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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-01-01 · 1 (Januar-Februar-März 1924) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
1 (Januar-Februar-März 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 7 (sequence 11)
Language
German
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wissen wir, das, er gerade in dem ..freien" Amerika einen sehr erheblichen Umfang angenommen Hai. vielleicht auch deichald, weil er dort nm Sinne des Herrn Aussprache« redner» beinah ,,»u aut" geht. Und hat er nie etwa» von der unerhörlen .^völkischen Unduldsamkeit und Empfindlichkeit gerade der Amenkaner — im Kriege gehört, als man. überall Deutschamerikaner^ harmlose Privatleute, die gar nicht daran dachten, sich um „Politik' zu kümmern, die seit Jahrzehnten in den Staaten lebten, sich völlig als Amerikaner fühlten und ihr« Söhn« in das amerikanische Heer entsandten, mit den brutalsten Mitteln gesellschaftlich und wirtschaftlich ächtete? So reagierte dieses ..frei«, demo« kratische" Volk auf eine Kriegsgefahr, die sein staatliches Dasein überhaupt nicht berührt«. Und wir, di« wir noch immer im Krieg« leben, in einem Kriege, der einfach alles in Frage stellt, was wir als deutsch empfinden; sollen uns heut« Toleranz predigen lassen, ausgerechnet mit dem Hinweis auf da» erhabene amerikanische Beispiel? Nein, dgh so etwa» nach diesen zehn Jahren in der deutschen Reichßhauptstadt möglich ist. ist nur ein Beweis jener Toleranz, die man in der Tat nur beim deutschen Volke findet. Was folgt aus den Eindrücken, die ich versucht Hab«. Ihnen zu schildern, für den Nichtjuden. der bewuht deutsch fühlt, zugleich aber politische Besonnenheit sich zu bewahrenversucht? Jenen beiden Richtungen der Judentums, die gegen Sie zum Wort kamen, schärfst«! unerbittliche Abwehr! Es gibt keinen anderen Ausweg. Nicht mit „Pogromen"! Es scheint mir einigermahen kindlich — so weit es nicht bemühte Stimmungsmache ist —. darüber überhaupt ein Wort zu verlieren. Auch nicht mit Rassentheorien, die ihren Wert nur behalten, so lange sie naturwissenschaftlich, d. h. erakt anthropologisch bleiben, sofort aber jeden sicheren, wissenschaftlichen Boden verlieren, wenn man sie ins Geisteswissenschaftliche, Psychologische überträgt, und die gar zur Grundlage praktisch-politrscher Werturteile und Zielsetzungen zu machen, etwa ebenso sinnvoll ist. wie den Darwinismus öder di« Cinsteinsche Theorie in di« Politik einzuführen. Nein, mit geistigen Mitteln mutz dieser Kampf geführt werden, allerdings mit unsentimentaler Klarheit über den Gegner! Und gerade deshalb redliche und rückhaltlose Zusammenarbeit mit der dritten Gruppe, der von Ihnen und Ihrem Verband« vertretenen! Freilich mutz völlig« Sicherheit jedem einzelnen Mitkämpfer gegenüber, soweit sie sich überhaupt von Menschen geben läht, vorhanden sein. Und deshalb hat es mich besonders gefreut, dah der 2. Dorlitzmd« Ihre» Verbundes ausdrücklich betonte, dah Sie keine „Propaganda" machen und sich jeden genau ansehen, de,; zu Ihnen.kommt. Nur auf diesem Wege wird auf die Dauer eine wahr« ..deutschvölkische" Bewegung (nicht eine arisch-rassische) am Leben zu erhalten sein. Dah dieses hohe Ziel trotz aller Gefühls- und Denkunklarheiten der Gegenwart doch eines Tages erreicht werden wird, dafür sehe ich in dem tapferen Wirken Ihres Verbandes eine besonders bedeutsame und erfreuliche Gewähr. Mit verbindlichsten Grützen Ihr sehr ergebener vr. Gustav Blume. Z. Geheimer Regierungsrat vr. Eduard Meyer, ordentl. Prof. a. d. Universität Berlin. Sehr geehrter Herr'Doktor! Für Ihre Einladung zum nächsten Montag sag« ich Ihnen besten Dank. Mit Ihrer Stellung zu der Judenfrage bm ,ch in den Grundzügen völlig einverstanden und wünsche Ihrer Tätigkeit besten Erfolg. Ich habe zu dem Problem zeitlebens, dieselbe Stellung eingenommen, sowohl prinzipiell wie ,m Privatleben, und Hab«, was ich wohl erwähnen darf, zu zahlreichen Juden (ungetansten und getauften) dauernd in nahen, zum Teil intimen persönlichen Beziehungen gestanden, während ich andererseits die Art,, wie sich zahlreiche Juden im öffentlichen Leben vorgedrängl haben, denen jede deutsch: Gesinnung und jedes Empfinden für deutsche Art und Auslastung abgeht, immer bekämpft Hab« . . - Ich brauch: nicht auszuführen, wie schwer das Vordrängen ganz unberechtigter, dem Deutschtum und den unserem Volk gestellten Aufgaben fremder Element, die sich, vor allem , von Osten her. unter Ausnutzung der Wirren der Revolution und der teils kindischen, 'teils aber., auch völlig gewissenlosen Phraseologie der Pazifisten und Schwärmer für Völkerverbrüderung bei uns emzudrängen und sich eine führend« Stellung zu verschaffen verstanden haben, dem notional-g«siimt«n deutschen Judentum geschadet hat . . . Hier liegt