Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 1 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I , Was bi« Eheschließung betrifft, so hat »war hie Der nunstehe von jeher neben bier Liebesheirat bestanden, ist aber von der Bolksmeinuna in Deutschland niemals als da» Normale betrachtet worden, und auf me Volk» Meinung kommt e» an, wenn man den Volkscharakter verstehen will. Auf die Gefühl», leite wird nach wie vor da» Hauptgewicht gelegt. Bezüglich der ehelichen Treue verhall es sich ähnlich. Die Aussassung von dem Rechte dev Gatten, sich trotz ihrer Bindung unabhängig auszuleben, wird sich der Sssetttlichen Meinung in Deutschfand gegenüber kaum durchsetzen können. Redner ver. gleicht darin die unkomplizierten Verhältnisse, wie sie noch bi» vor wenigen Jahrzehnten die Abgrenzung der beiderseitigen häuslichen Pilichtgeviete vereinfachten, mit den ganz neuartigen und verwickelten, die durch Frauenberufe, Industrialisierung, Emanzipation der Juaenh ujy). entstanden sind, und kommt > nach eingehender Schilderung de» äußeren Lebensstile«, der aus Schlichtheit, Traulichkeit^ und Dauerbarkeit angelegt war. zur Schilderung der augenblicklich zu beobachtenden Stillosigkeit. die als Uebergangserscheinung zu gelten hat. Der Deutsche entschließt sich leichter als z. B. der Franzose, in ein ehrwürdige» Familienhau« Komfort und Hygiene der Neuzeit einzufügen, schwerer al» der Amerikaner, ohne Rücksicht aus Ueberlieserung und Familiengewohnheit nur für die An. forderungen der neuesten Zell zu leben. Aus diesem unklaren Stilgemilch können wir erst allmählich hinauskommen, vorläufig muh es hinaenommen werden. Es färbt auch auf da» Innenleben ab. Zu erstreben wärt die Rückkehr zu einfacheren, ungekünstelten Verhältnissen. Was nun das innere Lehen in der Familie betrisst, so hat die deutsche Familie für die Züchtung von brauchbaren und wertvollen Menschen eine besonder» hohe Bedeutung, weil Instituts- und Klostererziehung in Deutschland nicht häufig sind und aus aller Tradition trotz aller retardierenden Momente das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern sortwirkt; ebenso wie auch das enae Zusammensein, da sich die Trennung von Geschäftsstelle und Wohnung nicht grundfätzlich durchgesetzt hat und, wo sie vorhanden ist) erst recht dazu geführt hat, die Familie in der arbeitsfreien Zeit zufammenzuführen. An zahlreichen Beispielen werden die geistigen, sittlichen und geselligen Werte des deutschen Familienlebens aufgewiesen und zwar ausnahmslos aus allen Ständen) besonder» wird aber auf das deutsche Gelehrten- und Pastorenhaus einaegangen. Hausmusik, gemeinsames Leben usw. geschildert. Die deutsche Familie kennt ethisch in ihren wertvolles Vertretern hauptsächlich da» Arbeit»» und Pflichtideal, weder das Rentnerideal noch das des „inckepenckent gentlemsn", der nur sammelt oder reist. Was das Gesellige betrifft, so kommt es weniger auf Festlichkeiten als auf die gemütliche! Durchdringung des Wochentags hinaus. »Kein leerer Alltag!" Das patriarchalische System war überwiegend, bis eme Reattion der Jugend einsetzte. Augenblicklich kann man diese Kämpfe für un groben und ganzen abgeschlossen ansehen, die Ellern sind von starren Grundsätzen abgegangen, die Jugend ist au» der ersten Zeit der Hemmungslosigkeit heraus. Wir sehen allmählich das alle Vertrauensverhältnis sich in neuer und schönerer Form wiederherstellen. Darum kannmit einem tröstlichen