Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-11-01 · 5 (November 1924) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
5 (November 1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5438908-5438635-5438766--241-4871225
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

WWWWW - u mit einer Vorbemerkung, in der > entsprechend unserem Begleitschreiben zum Ausdruck gebracht ist, datz der Aufsatz nicht in allen Punkten unseren Anschauungen entspricht, aber einen interessanten Beitrag zur Judenfrage darstellt. Stichproben: . Es handelt sich um e»ne neue Erscheinung, um Juden, die nach innen wie nstch autzen, wenn auch unter Wahrung ihrer Stammesari und ihres Glaubens, in staatlicher.und völkischer Hinsicht auf den wirklichen Boden des deutschen Volkes treten, oder genauer: diesen Boden, auf dem sie bereits zu stehn behaupten, als den auch ihnen eigenen angesehen wissest wollen .... Datz der Verband zunächst aus Elementen der oberen jüdischen Intelligenz, also aus ..Offizieren ohne Soldaten", besteht. brauchte ihm noch nicht abträglich zu sein. Erst müssen allemal Führer vorangehen: die Gefolgschaft pflegt sich dann schon allmählich zu bilden. Nur dürfen ihr nicht besondere Hindernisse in den Wer, gelegt werden, und solche Hindernisse scheinen hier in der Tat entgegen zu stehen. Der nicht jüdische Deut!che wird von vornherein zu der Annahme neigen, da; er es nur mit einer inneren Bewegung des Judentuns zu tun habe, die ihm gleichgültig sein könne, weil ihm regelmätzig — nicht nur dem Antisemiten — der Jude im allgemeinen als eine Art Fremdkörper erscheint, und auf der anderen Seite gerät der neue Verband dadurch um so mehr in die Gefahr, von der groben Masse des Judentums einer noch dazu erfolglosen Fahnenflucht beschuldigt zu werden, zumal, wenn schon einmal fester Fub gefaht werden soll, die Idee des Zionismus vielen nsther liegen mag. So müssen die nationaldeutschen Judest gegen zwei Fronten kämpfen, gegen die nicht jüdischen Deutschen, die ihnen nicht die Arme öffnen, und gegen die übrigen deutschen Juden, von denen sie als Abtrünnige der Stammesart angesehen werden. Es gehört also zu diesem Kampfe schon ein Mut. den man anerkennen mutz .... Daher würde es auch zu weit gehen, die zwischen dem nationaldeutschen Programm und dem Zionismus stehende grohe Malle der Juden, nur weil sie!sich keiner dieser entgegengesetzten Richtungen anschlietzen wollen, insgesamt als indifferente sogenannte Assimilstnten, d. h. als Leute zu bezeichnen, die sich nur nach dem Nutzen der jeweiligen Lage einrichten, sich eventuell taufen lassen, ohne von einer höheren Richtigkeit des Christentums überzeugt zu sein, desttsche Namen annehmen, ohne sich innerlich als Deutsche zu fühlen, gegenüber I jüdischer Kapitalmacht wiederum die Deutschen als Gojimjbehandeln. ohne innerlich rechte Juden zu sein, usw. Datz diese Gattung in reichlichem Make vorhanden ist, dah sie in dem Gegensätze . zwischen Deutschtum und Judentum den jüdischen Kredit auf verhängnisvolle Weise verdirbt, weil hier gerade das erscheint, was viele Deutsche als jüdische Art verabscheuen, mutz zunächst hingenstmmen werden. Natürlich würden solche Leute, wenn alle siechten Juden nationaldeutsch würden, als Mitläufer folgen und eine unerwünschte Beigabe bilden. Aber! sie brauchten auch in dieser Gestalt nicht als ein besonderes Kriterium des Judentums zu gelten. Jedes Volk hat seinen Pöbel, in allen Schichten, das deutsche auch. Uebrigens kommt diese Erwägung vorläufig noch nicht in Betracht, solange nicht die Frage entschieden ist. ob und wieweit die vielen Juden, die nicht zu jener Gattung gehören, aber den nationaldeutschen Gedanken bisher ablehnen, die oben erörterte Abschlietzung ist sich selbst!zugunsten eines offenen Bekenntnisses für das Volk, in dein sie leben, aufzugeben bereit sind.Es ist .... ein grundsätzlich richtiges Vorgehen des Verbandes nationaldeutscher Juden, gegen die Ostjuden entschieden Stellung zu nehmen und diese weitere Judenschaft als eine Gsfahf für Deutschland zurückzuwcisen. Wird eine derartige Äubensperre gegen Osten ourchgeführt. so wird endlich eil» abgeschlossene Grundlage für die Behandlung der deutschen Iudenfrage geschaffen: das Assimilantentum wird genötigt, deutscher Farbe zu bekennen, und das rechte Judentum wird von der starren Idee des eigenen imteren Zusammenschlusses abgelenkt. Ein solcher numerus clausus gegenüber den weiteren Ostjuden scheint in der jTat die erste Voraussetzung für eine nationaldeutsch« Entwicklung des deutschen Judentums zu sein, das dann nicht nur die etwaige Ausreise seiner Zionisten in Ruhe betrachten, sondern auch innere Sicherheit gegen eine vielleicht drohende neue Gefahr gewinnen könnte .... Der Kampf wird ausgenommen und durchgeführt weriden Müllen, wenn eine brauchbare Lösung der Judenfrage zustande kommen soll, und den übrigen Juden wird kaum etwas anderes übrig bleiben, als