Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-07-01 · 6 (Juli/August 1922) · p. Seite 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
6 (Juli/August 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/5438908-5438616-5438748--122-4871114
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

§ —« 8' _ ^»nru«tt»unu »»«»,» s . . - ^»»r»»rrn»»«u»n 1U IlckNß« UI s ZU« LI. s Das MttteÜungsblatt erscheint vorläu lg in zwangloser Folge, meist einmal monatlich. Bezugspreis: Linzeb nnnmer Z M., halbstlästch IL M. . ' Den verbandsmitglied rn geht das Blatt «sftnlos zu. - GchchSstsM» de» Verbandes: Berlin r) Z5, Blumtshof - (Fernsprecher: Lützow Z0L-).! Bankkonto» L. H^Sretzschm«, Lettin«»^ I»v«rtzr»-«, Postscheckkonto: Lettin ttr.mrri. Jahrgang 1922 tli/Angust Nr.6 Walther Rathemm. 7', gast zwei Monat« sind nun schon »Wgimge«, sei Lew Walther Rathenan »o» Mörderhand ni«derge«acht w irde. Kein Deutscher, der damals nicht» von Entsetzen genickt, «N der Zukunft seine« Bolle» schier verzweifeln mochte,' kein deutscher Jude, der nicht, auf da» tiefste erschüttert, , nter de« erste» Eindruck der Freveltat fast da» Sud« aller Tinge gekommen glaubte. Heute kann und darf »an schon rnntger Aber da» Geschehene stneeche»,' seine nächste« Folgen ti eten tereit» »tt einiger Deutlichkeit aus.dem Gewitters ur» menschlicher rpch politischer Leidenschaften hervor, den wir t» diesen Wochen durchschreiten mutzten, und mit der 6ertagung de» Reichstage» ist ein vorläustger Abschluß err, icht. E» bleibt Zeit, sich Rechenschaft abgulegev über da» furchtbare Erlebnis, ha» mit dem Namen de» ersten deut chen Lutzyrmtnister» jüdischen Stamme» sür immer verknüpf ist. An dieser Stell« war früher einmal von Hüdtscn Minister» die Rede. Es war dabet gesagt «erden, Rathenau hätte ein« tm Grunde unlösbare Aufgabe, übernommen. «an sollte sich deswegen hüte«, zu früh über die Berufung diese» Glaubensgenostens an di« Spitze des Auswärtige» Amts z« jnbeln, denn erst der Erfolg «erde zeigen. ob wir als Juden Grund hätten, uns dieser Aiahl zu freuen. Dieser Hinweis richtete stch natürlich nur an die Adresse derjenigen Inden, die kritiklos, ohne zu dem L erü der Sach« vorzudringen, jede Berufung eine» Juden zu eine» höhere« Staat», oder Reichsamt als günstige Wen- - düng der Jndenftage buche«.. Rathenaus Entschluß se bst, sich dem Reich tu seiner -kot zur Verfügung zu stellen, si llt« nicht.ttn mindesten bemängelt werden. Eelbstperstänl lich war r» feige Pflicht als Deutscher, die dornenvolle Mis ion der Verhandlungen mit den Eiegexstaaten über eine ettägflchere Gestaltung unserer Reparailonslaften auf sich zu nehmen, nachdem ihm diese Mission einmal aufgebü det war. zumal er sich ohne Usberhebuna sagen durste, das er für diese» Amt ganz besondere, sonst ftlten 1» einer Per Ln- -Weit vereinigte Qualitäten zu biete» hatte. Daß dl« ln- »uchme d» Autzenministerinms aber für ihn «in Wäj ni« bedeutete, dessen Scheitern für Deutschland im allgemein« ^md daneben für die deutschen Jude« tm besonderu schurre im Sesotge hübe» «iitzte, darsber ist sich Walther Zemitz keine» Augsnblick im Unklaren gewe en. versagt «btiehen, sei» Werk zum Lbschlntz zu Da« MtzpetWmch ist mißglückt — nicht durch st km Aber sovich hnt er doch tmmerhi» schon, hei der von D^.S.Breslaner. Unterzeichnung des RcHa^Vertrages, zeigen könne«, daß er autzerordepttkcher EmAlÜste fähig war. And es Uetzsich damals schon mit Genägtstung feststellen, dich diese mutige Tat, gleichviel oh ihre wahrscheinlichen Auswirkungen mit Frylde oder mit Sorge begrüßt wurden, doch, auch in gegnerischen Krisen als Beginn einer lange genug'schmerzlich vermißten diplomatischen Akttvität Anerftnqung fand. Und hinter den Kulissen der Weltbühne, in geräuschlosen, vertraulichen Besprechungen und Verhandlungen «ft ftem» den 'Staatsmännern, war es Rathenau gelungen, etwas mehr Verständnis für unsere wahr« finanziell« Lage zu verbreiten und damit den Weg zu einem allmählichen Abba« der schlimmsten Bestimmungen des Versailler Vertrages -««ebnen. , Eh« diese ersten Anfänge einer positive» Politik zu greifbare« Früchte» führen konnten, hat verkleideter Kanatis^, mn» diesen Mang gefällt, der in dem Glauben gelebt hat,, durch seinen rechnen Sinn, seine selbstlose Hingabe an das Wohl de» Vaterlandes auch gehässige Gegner schließlich cntwaffpen zu könne». Man hat ihn gemordet, weil «an sich von der Tätigkeit eines-Zuden an so hervorragender Stelle für Deutschland nichts Gutes versprechen wollte. Die diesen Jrrw-Hn hervorgerufen und wach erhalten haben, sind die eigentlich Schuldigen. Für die unmittelbaren Täter mögen MilderungsgÄnde vorliegen: ihre Jugend, der gtnndstürzende Wandel in den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen weiter Schichten de» Volkes, die erbärckliche Lage des Vaterlandes. sie kein Organ hatten füt die außergewöhnlichen Reiz« dieser hochwertigen Persönlichkeit, kein Verständnis für die Lauterkeit sei««» Wesens oder gar für dft besonderen Möglichkeiten, die durch seine weitreichend«» Beziehungen in der großen Welt für eine «sprießlich« Anßenpolttik des Reiches gegeben waren, daß si« blind aus den Juden Rathenan lorftürmten, entschlossen, um. wie sie meinten, noch Wimmere« Uicheil von Deutschland abzuwehren, — da» alle» kann schließlich ln den beklagenswerten Zeitumstäuden seine Erklärung finden. Unerklärlich nutz «»- ldbar dagegen ist. daß reift Männer, di, hinter ÄH« d standen, sta gewLhrea ließen, trotzdem doch schon wahrlich genüget Beweise dafür Vorlage«., daß uns, ganz von der! »noralischea Seite der Sache, Über die ja rt zu verlieren ist. anch praktisch au» politischer immer nur wieder Uuftgen erblühen muß. W«r hier «mH nur durch UnterkassnNAHSade» zur VUdtingjnM« »M»rt geNt«Mn^hetge1rage» hat, den tttsst fchW« Schuld 7 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.