Ausblick geschloffen werden, wa« besonders den dokttinären Gegnern der Familie gegenüber wichtig ist. Frühehen und Spätehen haben auffallend zugenommen, das Leben der Eltern mit der Jugend nimmt auch in der Oeffentlichkell gröberen Raum ein. vr. P e y f e r fchloh mit der Feststellung, dab einen deutsch empfindenden Juden nichts, aber auch gar nicht» hindern könne, ungezwungen da» Leben der wertvollen deutschen Familie zu leben. Dem jüdischen Familienleben haben selbst die schlimmsten Antisemiten Ächtung gezolll. es fegt aus die gleichen Guter Wert, nämlich auf Heilighaltung de« Hauses, heizliches Zusammenleben, Respekt voreinander. Ehrfurcht! vor der guten Tradition und Erkenntnis der Pflicht, der Gesamtheit tüchtigen und wertvollen Nachwuchs zu sichern. (Zusatz der Schriftleitung) :I Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen und löste eine anregende Aussprache aus. Herr Prediger'Pr. Lehm ann (Gast) betonte den Zusammenhang des deutschen Familienleben» mit den im Allen Testament enthaltenen Gefühlswerten und wies auf die überragende Persönlichkeit Martin Luthers hin, der diesen Zusammenhang durch seine Bibelübersetzung wie durch seine persönliche Lebensführung hergestelll und lo das deutsche Familienleben in der heutigen Form geschaffen habe. vr. Naumann erweiterte diese Ausführungen durch den Hinweis, dab d«e in Frage kommenden Teile des Alten Testaments aus der Zeit der Bodenständigkeit stammen, 'und knüpfte daran die Folgerung, dab auch für den jüdischen Deutschen, der nur »n Deutschland leine Heimat sehen könne, die Bodenständigkeit im Smne eine» innigen, gefühlsmätzigen Zusammenhanges mit der Heimaterde die Quelle eines gesunden Familienlebens sei. In der weiteren Aussprache, in der die Herren Sanitätsrat vr. Siegheim, Zahnarzt vr. Neubaur. Studienrat Ofner und stuck. Nathan das Wort ergriffen,; spielte auch die gerade aktuelle Frage: Weihnachten oder Channükah? eme Rolle. Mehrzahl der Redner, denen fuh im Schlußworte auch Herr vr. P e y f e r anschloß, stellte sich auf den Standpunll. dab der id«/? ■wi.j jjtumj deutschfühlende Jude beides Feste unbeschadet seines jüdischen Glauben» nebeneinander feiern könne, und zwar Channukah als r e l i g i öle s Fest ohne gekünstelte Umschafsmig zum Weihnachtsersatz, Weihnachten als deutsche», in dieser Form auch bei keinem anderen christlichen Volke gefeierte» Familienfest, ohne un wahrhaftige »Christelei-. I 2. Veranstaltungen im Januar (Berlins Es ist ein Vortrag über die Schulfrage, der nn die Reihe der regelmäßigen Veranstaltungen eingeschoben werden soll, in Aussicht genommen. Besondere Nachricht ergeht an die Groh-Beriiner Mitglnd r. Die musik lische Veranstaltung <Vortrag vr. Karo und künstlerische Darbietungen) ist in den Februar verschoben, weil die Künstler erst dann verfügbar sind.!. 3. Hannover. Am 16. Dezember 1924 sprach vr. N a u m a n n auf Einladung der Ortsgruppe über das Thema: „Was erstrebt der Verband national deutscher Juden?" Vertreter aller politischen^ Richtungen (natürlich mit Ausnahme der Nationalsozialisten und Kommunisten) sowie aller jüdischen Gruppen waren eingeladen: sie waren auch meist «erschienen, mit Ausnahme der Z iw nisten, die schriftlich „mit Zionsgrub" erklärt hatten, an der Ver anstaltung nicht teilirehmen zu' können, weil sie sich „kein positives Ergebnis von der Art und der Form des Aussprech-Abends versprechenünd daher auch kein Interesse daran haben". Dieses