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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-04-01 · 4 (April 1922) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wetter, wahllos den wildesten Spielgefährten suchend, ganz gleich ob er ein Patrizier oder Proletarier ist. Darüber werden natürlich die Hagsaufgaben vergessen, ein Tadel im Klassenbuch hat eine hübsche Tracht Prügel zum Gefolge, aber dann ift's auch vorbei mit dem Kummer und die Lücken im Wissen find bald wieder ausgehessert.' Ich habe eine Anzahl Schulen besucht bis zum Abituriüm, überall fand ich Juden innerhalb der Besten. Aber womit war es erkauft? Mit körperlichem Zurückbleiben. Ernsthafte, alte Gesichter, wahnsinniger Ehrgeiz, keine Frage auszulassen. Im Gefolge ein sich Vordrängen, sich dem Lehrer in jedem Falle Liebkindmachen, im Betragen stets eine 1. ' Und das alles ist bewußte jüdische Züchtung, bewußte ' oder unbewußte Überschätzung des Geistigen im jüdischen Elternhaus. Daneben kommen dann womöglich noch besondere Talente, meist musikalischer Art, zu Tage; das Kind wird früh, wie der Wunderknabe Mendelssohn, im Verwandtenkreise am' Klavier vorgefuyrt. Sein Ehrgeiz wird bei jeder Gelegenheit gestachelt und ein elender, blasser Stubenhocker ist der Erfolg. Ein Streber, den die Kameraden nicht leiden können, weil sie ihn nie beim wilden Spiel sehen, weil er ihnen bei aller vielleicht vorhandenen Bescheidenheit durch ein großes Wissen verdächtig ist, ein Schwächling, der keinen Knuff und Buff vertragen kann, der warm eingewickelt mit Gummigaloschen ankommt, wenn schon Frühlingslüfte wehen, ein. Jüngelchen, das nach dem Arzt schreit, wenn es sich in den Finger geschnitten hat. Aber im Hause der Stolz der Eltern. Der Lebensaufbau ist dann die Fortsetzung dieser verfehlten Erziehung. Zu einem Schmied oder Stellmacher kann er nicht in die Lehre, also zum Kaufmann, da ist auch mehr mit dem schlauen Kopf anzgfanaen. Oder auf der Universität ein ebenso ehrgeiziger, fleißiger Student, wie früher Schüler, nicht farberftragend, kein Semester bummelnd im guten Sinn, fern allen Sport- und Cchwimmvereinen, keinen Schläger in der Hand. Ich weiß, das ist jetzt alles schon bester geworden, als es zu meiner Schulzeit war, aber es ist nun so unendlich schwer, die jahrelangen Vorurteile germanischer Kommilitonen zu überwinden? Darum mein Rat: Wollen jüdische Eltern, die vielleicht selbst unter den Gegensätzen Eermane-Jude leiden, ihrem Kinde den Weg verbessern, so sollen sie es aufwachsen lasten, wie ein Germanenkind. Fort mit i der lleberschätzunq des Geistigen und Vernachlässigung des Körpers! Laßt sie toben, laufen, schwimmen, turnen, reiten, fechten! Bei gelegentlicher Lebensgefahr nützt ein anständiger Klimmzug oft mehr, als ein ..Vorzüglich" im Rechnen oder Französisch. Und ein Wichtiges mehr: Zeigt ein Kind nicht eine wirkliche Befähigung zur höheren Schule, kann es nur mit Daransetzung körperlichen Wohlbefindens dem Unterricht folgen, dann ohne verletzten Elternstolz mit dem 14. Lebensjahr zu einem Handwerker in die Lehre! Uns fehlen jüdische Handwerker. Tischler, Gärtner, Schmiede, Stellmacher! Nicht so sehr, um in diesen Berufen durch Fleiß dem Germanen Konkurrenz zu machen, aber um einem weitverbreitesten Borwurf die Berechtigung zu nehmen: „Der Jude arbeitet nicht wie wir. Cr ist nur Kaufmann. Viehhändler usw. Er lebt vom Handel und bereichert sich ohne körperliche Anstrengung." Daran schließt sich gar zu leicht der Vorwurf des vom fremden Gelds lebenden blutsaugenden Parasiten! Eine Generation wird es dauern, auch länger, wenn nicht bald verständige Juden aufklärend wirken. Aber ein großer Erfolg könnte es sein, wenn dadurch eine Verschmelzung der beiden ineinander wohnenden Völker „zu einem deutschen Volke" erreicht würde. 