äußere Erscheinung. war an sich innerUch judenfreundlich. deS ausgehenden achtzehnten Jahrvon Lessings Nathan ewig wieder, erinnere nur an Henriette Herz oder ten die führenden SalonS in Berlin; hei ihnen. DaS jüdische Geld wurde außerdem überall gebraucht. Der Jude war der einzige, der über die nötigen internationalen Finanzbeziehungen verfügte. Der dem jüdische Geiste besonders gut liegende manchestcrliche Liberalismus begann feiste Schwingen zu regen. Kurz, alles schien sich zugunsten der Juden verbündet zu haben. So darf es denn niemand wundernehmen, daß der jüdische Einfluß alsbald zu unerwarteter Höhe anslieg. Aber ebensowenig darf man sich dgiüber! wundern, daß sich zugleich eine ganz neue Art des Antisemitismus schrittweise, aber unaufhaltsam entwickelte.j Der nichtjüdische Deutsche fühlte sich plötzlich ist seinem eigenen Vaterlande durch den Jstden bedroht — eine Anschauung, die z. B. deutlich durch Bismarcks Rede vom 18. Juni 1848 hindurchleuchtet. j! Daß der Jude sich nicht sofort in einen Deutschen verwandeln könnte, Ust natui gemäß. Die Mehrzahl der Judest war damals gesetzestreu/Die Gesetzestreue aber hat eine Absonderung von der nichtjüdischen Unnpelt zur unausbleiblichen Folgst, da sie den Unterschied der Juden gegenüber dieser Umwelt betont, und da daS „Gesetz", auf das sie sich beruft, seinem ganzen Wesen nach mehr Volks-, als Religionsgesetz ist. Andererseits konnte sich auch der Deutsche j nicht plötzlich daran gewöhnen, in dem Juden einen mehr alS'formell gleichberechtigten Staatsbürger zu sehen. Er sah in den Juden, noch immer' in erster Linie das bisher nur geduldete Frcindvo^k, und sah auch, daß diese Menschengruppe sich überall ausbreitete und Einfluß gewann, wirtschaftlich wie I gesellschaftlich. So entwickelte sich in ihm die Befürchtung, daß der Jude die Herrschüft in Deutschl!and und schließlich in dstr Welt erlangen würde. Diese Furcht ist iroch heute der Kern des antisemitischen Dogmas. Momente allgemeiner yolkspsychologischer Natur, auf die ich im Rahmen dieses Artikels nicht ausführlich eingehen kann, kamen hinzu. So entwickelte sich der heutige Antisemitismus. Er konnte sich in dieser Form nur deshalb entwickeln, weil Aufklärung über die wahre Naiur „des Juden" nicht geschaffen wurde. So ist der leitende Grdanke des Antisemitismus auch heute noch der, daß der Jude »in Fremdkörper im deutschen Volke sei und bleibe. Wo daS I udemum nur als besondere Religion empfunden wird, werden dem Juden Geld und Einfluß gern gegönnt. Aber di.e Mehrzahl der Deutschen empfindet eben den Gegensatz nicht religiös, sondern völkisch. ' Das einzige Mittel zur Eindämmung des Antisemitismus jüdische Fstagen wirklich objektive Bejfo daß der Deut-sche überinen jüdischen Mitbürgern Wesensart, insbesondere chcst Juden und Juden b e - ist, daß über richte in die Presse komjnen, so Haupt etwas von se und ihrer wahren auch von den zwis stehenden tiefgehestdenUnterschieden erfährt. Der deutsche Nichts kennenlernen, wie Spielarten sind, jüdische Kresse „ heitsbild erschein« Die Judenfrage kar Juden daS ihrig Deutsche zu werdest. Standes der Entwickelung Aber es ist möglich, Heu schaffen, die für diese all die Grundlage sein muß. ude muß die Juden endlich fiemirflicf) in allen ihren un i) nicht, w ie g ew iss e en Juden" gern atö Ein- »lassen möchten, n nur gelöst werden, wem, d i e tstln, um vorbehaltlos!)ieS ist angesichts des heutigen »ich von heute auf morgen möglich, t e ch o n d i e A u f k l är u » g zu ein mögliche Entwickelung