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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-01-01 · 1 (Januar-Februar-März 1924) · p. Seite 12

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
1 (Januar-Februar-März 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 12 (sequence 16)
Language
German
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Zionismus jm ganzen und der „zionistische" Oberkommissar «ir Herbert Samuel im besonderen Witze von vorgestern sein, aber der sogenannte KUlturzionismüs, das durch ihn geförderte Alljudentum und di« Feindschaft der Umwelt gegen das „Volk in den Völkern" werden traurige Gegenwart und vielleicht Zukunft bleiben. Gerade deshalb wünschten wir den wirklichen Zionisten vollen Erfolg ihren politischen Bestrebungen, die aus Deutschland unerwünschte Elemente ins Ausland ableiten würden, aber wir find nicht so schlecht unterrichtet, dah wir an «inen solchen Erfolg glauben könnten. Was wir von den kläglichen Heim- und Etappenkriegern des Zionismus halten,'die in Deutschland als Ministerialräte und dergleichen ihr wichtigmacherisches Wesen treiben, haben wir oft genug zum Ausdruck gebracht. . Frontsoldat» Frankfurt a. M. Dah der Bund auck Zionisten, Kommunisten und sonstige uns gefühlsfremde Mit glieder umfahk, setzen wir als Ihnen bekannt voraus. Ein Zusammenwirken mit solchen Leuten, wenn sie persönlich anständige Menschen sind, ist in derselben Form möglich, in der man etwa in einer Berufsorganisation, einem Fachverein oder dergleichen mit anderen Mitgliedern Zusammenarbeiten mit denen eben nur auf einem Spezialgebiet «ine Gemeinsamkeit besteht. So lange der Bund auf seinem eigentlichen Tätigkeitsgebiet «Abwehr' körperlicher Angriffe, Einschreiten gegen silbische Taktlosigkeiten usw.) verbleibt, ist gegen eine Mitarbeit unserer' Mitglieder nichts einzuwenden. Jeder Abschweifung in das parteipolitische Gebiet und jedem Versuch, eine geistige „Einheitsfront des Judentums" zu schaffen, muh natürlich energisch entgegengewirkt werden. Die gelegentlichen Versuche einzelner Mitglieder des Bundes, selbst Ortsgruppenleiter. unter der Flagge der Neutralität?^«n unsere Bestrebungen zu agitieren, sind gewih nicht im Sinne der Bundesleitung. Wir bitten, uns derartige Fälle zur Kenntnis zu bringen, damit wir das Erforderliche veranlassen können.! Zur Versammlung vom 23. Januar 1924. 1. Zeitungsleser. Die Lösung des sogenannten Widerspruches ist höchst, einfach. Die „Berichtigung" des Herrn l>r. Oskar Cohn ist purer Schwindel; ebenso unrichtig ist die Darstellung der Blätter» die sich auf den verlogenen Bericht der Berliner Volkszeitung oder auf Informationen aus der Kruppe um Herrd Cohn stützen. Herr Cohn hat weder von „der äuheren Machtstellung Deutschlands" gesprochen. noch hat er, wie der von den Worten dieses angeblichen Sozialisten offenbar sehr peinlich« berührte Vorwärts in seinen späteren Darstellungen behauptet, seine Worte nur auf ein „Deutschland der Reaktton" bezogen. Herr Vr. Oskar Cohn hat nach zwei übereinstimmenden Stenogrammen wörtlich gesagt, nachdem er vorher seiner Abneigung gegen eine bewaffnete Auseinandersetzung mit Deutschlands Bedrückern Ausdruck gegeben hatte: „Wenmich an diese Möglichkeit denke, dann muh ich mich fragen, ob das Deutschtum wert ist, um'den Preis eines neuen Weltkrieges erhalte'n zu werden." Interessant