Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1922
- Issue
- 1 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5438908-5438616-5438738--064-4871061- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vermischtes. Eine deutsche Antwort. Die Zionisten sind eifrig an der Arhcit zur Schaffung einer „Hebräischen Universität' in Jerusalem, von der sich der Zio- , nistenführer Professor Weizmann die Wirkung „einer regend , rierenden Kraft für das jüdische Volkstum" verspricht. (Vgl Berliner Börsen-Eourier 2Z. 12. 21). Inländische Beauftragte der zionistischen Weltorganisation bemühen sich, deutsche. Gelehrte jüdischer Abstammung fjir dieses Ziel zu interessieren. Ein Herr Professor Lue me versendet ein vom „8.Kislev ."><^2" (!) datiertes Rundschreiben, .in dem er um Beitrage für eine chen gleichen Zwecken dienende Zeitschrift wirbt. Er will „der Welt zeigen, dass das jüdische Volk zu den Kulturnärionen gehört, die der Wissenschaft heute das Meiste bieten". Professor Ein stein bc^eiligdAch an der Werbearbeit. Wir haben Anhalipunkte dafür, dag tatsächlich deutsche. Juden von' Wissenschaft licher Bedeutung, d^c nichts weniger als Zionisten sind, in » aller Harmlosigkeit sich von den siidischnationalen Herren haben auf den Leim locken lassen..so dag jetzt mit ibren Namen weitergekrebst werden kann. Glücklicherweise sind nicht alle s< ahnungslos gewesen. Von einem Mitgliedc unseres Verbandes, einem bekannten Berliner Hochschullehrer, erhalten wir mit der Genehmigung zur Veröffentlichung nachstehende Abschrift eines Schreibens. das er all Professor Einstein gerichtet hat: „Lehr verehrter Herr Kollege! Nehmen Lie für Ihre freundliche Einladung zum Vortrag des Herrn Professor Weizmann - . verbindlichsten Dank. Ich bitte zu ent schuldigen, das; ich an dem Vortrage nicht tcilnehmcn werde. Lo sehr ich es bcgrütze, wenn ein Volk in der Well eine neue Ltättc gründet, an der Wissenschaft und Forschung ge pflegt werden sollen, so gleichwätzig berühren «nch doch solche Gründvngen i« Auslande, mögen sie in Palästina, in Aegpp-' te«. Indien, China, oder sonstwo errichtet werden. Ich Hab« als Deutscher meine jüdische Konfession ist meine Privat ' 'angelegenbeit zur Zeit ein ganz ansfchlirhliches Interesse am Ausbau meines niedergeworfeuen deutschen Vaterlandes, an dem ich mich unter Hergabe aller meiner schwachen Kräfte zu beteiligen suche, Für neue ausländische Unter: nehmuilgen - und dazu rechne ich zionistisch-palästinensische in ausgesprochenstem Matze habe ich weder Zeit noch Mittel. Ich wünsche als Nalionaldrutscher, dem über die » gewissenlose Verstümmelung seines Vaterlandes das Herz blutet, all denen, die sich zum jüdischnationalen Ltaotc bez kennen/ von ganzem Herzen Erfolg zur Aufrichtung ihrer lang ersehnten nationaljüdisäzen Heimstätte in Palästina! Möchten ne dabei keine Enttäuschung erleben! , Mit vorzüglicher Hochachtung sehr ergebenst i Abschrift dieses. Schreibens hat,unser Mitglied an Professor Löwe gesandt 'mit dem Hinweis, das; für ihn das Gleiche bezüglich der Zeitschrift gelte. „Ich habe zunächst meine «er- - pflichtunge» gegenüber der deutschen W ssenschast zu erfüllen; dann erst lommeu di« ausländischen Anregungen an die Reihe." Wir hoffen, dafz die Herren Einstein. Löwe usw mehr solche Aniworten erhalten haben und erhalten werden. Zwischcnschichts-, „TtaaLsbürtfer-" und sonstiger Humor.' Das nationaldeutsch« Ghetto. - Die Zeitung „Der Israelit", bringt im Anschlag an einen sachlichen Bericht über iinjere Hcrrenhausversammlung folgenden Satz; „Ist es unbedingt nötig, die nationaldeutsch gesinnten Juden im Ghetto eines eigenen Verbandes abzusondern?" Der säge Geschmack. Im „Berliner Tageblatt" (Fa-! »nl.ieii Nachrichten) bringt ein Ehepaar der Welt zur Kenntnis. , da>z „sein sützes Lhanuka-Mädel" da ist. Die Staatsbürger Zeitung, mit der wir uns schon in Nr. 2 des Mitteilungsblattes für 1921 unter „Echo der Presse" beschäftigt habe», findet unseren Jugendaufruf sehr bedenklich und meint; „Bevor nicht die Juden in ihre Religionsgemeinschaft auch Nichtjuden aufnehmen, bleiben sie ein Fremdvolk und haben keinen Anspruch darauf, sich als Volksgenossen der Deutschen äuszugebe». Sollte Herr Rudolf Lebius die Absicht haben, zum Judentum überzutreten? Das Jsrarlttisch« Familienblakt belobt zunächst den Eentraloerein und den Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Dann fährt es fort: „Leider wurde diese notwendige 'Abwehrarbeit gestört durch den neu gegründeten Naumann'sche» Verband deutschnationaler Juden, der durch eine Verdächtigung der deutschnationalen Gesinnung der grotze» Mehrheit' der deutschen Juden Wasser auf die Mühlen der Antisemiten lieferte". Dir Gerichtssprache. Szeize aus einem Mordprozrg: Eine Zeugin, ein junges