der Führung des > Verbandes zu folgen, wenigstens soweit sie ihr Schicksal nicht länger von der internationalen Entwicklung der Dinge abhängig machen wollen, die für sie nichts weiter bleutet, als den Zufall. Denn datz in der augenblicklichen Volkes gekommen einer allgemeinen Sicheren Herrschaft des auserwählten Weltbewegung die Zeit wäre, werden auch die einiger mähen einsichtigen Juden nicht glauben. Das Vefrcuen auf zeitige politische Gruppierungen, die sich befände cs philosemitisch gebärden, würde aber ebenso verfehlt hin: denn eine Politik, die nur mit der jeweiligen Stimmung der Mallen rechnet, h >t allemal solange gedauert, bis diese 1 ins Gegenteil un schlug. Der Kampf liegt stuf dem s geistigen Gebiete. Freilich vermögen auch die national-., deutschen Juden niht den alten Gegensatz mit einem Mgle auscher Welt zu schaffen. Es wird sich um ein langsames Ringen handeln, »essen Ausgang sich durch d e Mittel bestimmt, mit de ien der Kampf geführt wisd .... Allerdings bleibt »er Unterschied der Nasse, der scheinbar , noch mehr trennt. Den sogenannten jüdischen Geist sehen wir nämlich überall, z. B. in meiner alle Juden über bietenden Reinkultzur bei den Nordamerikanern, und verkehren doch ganz freundlich mit ihnen, während' gegenüber den Juden hie Abneigung bleibt. Nun. dieser sogenannte jüdisch! Geist ist letzten Endes die materia listische Weltanschquung. die den gröberen Teil der Erde >uung. ... und neuerdings auch Deutschland in dem Matze beherrscht datz die Klage üb;r den jüdischen Geist vielfach nur eine leere Entschuldigung der eigenen Nichtigkeit bedeutet. Aber diese innere Hoh heit der Menschheitkann nicht ewig dauern, und die Aufgabe, sie zu überwinden, wird gerade die Brücke bilden können, auf der sich auch! verschiedene Rassen, trotz Gerensahes der Artung, doch im Sinne der gemeinsamen höheren Arbeit entgegenkommen. Der Jude, der wirklich nationaldeutsch sein will, wird auch dem deutschen Nationalismus fchlietzlich. vielmehr als er wünschter Zuwach i, denn als o'eind erscheinen. Auf die Bewährung wirb es freilich ankommen. Aber damit wird ben Juden nicht ein besonderes Eramen auferlegt, sondern nur eine deutliche Entscheidung nahegelegt, wie sie zu ihrer eigenen Erhaltung und im Interesse der Menschheit notwei dig zu sein scheint." Ferner liefen: Fridericus („Deutschvölkisch"). Jüdische Rundschau. Weltbühne. Jübische Zeitung für. Ostdeutschland, Israelitisches Fami lienblatt. , Abgeschlossen, 27. 11. 24. Verbanäsnackrickten. Am 31. Oktober 1924 fand der erste Vor- ..Vom Wesen des' Deutsch 1. Berlin. tragsabmd der .. tums'l statt. Der Verbandsvorsitzende sprach über das Thema ..Der deulsche P o l ks cha r ak t^r". An seine Ausführungen schlotz sich eine sehr lebhafte Aussprache, an der auch eine Anzahl nichtjüdischer Gäste teilnahm. Am 20. Novemler fand ein zwangloses Beisammensein unserer Mitglieder statt. Im Dezember wird der zweite Vortrag der Folge „Vom Wesen des Deutschtums" stattfinden. Herr Sanitätsrat vr. Pepser wird über „Das beutsche Familien leben" sprechen. Es ergehen besondere" Einladungen? Für Januar ist i>er bereits früher angekündigte Vortrag des Herrn vr. Karo „Johann Sebastian Bach, ein deutscher Musiker", mit musikstlischen Dar bietungen namhafter Künstler (Bachsche Kantaten stnd andere Musikstücke» und ans hlietzendem geselligen Beisammensein in Aussicht genommen. Auch hierfür ergehen besondere Ein ladungen. 2. Breslau. Öffentliche Versammlung am 1j7. Novem ber 1924 (siehe „Ec»o der Pixsse").!! 3. Verbandsabz stchen. Das Verbandsabzeichen ist jetzt in verkleinerter Form (Durchmesser 1 cml zum Preise von 1 Mark je Stück durch die Geschäftsstelle zu beziehen. Der Bezug durch alle Mitglieder und bie Anlegung bei eigenen Veranstaltungen des Verbandes sowie beim Besuch anderer Veranstaltungen (W »hlversammlungen und Versstmmlungen anderer jüdischer Or Ionisationen) wird dringend empfohlen. 4. Geschäftsführer gesucht. Zur Entlastunqi des Vorstandes wird em Geschäftsführer gegen Gehält gesucht. Meldungen schriftlich an die Geschäftsstelle unter Beifügung eines kurzen Lebenslaufes erbeten. > 5. K. L. und Buei Britz. Wir wiederholen unsere schon früher ausgesprochene Bitte, datz die Mitglieder, die gleichzeitig Angehörii« des K.-C. oder einer Bnef-Brib-Logr sind, ihre Anschrift der Geschäftsstelle angebest. 6. Religiousuut rricht. Unser Mitglied Studien rat vr. Wachs ner ist jetzt als Lehrer an der Religionsschule der Berliner Reform-Gemeinde tätig. 7. Schriften de» Verbandes nationaldeutscher Juden. Wir verweilen auf >ie auf der letzten Seite dieses Blattes enthaltene Anzeige rezüglich der Broschüre „Von deutscher Zukunft". Die Verbreitung der Broschüre zu Propagandazwecken mird den Mitgliedern dringend empfohlen. Für Weitergabe cn nichtjüdische Interessenten steht eine Anzahl von Freieremplaren zur Verfügung. Der Verstand.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.