ist die Stellung gewisser Blätter zu dieser Aeuherung. Der Vorwärts hat eilte von uns einqesandte Berichtigung, die freilich nicht auf 8 11 des Pressegesetzes gestützt war, sondern „nur" an den journalistischen Anstand appellierte, trotz zweimaligen sehr höflichen Ersuchens nicht abgedruckt. Die zionistische I. T. A. «Jüdische Telegraphen- Agentur) hat ohne jeden Vorbehalt die aus dem Kreis« um Cohn "stammende unwahre Darstellung . des Hergangs gekrackt, trotzdem ihr der richtige Wortlaut unter ausdrücklicher Berufung aüf das Stenogramm vorher von uns bekannt gegeben war. Tie Jüdische Rundschau zieht es tapfererweise vor. die Aeuherung des Herrn Cohn ganz und gar zu verschweioen. Heber die Berliner Volkszeitung und die Welt am Montag finden Sie Näheres an anderer Stelle dieses Blattes. Von der Stellungnahme unfreiwilliger Witzblätter wie des Israelitischen Familienblatts und des ..Israelit" brauchen wir nicht zu reden. - 2. vr. F. A.» Berlitz. Herr Major Anker war i uns vor der Versammlung nur aus seiner literarischen Tätigkeit bekannt. Er hat ein Einladungsschreiben desselben Wortlauts erhalten, wie eine ganze Reihe anderer Politiker der verschiedensten Richtungen, in dem die Anregung enthalten war, „gegebenenfalls in der Aussprache das Wort zu ergreifen". Als Antwort ging ein Schreiben von wenigen Zeilen ein, in dem er sich bereit erklärte, zu erscheinen. und ..gegebenenfalls" in der Diskussion zu sprechen. Der Vorsitzende unseres Verbandes hat Herrn Major Anker erst in der Versammlung selbst persönlich kennen gelernt. Von ven übrigen Vorstandsmitgliedern ist keiner mit ihm in persönliche Berührung gekommen. In -welchem Sinne Herr Anker reden wurde, war keinem von uns bekannt. Es gehört also schon «ine reichliche Dosis Dreistigkeit zu der Behauptung, di« Diskufsionsrede diese« Gastes sei bestellt« Arbeit gewesen. Die Anrempelungen, denen Herr Majvr Anker ebenso wie unser Verband infolge dieser Red« ausgefetzt isti werden den Redner wahrscheinlich ebensowenig beunruhig« wie uns selbst. Interessieren wird Sie aber, dah einiges Zeit nach der Versammlung ein den rechtsradikalen Kreisen ar^ehöriger Herr den Vorsitzenden unsere» Verbandes besucht hat. um ihn darauf zu sondieren, ob der Verband Herrn Major Anker für seine Diskussionsrede irgendwelche materielles Vorteile zugewendet hätte oder zuzuwenden beabsichtigte. Wie mag sich in solchen Köpfen die Welt spiegeln! 3. „Religiöser Jude". Mönchen. Wenn wir auf jeden Schwindel! der über uns verbreitet wird, ausführlich eingehen wollten, hätten wir viel zu tun. Es kommt wirklich nicht darauf an. ob zu den vielen Entstellungen, mit denen angeblich« Aeuherungen vr. Naumanns und anderer Vorstandsmitkjlieder weiter verbreitet werden, auch noch eine Derdrehustg der Aeuherung über den „deutschen Gott" tritt. Wer die Versammlung besucht hat oder auch nur die kurze Inhaltsangabe liest, die in dem Leitartikel dieses Blattes gegeben ist, weih, was Naumann wirklich gesagt hat. und wer seine i Schriften kennt, weih, was er seiner ganzen Einstellung nach gesagt haben kann. Lassen wir die Köter kläffen. 