Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1923
- Issue
- 2 (März-April 1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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So Hai die Angst diesen Herren di« Köpfe verwirrt, daß sie nicht mehr unterscheiden können zwischen Gleichberechtigung und Vorrecht. Oder hat auch nur einer der Herren di« Folgen eines solchen Schrittes überlegt? Deuten wir uns den Antrag »ausgeführt! Was erwartet die Abordnung von Seiner Majestät nn beste» Falle? Der Kaiser wird di« Herren freundlich empfangen und wird ihnen unzweifelhaft sagen, daß vor feinem Throne alle guten Bürger gleich« Recht« haben; er wird sie auf die Verfassung verweisen, in der dt« Gleichberechtigung der Juden geschrieben und gestegell steht. Wissen wir das nicht auch so? Kann das gewichtig« Wort des Monarchen in dieser Richtung etwas fördern? Die Gutgesinnten und Vorurteilslosen haben nie daran gezwetfrlt, auf di« böswilligen und wahnwitzigen Gegner aber wird auch das >-Wort des Monarchen keinen Einbruch machen'. (Schutzjuden j. oder Staatsbürger? Seite 6 und 7). So schreibt ein deutscher Mann jüdischen Glaubens vor genau 3V Jahren. Und heut«, im Zähre 1923, müssen wir, erlebet,, daß sich genau dasselbe Spiel wiederholt. Eine Abordnung S«4 Verbandes der Bayerischen Israelitischen Kultusgemeind«» hat sich zum Ministerpräsidenten von Knisting begeben und .Vorstellungen über die Sage der Juden in Baoern erhoben'. Sie bat eine Eingabe überreicht, in der Fäll« nrasser Aeußcrungen der Iudenfeindschaft. wie sie ja kider heult aus oft erörterten Gründen in Bayern nicht selten sin-, aufgeführt werden. Am Schlüsse der Eingabe wird di« Staatsregierung aufgefordert, .einem solchen Vorgehen Einhalt zu tun und der jüdischen Bevölkerung den in der. Verfassung verbürgten Rechtsschutz angedeihen zu lassen'. Die Zeitungen melden, ber Ministerpräsident habe .die Ausführungen der Abordnung mit Interest« und Wohlwollen cntgegengenonnnen'. Die Herren in Bayern haben also in den letzten 3l> Jahren nichts gelernt. So ernst auch die Besorgnisse sind, die hinsichtlich der Lage der Juden in Bayern bestehen; möchte man Ihren angeblichen Wortführern fast di« Verhöhnung'gönnen, die ihnen Herr von Knilling hat zuteil werden lasten, indem er ihr würdeloses Bittgesuch mit .Interesse und Wohlwollen' anhörle, ohne ihnen auch nur die geringste positive Zusage zu machen. Und der Huinvr davon ist, daß diejenigen Herren, die diesen Bittgang inszeniert haben, demselben Verein nicht fetnstchen. der seinerzeit auf Veranlassung Raphael LöwenfeldS gegründet und aus dem allerdings dieser aufrechte deutsstst Mann selbst bald genug hinausgeärgert worden ist. Auch die bayerischen Juden werden allmählich begreifen müssen, daß miss derartigen Bittgesuchen gegen die Iudenfeindschaft nichts auszurichten ist, zumal wenn sie so verständliche Gründe hak. wie in Bayern, dem ehemaligen, Tummelplatz der SiSncr, Toller, Mühsam. Levine und Genosten. Mehr Selbstgefühl und mehr deutsches Nationalgefühl! Weniger Angst und mehr Vaterlandsliebe! Das sind die Mittel, die Iudenfeindschafl allmählich abzubauen. - 3. Versammlung in Breslau am 17. ». 23. Aus Einladung der Ortsgruppe Breslau hielt der Verdank svorsttzend« Dr. Raumann einen Vortrag über .Ostsnbentm» und Zionismus^ bi« Geladen waren anßer insbesondere führend« s Central-Vereins und treibende» Kräfte der Jogendfeinbschast'. Berbandsmitgliedern auch zahlreich« Gäste Mitglieder der Breslauer Ortsgruppe» dä der zionistischen Organisation. Die Versammlung war sehr gut besucht. Außer den Geladenen waren auch zahlreiche ungeladen« Gäste erschienen, die den Zutritt zu dem überfüllten Saal zuerst zu erschwindeln, dann zu erzwingen versuchten und, soweit ihnen dies mißlang, ihrem Aerger durch Zetergeschrei vor der LingangStür Lust machten. Sehr interessant gestaltet« sich die Aussprache, die dem Dortrag folgt«. Zwei Zionisten, ein neugebackener Regierungsrat und ein Rechtsanwalt, erläuterten die .Zwei-Vaterländer-Theorie' derjenigen Jüdischnationasen. die nach wie vor Wert darauf legen, in Deutschland volles Staatsbürgerrecht zu genießen und sogar RegierUngsämter.zu bekleiden. Nur ganz unwesentlich verschieden von der eigenartigen Auffassung drS Deutschtums, di« in den Ausführungen dieser offiziellen Zionisten zur Geltung kam. waren die Anschauungen, die der Breslauer Central-Dereins-EyndikuS, «in Rechtsanwalt, der auch dem Hauplvorstand des C.