Schreiben ist äutzerst bezeichnend. Es bestätigt, dab die Z i o n i st e n nur dort mit uns zusammentreffen wollen, wo sie. wie in Breslau, die Möglichkeithaben, durch eine aüs skrupellosen Demagogen und ostjüdischem Brüilchorus zusammengesetzte Sprengkölonne die Versammlung zu st ö r e n, wann es ihnen beliebt, vr. Naumann legte den Standpunkt des Verbandes zu den einschlägigen Fragen dar und erntete reichen Beifall. In der Aussprache ergriffen nichtjüdische Vertreter der verschiedensten politischen Parteien (Demokraten, Deutsch-Hannoveraner und Sozialdemokraten) das Wort: der Vertreter der Deutschen Volkspartei, der. sich vorzeitig hatte entfernen müssen, lieh durch ein Verbandsmitglied seine völlige Zustimmung zu den Ausführungen des Hauptredners erklären. Auch in den Ausführungen der übrigen Parteiverlreter ergab sich völlige Uebereinstimmung darüber, dah der Verband auf dem richtigen Wege ist und dab seine Arbeit zur Lösung der deutschen Judenfrage und zur Förderung des innerdeutschen Friedens beiträgt. Es war ein erfreuliches Bild, diese Uebereinltimmung der Vertreter von Parteien, die auf dem Gebiete oet^ Politik in scharfem Gegensätze stehen, zu sehen. Auch die anwesenden Vertreter des Centralvereins erklärten sich mit den Ausführungen des Hauptredners in alleü wesentlichen Punkten einverstanden. Insbesondere kam zum scharfen Ausdruck. dah der Centralverein in Hannover entschlossen ist, bei den bevorstehenden Wahlen zum Verbandstag des Preuhischen. Landesverbandes jüdischer Gemeinden jedes Zu-' sammengehen mit Jüdischnationalen abzulehnen, im Gegensatz zu den kürzlich in einer gröberen Versammlung gemachten Ausführungen eines zum Hauptvorstand des C. V. gehörigen dortigen Rabbiners, her sich gegen die antizionistische Wahlhatte. Im Schlußwort betonte der dah mit der Politik der Duldsamkeit us endlich gebrochen werden müsse und tschen Juden, die heute noch außerhalb des Verbandes stehen, insbesondere ein starker Teil der Mitgliedschaft des Csntralvereins, sich zu einem aktiveren Verhalten gegenüber her zionisttschen Gefahr' aufzuraffen alle Veranlassung habe. parole ausgesprochen Hauptredner nochmals gegenüber dem Zionist dah auch die national! Der nächste Kursusabend findet am Januar, abends 8 Uhr. plü n k t l i ch. Grolmanstr. 42 43, hei Peyser nyplatz: >Untergrundbahnhof Uhland te erteilt Herr K a-r l»Wlo l f g a n g Südstr. 63 (vgl. den Aufsatz „Prak- 4. Rednerkursus. Donnerstag, den 22. Charlottenburg (Stadtbahnhof Savig strähe) statt. Auskün P h i i i p p, Halle, tische Redekunst'). 5. Königsberg. Der Vorstand der Ortsgruppe besteht jetzt aus vr. Erich Cohn (Vorsitzender), vr. Kurt Levinsohn (stellv. Vors.) und Frau Charlotte Rother. H o h enzo l ler nst r. ^13 III (Schriftführerin).! Alle Zuschriften sind an Frau Rother zu richten. 1 1 Am 15. Dezember) heranstaltete die Ortshruppe ihren monatlichen Vortragsabend mit Gästen. Frwu R o t h e r 1 sprach über Jakob Wassermanns Buch „Mein Weg als Deutscher und Jude". Dem Vortrage folgte eine anregende Diskussion. (Verspäte! eingegangen: ausführljcher Bericht Vorbehalten. Die Schnftleitung.) 6. Frankfurt a. Bl. Die Ortsgruppe hat pährend des Wahlkampfes durch Inserate in Zeitungen, .verschiedener Parteirichttrng unseren bekannten Standpunkt * (Orientierung nach deutsÄen, niht jüdischen Gesichtspunkten) den Wählern eingeschärft. Zur Nachahmung im nächsten Wahlkampf empfohlen. Der Vhrstand.