Mädchen; erzähl«, das, der Angeklagte :ie und eine Freundin in einem Restaurant oerlassen und ihnen nicht genug Geld zur Bezahlung der Zeche zurückgelassen hatte. Sie und ihre Freundin hätten nur noch V Mk. bei sich gehabt, so Vast sie gerade hüttön die Zeche begleichen, aber rein Trinkgeld gebe» können. Wörtlicher Bericht aus der Vossischrn Zeitung: „Verteidiger T. (vor sich hin) Nebbich!". Der verständnisvolle Kritiker. In seiner Kritik der Rauinann'schen Schrift Z.Vom mosaischen und nichtmasa ischen Juden" sagt Herr Justiziar Sonnenfeld, Vorstandsmitglied des Centralvereins.; wörtlich: „Am schlimmsten ist die Wirkung im Judentum selbst, das in drei Schichten derartig gespalten werden soll, datz dem einzclnen die irese Willensbestimmung genommen wird; schlimmer nls das prcustisch« Dreiklass^: »Wahlrecht, aus dem es doch einen Aufstieg gab." Zum „Einstein-Rummel". > Das Israelitische Familien- ^blalt sagt den Inhalt des! Aussatzes „Einstein-Rummel" (Mitteilungsblatt Nr. l von I92l) verständnisinnig in folgenden Sag zusammen: „Der Herr Antisemit hat ja so Recht: Einstein ist nur Produkt zwischenschichtlicher Retlamekunst - predigt der Naumaii'niaiier und nennt sich ..nationaldeutscher Jude."" Zwischenschichtler des Auslandes. Die Zeitschrift „La Tribüne juivc" beschäftigt sich mit unseren Bestrebungen. Es ist unseres Wissens das erste Mal, das? eine ausländische Zeitung oder Zeitschrift von uns Vermerk nimmt, abgesehen von einem in jiddischer Sprache geschriebenen, für den unbefangenen Leser höchst erheiternden Artikel einer amerikanischen Ostjüden,zeitung; aus dem!der Lentralverein lange Auszüge verbreitet hat. Die Tribüne juive schreibt nach Erwähnung der Polemik Naumann-Goslar! folgendes: „Die Tatsache selbst, datz Naumann sich heftig gegen den. Zionismus wendet, zeigt klar, datz man di« Bedeutung der Solidarität nicht s überschätzen darf. Jedenfalls ist es keine sehr ehrenvolle Rolle, vor Antisemiten den Assimilierte» zu spielen «mb die „Ration" in Anfiihrungsstriche einzuschlieszcn, um die wütende Bestie, die ihr Lager gerade unter den deutschen Nationalisten aufgeschlagen hat, zu besänftigen. Auf unserem eigenen Boden und nicht auf dem seinigen mutz man gegen den/Antisemitismus kämpfen. Man kann wahrhaftig nicht, um km eküigen Deutschen dcn Antisemitismus zu besiegen, in allen putschen Juden den Juden besiegen. Die Antisemiten werden stm einiger „Gerechter" willen nicht aus den Ka^pf gegen das siidischc Volk (!) verzichjen. Obwohl wir nicht Zionisten sind (!), müssen wir Verwahrung einlegcn gegen eine Art der Polemik, wie folgende: ,..,Es ist kein Zufall, datz diese Schrift (Die Protokolle der Weisen von Zion) zeitlich und stofflich an den ersten zionistischen Wellkongretz anschlietzt."" Wenn man einmal diesen Weg beichrittcn hat. kann man sehr weit gehen So weit, dazz es selbst schwer wird, zu seinem Volke zurückzizfinden (!)." Es ist bezeichnend, datz diese Leute ausdrücklich erklären, nicht Zionisten zu sein. Echte iZionisten sind sie allerdings kaüm. Sie stehen offenbar auf dem gleichen Niveau, wie die unklaren Köpfe, die sich bei uns je nach Umstände» „Zionisten" oder „fest im Deutschtum wur.zeinde Staatsbürger" nennen und deren Gefühl ein Gemisch aus einer starken Dosis jüdischnationalen Empfindens und gewissen Kulturcinschüssen ihres westlichen Wohnlandcs ist. Es gibt nicht nur in Deutschland eine Zwischenschicht. Zum Reigen^prozes;. Der deutschnationale Reichstagsabgeotdnete und Minister a.D. Dr. Düringer schreibt in der Deutschen Pressetorrespondenz „Nachklänge zum Reigenprozetz", die viel Verwandtes mit dem in Nr. des Mitteilungsblattes für 1921 abgedruckten Aufsatz: » „Ein Nachwort zum Reigenprwzetz" enthalten. Düringer gehört zu der „intelligenten Minderheit" der Deutschnationalen. die, wie von Oppeln-Bromkowski in unserer Herrenhausversammlung Hervorhob. „den antisemitischen Rummel nicht mitmackzen". Gerade darum ist es sehr beachtenswert, wenn er schreibt:" „Das Urteil ist nicht nur vom kulturellen Standpunkt aus bedauerlich, sondern auch vom politischen aus. Es wird beilragen, die in unserem BpHksleben leider bestehenden grotzen Weltanschauungsaegensätze zu verschärfen. Ich bin kein Antisemit; gerade deshalb mutz ich die Besorgnis aussprechen, datz die einseitige Stellmmnahme der gesamten Linkspresse mit dem Rechts- und Sittlichkeits-Empfinden des ganz überwiegenden Teils de» deutschen Volkes hier in Widerspruch steht." Die Versicherung, kein Antisemit zu sein, wird Düringer natürlich nicht davor schützen, wegen dieser Stellungnahme als Judenfresser bezeichnekIzu werden; er kann noch froh sein, wenn man ihn nur einen „verkappten' Antisemiten" nennt. Wie konnte er cs aber auch wagen, anderer Meinung zu sein, als der Sachverständige Alfred Kri;r! M N