4 - Nehmt diesen Stein des Anstoßes fort Nrd beginnt schon im jugendlichen Alter mit der Umstellung vom „Uebertrieben - Geistigen" zum „Gjesunden-Körperlich-Geistigen." Wie man es anstelle darüber vielleicht ein andermal. E. E., Hauptmann ä. D. IN. Studentenschaft und «atiouaweutsche Jude». Von einem alten Couleurstudenten. Von all den vielen politischen Problemen der Gegenwart, von all den Fragen des Kulturkampfes, die in der Jetztzeit alle Gemüter erregen, ist das heikelste das Problem des Antisemitismus. Und gerade in diesem Kampf, der sich bald auf dem Gebiet oer Religion, bald auf dem der Nation und Raste, der sozialen Unterschiede, des Wirtschafte- und Kulturlebens abspielt, ist der akademischen Jugend eine hervorragende Rolle zugeteilt. Der deutsche Student, der — trotz ' aller Ableugnung — durch Erziehung und Anschauung für sein künftiges Leben zum Führer berufen ist, hat, da er dem nationaldeutschen Gedanken zu dienen als höchstes Ziel empfindet, dem Judentum gegenüber eine meist ablehnende Stellung eingenommen, abwehrend . und mit der aller Jugend eigenen Schroffheit, weil er die Mißstände und Hebelgriffe vieler im öffentlichen Leben stehender Juden nur mit großem Unbehagen vertrug. Gegen die sprichwörtliche Solidarität des Judentums, das sich in Deutschland zu einer gewaltigen Macht emporschwang, die in keinem Verhältnis zu der Zahl derzJuden innerhalb der deutschen Bolksgemein-, schaft steht, schlossen sich die Studenten in ihren Korporationen eng zusammen. DanN kam der Krieg und nach ihm der gewaltige Umsturz, die völlige Umstellung un-, seres Potts- und Kulturlebens, und aus dem Thoas er-s wuchs neben der Welle des Antisemitismus auch die Strömung, die in dem Juden auch den deutschen Volksgenossen sieht. Sie ist heute stärker denn je. Wohl verschließen sich die Korporationen immer noch den jüdischen Kommiltionen, aber sie find doch schon vielfach dazu Lbergegangen, die Waffen jüdischer Verbindungen anzuerkennen. Wohl hat die deutsche Burschenschaft, als sie seiner Zeit Bestimmungen annahm, die Alten! Herren verbot, die Ehe mit einem „jüdischen Weibe" einzugehen, und als der zu ihr gehörige Dr. Wehberg jenen Aufruf erließ, der dagegen Stellung nahm, ihn ausgeschlossen. Aber dies geschah nicht aus Anschauungsgründen, sondern nur aus Gründen innerer! Disziplin. Hunderte und aber Hunderte von Alten > Herren der Burschenschaft haben damals Dr. Wehberg! recht gegeben, ohne indessen den Fehler zu begehen, eine derartige den Verband nach außen hin schädigende öffentliche Abwehrstellung einzunehmen. Die Akten über diesen Fall sind noch lange nicht geschlossen und der nächste Burschenschaftertag dürfte vielleicht interessante und überraschende Aenderungen bringen. Man sagt — und leider ist man auch im Verband nationaldeutscher Juden noch vielfach dieser irrigen Ansicht —, daß unsere Univetfitäten und unsere akademische Jugend überwiegend antisemitisch seien, da sie völkisch fühlen. Dies ist vollkommen falsch und besonders die nationaldeutschen Juden sollten in diesen Fehler nicht verfallen, denn gerade der größte Teil der Studenten ist von der völkischen Idee des Hochschulringes beseelt und wirkt und arbeitet für sie. Gerade aber der Hochschulring war es und ist es noch heute, der sich bemüht, den Begriff ^völkisch" aus den tiefsten Niederungen krassesten Antisemitismus herauszuheben, ihn seines hetzerischen Beiwerkes zu entkleiden, um ihn wieder zu Ehren zu bringen. In allen studentischen Beilagen der großen nationalen Presse kommt immer t I

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