-V. angehört, auSsprach. Er unternahm es allen Ernstes, das Verhalten derjenigen C.-V.-Mitgll«der z»i verteidigen, die entgegen dem Vorfiandsbeschluh des L.-V. nach wie vor gemeinsam mit Zionisten für den Keren Hajestod (Palästinawerk) arbeiten und dabet ruhig ihre Dorstandtämter im C.-V. weiter ausüben. Di« Ausführungen dieses Rednerriefen lebhaften Widerspruch bei anderen L.-Vi-Mitgli«dern hervor. Ein Hauptvorstandsmitglied des C.-V. meldete! sich unmittelbar nach der Versammlung zur Aufnahme in unseren Verband. Als der Haupredner das Schlußwort erhielt, versuchten Zionisten und jugendliche Gesinnungsgenossen des erwähnten L.-D.-Syndikus, ihn mit fortgesetzten Zwischenrufen zu aberschreien und am Reden zu hindern. Ihr« Bemühungen scheiterten jedoch an der Ruhe des Redners und der Energie des Versammlungsleiters. Handelsgerichtsrak Beerel. Die Versammlung beacht« eine begrüßenswerte Klärung der unüberbrückbaren Gegensätze, die zwischen deutschfühlende Juden einerseits und Jüdlschnationalen sowie alljüdisch fühlenden Zwischenschichtlern anderjrrsvils bestehen. Als Nebenfrucht dürfen wir ein« stattliche Reihe von Ausnahmegesuchen vermerken. l Echo -er Presse folgt in der nächsten Nummer. Die Gchrist ltzitung Verbair-snachrichien 1. Ortsgruppe Fraukfurt a. M. Unsere Mitglieder in Frankfurt a. M. und Ofsenbach haben sich zu einer Ortsgruppe Frankfurt a. M. zusammengeschlosten. Vorsitzender ist Herr Justizrat Dr: Ludwig Ips-eph, TaunuSstraße 1. Im übrigen besteht der Vorstand auS-! den Herren S. W. Heß; Dr. Ginsberg. Stegsried Neu, Geh. Gan.-Rat Dr. Rosenmeyer und Dr. Rosenburg, Auskunft erteilt Herr S. W. H e ß, Feldbergstraße 31. 2. München«« Jugeadgruppe rratloaaldeatscher I»d«u. Di« Gründung der Jugendgroppe ist im Januar d. I. erfolgt. Vorsitzender ist Herr cand. meö. HanS Aufrecht, Rumfordstraße 2, III. Die Jugend versammelt sich wöchentstch einmal zu Unterhaltungen. Vorträgen oder Wanderungen.. Di« Akademiker kommen am l. unk 3. Donnerstag jedes Monats («llßerhalb der Hochschulferirn) im Cafö Stefanie, Theresienstrah«, zusammen. Die Herausgabe eines AlmanachS ist für den Herbst geplant. Zahlreich« Mitarbeiter sind bereits gewonnen. Verbandsmitglieder, jugendlich« und ältere; werden gebefen. das Werk durch Einsendung von Aufsätzen bis IS. 7. d. I. zu fördern. Anfragen an Herrn cand. meb. Aufrecht. 4. Zwangloses Beisammensein i» Berlitz am 2«. 2. 23. SanitätSrat Dr. Peyser sprach über .Das Schlagwork: Jaden und Freimaurer". Der mit einer Fülle inkerestqnkck Einzelheiten auSgestattete Bortrag gab ein anschauliches Bild von der Entstehung unh dem Wesen der Freimaurerei und wies nach, wie auch auf. diesem Gebiet« der Schlagwörter-Unfug zu llchen BolkSanschauungen geführt hat. AuS falschen und gefährder Diskussion, in der unter anderem auch die Frag« der Bns-Briß-Logen gestreift wurde, ist eine Aeußerong des Herrn R a lenz hervorzuheben, der dem Hauptredner im Sinne unserer Bestrebungen den Unterschied zwischen übertriebenem Nationalismus hervorhüb. und gesundem bbiner Dr. Lobbeipslichtet« ctznd ganz Nationalgesühl scharf em insbesondere die 5. Deranstaltuugeu im Mal. 'Gin zwangloses Beisammensein, in de Ostjudensrage erörtert werden soll, wird in fAerlin stattfinden. In Aussicht genommen sind Borträge von Vorstandsmitgliedern in München, Frankfurt a. M., Halle und Homburg. ES ergehen besonder« Einladungell.! 6. Religions-Unterricht. Unser Mitglied, Siudieirak D r. Wachs »er, erteilt den Kindern einiges Derbandsmitglieder zweiwöchentlich Religions unterricht in religiös-liberalem, von allem jüdischnationalen Beiwerk losgelösten Sinne. Der Zirkel kann noch durch Beitritt einiger Kinder im Alt«r von mindestens 12 Jahren erweitert werden. Bei genügendes Beteiligung jüngerer Kinder kommt die Einrichtung eines Somierzlrkels in Frag«. Ausknnst erteilt Herr Dr. Frth Wachster, Kanzowftratze 8, oder der Schriftleiter des Mittet lun Der