Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1922
- Issue
- 3 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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ungeheuerlich« Ltei ge rung a l l e r K o st « n die > V « r b a n d s m i l g l i « d e r gehrten werden müssen, i n » e r h a l d d.e s Kreises der ihnen nähet bekann- , irn Mitglieder auf dir Gewährung möglichst hoher freiwilliger Spenden hinzpwirken. Zur Entlastung des Vorstandes werden in;d«sonorr« jüngere, ehrenamtlich wirkend« Mitglieder gebrau ch 1. Tie Versammlung wurde nach zweistündiger Tauer geschlossen. Vermischtes. Zur Jugeudfrage. Ein jugendlicher Mitglied schreibt uns: Politisch« Revolution eines Volkes bedeutet, stets auch Revolutionierung der Anschauungen eines jeden Volksgenossen. So haben auch die Nooembertage dis Jahres 1918 mächtig in unser Seelenleben eingegrisfen, am stärksten bei ups Jungen,' die noch am aufnahmefähigsten für das Begeisternde einer Idee sind. Vor und während des Krieges war uns das Bild vom starken und mächtigen deutschen Vaterland« anerzogen worden, und unzertrennlich war diese Anschauung von dem Gedanken an das Kaisertum. Kaisertum und Vaterland waren wesenilich« Teile' unserer Ideale. Genährt wurde diese Väterlandsbegeisterung noch durch die Erfolge unserer Waffen.- Wenn wir auch im Spätsommer 1918 kaum mehr auf einen siegreichen Ansgang des Krieges rechnen konnten, da die Erkenntnis von der "erdrückenden Uebermacht unserer Gegner sich langsam durchsetzte, so war doch die Kunde von dem Wassenstillstandsangebot, vor allem aber di« Nachricht von der Flucht des Kaisers für uns überraschend und .niederschlagend. In jenen Tagen zerbrach etwas in uns, das vorher «in wichtiger Tragbalken unseres Seelenlebens war. Wir fühlten Altgewohntes versinken und «ine Kluft tat sich in unserem Innern auf. Es war eine bittere Wahrheit für uns und wir muhten uns mit ihr absinden. Gewih war es die bequemste Art, diese Kluft totzuichweigen oder durch Materialismus, Vergnügungstaumel usw. zu überbrücken. Uns Jungen aber konnte dies auf die Dauer un- > möglich genügen. Für die Zionisten war es eine Zeit-, zu der sie mit ihrer nationalen Idee groh« äuhere Erfolge hatten. Für einen pleiteren Teil unserer jüdischen Jugend mag wohl dst Idee, der religiösjüdischen Erneuerung den Ausgleich geschaffen haben. Aber viele von uns jungen Juden können sich nicht mit voller Begeisterung iür «ine dieser beiden ^Richtungen einsetzen. hierzu kommt noch der Zweifel, ob vorwiegend Deutscher oder vorwiegend Jude, der ja keinem erspart bleibt, der sich nicht für die nationoldeutsche Bewegung oder für den Zionismus entschlossen hat. - hier richtunggebend einzugreisen ist eine dankbar« Ausgabe des Verbandes nationaldeutscher Juden. Wir müssen uns daraus besinnen, dah Kaisertum und militärisch« Macht nicht das Wertvollste des deutschen Vaterlandes sind, sondern dah unwandelbare Liebe zur Heimat und zur deutschen Sprache, vor allem aber die Kulturwerte und die Werte unserer großen Geister unvergänglichen Besitz des deutschen Volkes darstellen. Wenn wir erst erkennen, welche Reichtümer wir zu verwalten habet», dann werben wir auch jene Kluft aussüllen können, von der ich sprach und die viele Junge /Mter empfinden. . , Wir jungen Menschen müssen auswachsen in voller Lieb« zu allem edlen Deutschen, und dies« Liebe zu pflegen ist ein« dankbare > Ausgabe des Verbandes. Der Verband hat die Pflicht, an der I sittlichen Erneuerung der Jugend mitzüarbeiten, auf die er als jüdisch« Verbindung ganz anders «inwirken kann als» ein interkonfessioneller Verband. Pflege des deutschen Wesens bei der Fugend wollen wir uns zur Ausgabe setzen, denn wenn vielleicht auch nicht die Welt, so kany doch unser armes Volk nur an deutschem Wesen genesen. < Fritz Heller. Deutsch-Jüdischer Elternbund. Ein Bund dieses Namens mit dem Sitz« in Berlin hat sich zu Anfang März d. I. gebildet. Sein« Ausgaben, die er mit den Aorten .Für Religion und deutsches Vaterland, gegen Antisemitismus und Zionismus" kennzeichnet, .berühren sich mit dem Ausgabenkreis« unseres Verbandes. Wir werden di, weiter« Entwicklung de» Bundes mit Jnteressx beobachten. Auskünfte erteilt unser Verbandrmitglied, Herr Schriftsteller Larl Beer, Berlin-Friedenau. Albestrahe 21. der dem provisorischen Vorstand der Deutsch-jüdischen Elternbunder angehört. G. Deutsche Elter», seid auf der Hut! Di« B.Z.V. (Nachrichtenblatt der Berliner Zionistischen Vereinigung) bringt in ihrer Ausgabe vom 22. 1: 22. «inen Artikel über .Hebräische Kulturarbeit der B.Z.B.'