4. Karl P.. Berlin. Herr vr. Cohn hat nicht bestritten. Zionist zu sein, er hat nur gesagt, er sei „kein gelernter Zionist". Natürlich gehörte er als Hauptbeteiligter zu der zionistischen Sprengkolonne, deren Führer Herr vr. Berger sogar zu seinen Gunsten auf das Wort verzichtet hat. Derselbe Herr vr. Berger, Generalsekretär des Ärbeiterfürsorgeamts der jüdischen Organisationen Deutschlands. hat vorher durch Zettel, die er durch jugendliche Anhänger zu seinen geschickt im «Saale verteilten Gesinnungsgenossen umhertragen lieh, die Kundgebungen seiner Truppe geleitet. Dah die deutschfeindliche Aeuherung des Herrn Lohn kein spontaner Temperamentsausbruch sondern ein wohlvorbereitetes Sprengmanöver war, wird niemand bezweifeln. der die politische Vergangenheit dieses Mannes und seine Art zu reden kennt. 5. „Patzlus in Ephesos." Die im Referat angeführte Stelle steht Apostelgeschichte 19, 23 ff. Sie ist wirklich humoristisch Der; Humor liegt in den Vorgängen strlbst und wird gerade durch die sachlich-nüchterne Darstellung wirksam hervorgehoben. Die Erzählung ist «ine reizvolle kulturgeschichtliche Miniature, die auf die Stellung der damaligen Diaspora-Juden ein beziehangsreiches Licht wirft. Freilich muh man. um den Vorgang ganz »« verstehen, sich an den griechischen llrtert oder an eine wissenschaftliche Uebertragung halten. Die Uebersetzung Luthers, so prächtig sie gerade jn der Kraft des sprachlichen Ausdrucks ist, läht manches unklar. In Luthers Tagen waren eben die politischen und kulturellen Verhältnisse der römischen Kaiserzeit selbst den gelehrtesten Köpfen weniger bekannt als heute jedem Studenten der Geschichte, dem die Ergebnisse der neueren Forschungen, insbesondere der Inschriftenkunde, zur Verfügung stehen. Das Wort, das Luther mit „Schauplatz" übersetzt, heiht griechisch tlieatron. Gemeint ist. was Luther offenbar nicht wühle, wirklich das Theater, das offene Amphitheater, in dem regelmähiq die Volksversammlungen des Altertums stattfanden. Das Wort arammuteus bedeutet nicht, wie an anderen Stellen des Neuen Testaments, „Schriftgelehrter", sondern bezeichnet einen städtischen Verwaltungsbeamten (etwa „Stadtsyndikur"), der die Versammlung leitet und di« Menge, nachdem sie sich zwei Stunden hindurch heiser gesckrien hat. mit «in paar ironischüberlegenen Worten nach Hause schickt. Der jüdische Bürger Alerandros, der „von den Juden vorgeschickt" wird, um „eine Verteidigungsrede zu halten", und den die Versammlung nicht zu Worte kommen läht, dürfte der Vorsitzende der Ortsgruppe Ephesos des Vereins klein asiatischer Stadtbürger jüdischen Glaubens gewesen sein. Eduard Meyer in seinem Werk „Ursprung und Anfänge des Christentums". Band lll, «seit« 127. knüpft an diese Erzählung nachstehende Betrachtung: „Aber dadurch, dah sie <d. h. die Juden vor 1900 Jcchren wie heute) sich im Verkehr peinlich äbsondern und auf Grund ihrer Religion und der damit untrennbar verbundenen Lebensführung zugleich eine Sonderstellung und Eremtion von den damit in Widerspruch stehenden Gesetzen fordern, entsteht die eigenartige Doppelstellung, halb als Volksgenossen, besonders soweit die Rechtsansprüche reichen, halb als Fremde, welche den jüdischen Gemeinden bis auf den heutigen Tag anhaftet und das Problem so unlösbar macht. Die voll« Konsequenz zieht gegenwärtig der Zionismus." Dah nicht nur der Zionismus, sondern auch die Bewegung der nationaldeutschen Juden heute die voll« Konsequenz zieht, wird vom dem Gelehrten in seinem Schreiben, das wir unter „Stimmen vom anderen Ufer" abdrucken. ausdrücklich anerkannt.

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