die Gefahr, die das nationaldeutsch-gesmnt« Judentum auf alle Weise M vermeiden hat: und so begrübe uh es mit Freuden» dah Sie hier auf. ein« entschiedene Scheidung und Stellungnahme hinwirken. Dah zahlreich: Juden durchaus deutsch gesinnt und höchst wertvoll« Glieder unseres Volker geworden sind, erkenne ich. wie schon gesagt, vollständig an. Und ebensowenig verkenne ich die Schwierigkeiten, die chnen dadurch erwachsen, dah sje nun doch einmal durch Abstammung und Tradition mit so ganz anderen Elementen verbunden smd. Aber eb«l um sie unserem Volk voll zu erhalten, ist die Scheidung ganz unvermeidlich und muh mit Entschiedenheit durchgeführt werden. Ich habe Ihnen mein« Anschauungen ganz offen ausgesprochen und glaube. Ihren Wünschen damit entgegen zukommen. Ich würde auch nicht das mindest« Bedenken tragen, sie . . . vor der Oeffenllichkeit auszusprechen. ... Ich habe mich aber seit Jahren prinzipiell von allen öffentlichen Versammlungen und Diskussionen ferngehalten. . .: also bitte ich Sie, mich zu entschuldigen, wenn ich daran auch in diesem Falle festhalt«. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ganz «rgebener. Eduard Meyer. 4. Schriftsteller Erwin Barth (V. S. PD». Neichszentral« für Heimatdienst. Lehr geehrter Herr Doktor! In der Versammlung im Logenhäus betonten Sie besonders. dah die Iudenfrag« in Deutschland keine politisch« Frage sei. Das ist auch meine Meinung. Vielleicht ist es nicht zu viel behauptet, dah es eine Iudenfrag« in Deutschland überhaupt nicht gäbe, wenn der jüdische Teil des deutschen Volkes sich von jeher rückhaltlos in die Nation eingefügt und alle seine übrigen Interessen bewuht hinter das nationale Interesse zurückgestellt hätte. 2n den anderen westeuropäischen Staaten ist di« Judenfrage und demgemäh auch der Antisemitismus ohne gröbere Bedeutung. Das ist sicherlich das Verdienst der allgemeinen Haltung der jüdischen Bürger dieser Staaten. Sie und Ihr Verband leisten daher meiner Ueberzeugung nach für die Entgiftung der öffentlichen Atmosphäre einen Dienst, tvrnn Sie das Schwergewicht auf die Stärkung des Deutschtums innerhalb der Juden legen. I: entschiedener die Juden deutscher Nationalität ihre unbedingt: Zugehörigkeit zum Deutschtum betonen, desto sichrer wird dem überhitzten Antisemitismus der Boden entschwinden und der Glaube, dah di« Judenfrage doch eine politisch: Frage sei. verblassen. Herr vr. Oskar C o hn hat in der Versammlung geäuhert. man müsse sich im Fall« eines Krieges fragen, ob das Deutschtum überhaupt wert sei.- selbst auf diesem Wege erhalten zu werden. Die Mehrheit der deutschen Juden ist sicherlich von der durch Herrn vr. Lohn geäußerten Gesinnung weit entfernt. Das zeigte auch die Art, in welcher der gröhte Teil der Versammlung auf diese Aeuherung reagiert hat. Das gleiche gilt auch von der überwältigenden Mehrheit der deutschm Sozialdemokraten, die sich durchaus als Deutsche fühlen. Man hat natürlich versucht und wird weiterhin versuchTN, die Aeuhe rung des Herrn vr. Lohn gegen di- Gesamtheit der deutle» Juden und gegen die Sozialdemokratie auszuspielen. Wer rechtlich urteilt, wird an die Haltung der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterschaft in« Jahre 1914. an di: vorbehaltlos: Opserwilligkeit des sozialdemokratischen Juden Ludwig Frank und an die Kriegsopfer der deutschen Juden denken. Diese' Erinnerung wird rhn lehren, was von der Verallgemeinerung bedauerlicher Einzelfälle zu halten ist. Ergebensten Kruh Ihr Erwin Barth. 5. Reichstagsabgeordneter Morath (D. V.P.). Sehr geehrter,Herr Doktor! . Gestatten Sie mir, Ihnen nachträglich noch einmal mekirm besten Dank für die Einladung zur Versammlung des Verbandes Nationaldeutscher Juden zum Ausdruck zu bringen. Ich habe zum ersten Mal Gelegenheit gehabt, einer solchen Versammlung beizuwohnen. uyd ich Hab« mancherlei dabei gelernt. Ich Hab« — nach der Versammlung — erfahren, dah man heute nicht seiner Freude darüber Ausdruck geben darf, dah es Juden gibt, welche sich rückhaltlos zum Deutschtum bekennen, ohne sich der Gefahr auszusetzen, dafür in zahllosen Zuschriften in der pöbelhaftesten Weis« beschimpft zu werden. Der Besuch der Versammlung hat mir ferner einen Eindruck in die krausen Gedankengänge von Männern verschafft, welch: ihre hohe Stellung im preuhischen Staatsdienst mit ihren zionistischen Grundanschauungen glauben verembarrn zu können. Besonders eindrucksvoll aber war es für mich, in der Person des „Vaters der Revolution", des vr. Oskar Cohn, einen Mann kennen za lernen, der seit einem Menschenalter den Dnit'chrn den Internationalismus predigt und der doch überna^ionaliftischer Jude geblieben ist. Wenn es etwas j gab. «as unserem:,» in dem Augenblick tröste» konnte, als jener Mensch seine nicht

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