!. in dem sich folgende bemerkenswert« Sätze finden: .Die Erfahrungen zeigen, dah man nicht stütz genug anfangen kann, hebräisch zu Neiden. Das Ideal wäre di« hebräische Atmosphäre i!m Haus«, di, stark genug ist, die kulturellen Einflüsse von Seiten des Galuth (zu deutsch: di« Fremde! An,ii. der Schriftl.) zu übertöaen. . . . Jedoch bemüht sich die B.Z.V., dir Annäherung an dieses Ideal möglichst vollkommen zu erreichen, besonders durch Schaffung von hebräischen Kindergärten. . . Es ist manchmal rührend zu sehen, mit welcher Liebe! diese Kleinsten am 1 Hebräischen hängen, wiessie ihren Stolz dar) ein setzen, möglichst hebräisch zu sprechen, wie sie versuchen, ihr« älter «jn und jüngeren Geschwister, ja. ihr« Eltern j bewuht und unbewuht, hebräisch zu beeinfluss en." Vielleicht trägt dieser Bekenntnis! schöner Seelen ein. wenig dazu bei, deutschfühlend« Eltern doch Endlich einmal aus ihrer Vertrauensseligkeit aufzurütteln und ihnen! zu zeigen, von welchen Gefahren ihr Hausfrieden bedroht ist. Die hebräischen .Kulturträger", die aus die oben wiedergegebene Weife gezüchtet werden, beschränken sich natürlich nicht auf di« Beeinflussung ihrer eigenes Geschwister und Eltern, sondern sie infizieren .«wuht und und,wuht" auch ihr« Vettern und Basen, Freunde untz Freundinnen, die wiederum den Ansteckungsstoff ihrerseits weitejrtragen. isegen diese Seuchengefahr Hilst nur strlengste gkistig« Hygiene, wie si«nur von Eltfrn und "Lehrern ge«, boten werden kann, die selbst geistHge Klarheit und Energie genug haben, in ihtrn Häusern und Lehrstätlen ei.ne positiv -rutsche Atmosphäre zu schaffen. Ellern, in deren Häusern die Christen als .Gojim" bezeichnet werden, die für den Palästinaausbau spenden oder gar werben, denen der zionistisch« Jude innerlich näher steht, als der deustchsühlend« Mchtjude, werden diese Atmosphäre niemals schaffen können. Ihr« Kieler werden auch fernerhin Freiwild der zionistischen Seelen>äger jstin. M. N. Flaggeuroechsel? ' Der Lentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben» Hai die.Allgem. Zeitung des Judentums" erworben. Er kündigt an, dah an Stelle der bisherigen Vereinszeitschrist .Im deutschen Reich" die bezeichnet« Zeitung als Wochenschrift erscheinen wird und zwar unter dem Namen ,L. V. Zeitung, Blätter für Deutschtum und Judentum." Herr Du Holländer erklärt, dah der Lentralverein aus dies« Weis« .das deutsche Judenblatt" zu schaffen gedenke. Es ist fast bedauerlich, dah die bisherige L. V. Zeitschrift aus dies« Weise verschwindet. Ihr Name!.Im deutschen Reich" bracht« in sehr prägnanter Weise die Anschauung eines Teils der Bereinsmitglieder zum Ausdruck, di« ihre! Beziehungen zu Deutschland als rein räumliche auffassen. Wenn!di« Vereinsleitung unter der Flagge der neuen Wochenschrift wirklich, wie deren Unterlitel verspricht, nicht nur für Judentum", was ja bekanntlich ein dehnbarer Begriff ist, sondern auch für Deutschtum wirken will, wird sie wohl ihr« erste Ausgabe darin sehen müssen, sich derjenigen Mitglieder zu entledigen, deren Deutschtum sich bisher nur in der mehr oder weniger widerwillig«», Erfüllung formeller Staatsbürger- Pflichten ,nd in dem Schimpfen aus? den Antisemitismus betätigt hat. Zu den Mitgliedern, die auf diese Weise den Verein verlassen müssen, wird auch rin Teil der Vorstandsmitglieder zu gehören haben. Auf dies« Weise würde der Verein allerdings an Mitgliederzahl kleiner werdrn, an innerem Zusammenhang dafür aber gewinnen und sich allmählich diejenige Achtung bei vernünftig bewenden Nichtjuden wieder erringen, di« er im Anfang seiner Tätigkeit besessen und durch seine ewig schwankende, jedem herzhaften Zugreisen gegenüber jüdischen -Schädlingen ängstlich ausweichende Haltung in "den letzten Jahren völlig eingrbüht hat. Wenn aus dies« Weise der Flaggenwechsrl wirklich zum 'Sinnbild eines Sr» st« mwechs e l r werden sollt«, wird der Verband nationaldeutscher Juden mit dett, verjüngten und verdeutschten Lentralverein gern an den Ausgaben! des Deutschtums Zusammenarbeiten. M. N. Personalnackrichten. I. Verstorben find unser« Mitglieder Herr Fabrikant Eugen Freundzu Breslau und tzrr H a n delsaerichlsrat Emil Joseph zu Berlin. Beide. Herren haben unseren Bestrebungen von Anfang an lebhafte, Interesse «ntgegengebracht und unseren Werbeausruf vom Juni »921 mit unterzeichnet. Herrn Eugen Freunds der am 5. Februar d I. in unseren Hauptvorstand gewählt wurde, verdanken wir da» rasche Aufblühen unserer Brrslauer Grupp«, di« ohne sein mannhafte» und geschickte, Eintreten für unsere Sach« kaum «inen so raschen Aufschwung genommen hätte. In beiden Herren vrlieren wir! wertvoll« und h»«Hangesehen« Mitarbeiter. Ehreihrem Andenken! II. Der Ehrenbries desr Deutschen Turner, schast, di« höchst« Ausrechnung, di« dies« zu vergeben hat, wurde einem unserer Vertrauensmänner für Hannover, Herrn Kursmakler Julius Blanek. verliehen. E-