Haḳedem
- Journal
- Haḳedem
- Volume
- III (1909)
- Issue
- 3/4 (September-Dezember 1909)
- Date
- 1909-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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54 L Markon. sein Freund. Diesen Verlust haben Sie durch seltnes Schreiben, dass ich, so oft ich nun einmal dazu komme, Ihnen unwillkürlich den Brief .mit Freundschaftsversicherungen anfülle, so bedeutsam war für mich Ihre Erscheinung und der freundschaftliche Umgang mit Ihnen. — Jedoch ehe ich nun Ihre Frage beantworte, welche Antwort ohnedies noch nicht den Charakter der Bestimmtheit an sich tragen kann, erlauben Sie mir, Ihnen erst einen freundschaftliehen Bericht über mein Leben, das, wenn auch einförmig, doch dem Freunde mitgetheilt werden soll, abzustatten. — Sie wissen, Bester, wie ich in der letzten Zeit immer mehr einer streng philosophischen Auffassung der Dinge nachgestrebt, wie das früher noch eingehüllte und schlummernde Bewusstsein plötzlich zur Klarheit sich entfaltete, und können sich denken, wie ich nicht allein mich Alles aus einem andern Standpunkt anzusehn gewöhnte, sondern wie ich auch an Selbstvertrauen gewonnen und wie dies überhaupt einem kecken, jugendlich heitern Manne noch mehr Offenheit und Befangenheit gewährte. Vielleicht waren es derartige Aeusserungen in meinen Briefen an meine Familie, die sie neben der Wahrnehmung des grossen Kostenaufwandes, den meine Anwesenheit auf der Universität verursachte, bestimmte, mich aufs Bestimmteste von dort abzurufen und nach Frankfurt einzuladen. Ich musste naebgeben und verliess recht schwermüthig im November des vori gen Jahres Bonn, das mir in der letzten Zeit mehr durch geselligen als durch freundschaftlichen Umgang, welcher letztere fast bloss auf Frensdorf1) beschränkt war, recht theuer wurde. Angekommen in Fft., fühlte ich dort eine unausfüllbahre Leere, die mir durch den fast gänzliohen Mangel eines jeden streng wissenschaftlichen Umganges, wenn sich auch allgemeine Bildung recht häufig findet, entstand, so dass ich mir Ihre Lage jetzt sehr gut begreiflich machen kann, und in den Sinn Ihrer Klage wohl einzudringen verstehe, nur dass bei mir noch der Mangel an Wirksamkeit hinzukam, dessen Fühlbarkeit Sie für mich wohl einsehn. Nun kam noch das Fflisch jüdische Vorurtheil hinzu, das Ende des Studirens müsste mit dem Doktortitel gekrönt werden, was meine Familie wiederum antrieb, mir zum nochmaligen Besuoh der Universität zu rathen. Und dies geschah dann schon am 15. December v. J. zum Erstaunen aller meinen Bekannten, denen ich ganz unerwartet kam. ‘) Später Profeaaor und Seminardirektor in Hannorer.