Mannheim
Compact Memory

Die Bne Briss · 1937-01-01 · Nr. 1/2 - Januar/Februar · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Bne Briss
Volume
1937
Issue
Nr. 1/2 - Januar/Februar
Date
1937-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6727476-6029215-6074921--55-4869914
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

~ V ..W 1 k s t> n Bildung — heute Von Br. Expräs. H e ist Bildung, B i 1 d u n g ist Macht." In diesem geflügelten Wort aus dem Ausgang des vorigen] Jahrhunderts kommt eine Auffassang zum Ausdruck, die in ihren beiden Teilen proMemaisch geworden ist. Im zweiten Teil wohl erst in neuerer Zeit im Zusammenhang mit dem Um. schwang in deh äußeren Verhältnissen, im ersten jedoch s< hori viel früher infolge des Wandels der pädagogh dien jirundanschauungen. Nun hat gewiß auch kei ■ -"Pädagoge aus dem vorigen Jahrhundert jenen ersten Tifil der bestechenden Sentenz wörtlich gcnninimn: aber in der untcrrichtlichen Praxis, in der Schuler/iFhungi hat er unzweifelhaft eine verhängnisvolle Ile ischaft ausgeübt!. Die Mechanisierung des Unterrichts, die Ausweitung und Überschätzung .des Lernens, die Anbetung des .Stoffes" —^ all das entsprach doch weit mehr dem später so erbittert bekämpften ..didaktischen i Materialismus" als dem Bildungsideal der pädagogischen Klassiker Pestalozzi. Humboldt und Herbart. Im ersten Jahrzehnt unseres •lahrhün lerts kam das neue Bitdungsideal zum Düreh.- bruch: Bildung ist nicht das Wissen, das Ilaben der Bild mgsgiter, sondern die Formung'Gestaltung. Prägung der Persönlichkeit durch sie. Einen klassischea A isdruckfindet dieser Wandel des Bildungsliegriffs vinn stofflichen zum Schöpferischen z. B. bei Georg Simmcl: ..Kunst und Sitte. Wissenschaft und zweckgejformte Gegenstände. Religion' und Recht. Technik and gesellschaftliche Normen sind Stationen: das Subjekt gehen muß. um den besonderen r seine Kultur heißt, zu gewinnen." Der Begf" mm i ichl mehr in den Kultursondern in Oer Wirkung, die von ihnen Kulturgüter sind nur noch Mittel zum sie s^nd die Leitersprossen, auf denen die /ui' Hölie geistiger Entwicklung empor- Ihre ektreme Auswirkung hat diese Bildung in de - konseqnenien Arbeitsschule gefunden. \r!»eii( n alles, das Erarbeitete nichts bedeutet. t 0;enwart sind wir auch schon von d i e - üxtrenj wieder abgekommen. Auch in der Theorie : die Abspaltung t|es Kulturwertes von seinem Trager; dem Kulturgut, ikt nur eine Annahme. Das bedeute! praktisch: eine farmule Bildung — Schulung des Denkens,, ies religiösen, ästhetischen Empfindens ohne Bindung an die stofflichen Grundlagen, ohne das YV | s s e n um die Diijge. ist ein Luftgebilde, Und darum eine Gefahr: sie täuscht Bildung vor. wo keine ist. Im Schwatzer und Phantasten '~ und das sind noch die harmlosesten Typen — ist diese Scheinbildung realisiert.. Wir Juden, und ganz besonders heutiger Zeit, habert-alle Ursache, vor i n e m a n n S t e r n. über dit Eigenwerl, dt Bildung «wert gittern selbst, ausgehl Die Zweck IN Tsönljchke'n steigt' Ibeo'rie in <ler In Her Gt Freund und Feind so gehi" wirklieb etwas stärkere geistige Bew Schule offenbart. Sit herankommen, die ai Regel noch fern und den Bünden werden aufmerksame Lehrer vielberufenen ..jüdischen Intelli- Besonderes ist. dann ist es) die ■gliehkeit. die sich schon in der läJJt unsere Schüler an Probleme (Kren im gleichen Alter in der fremd bleiben. Insbesondere in die Jugendlichen [— wie jeder feststellen kann 4zu Diskussionen verführt, die mir auf Grund eines tiefen und umfassenden Wissens, das oft nicht einmal der, fruchtbar sein d ese Grundlage aber mir dem . der Einbildung iind ( lxerheb-J bereiten. Wir iiier bräucherj Jugendführer hat unp haben kann, können, die ohiu Schlagwort, der Phrasjt iichkeit den , Boden Menschen mit piner Bildung. heil und Zucht des gehenheiten. auch «I» scheinenden. und wort ungsbewu Iii sein aber sicherer und ziel Erteilen über die Di stehen, und je innig stärker fördern wir d haupt und mit ihr die lernt werde. Zu die von einer anderen E deren Wesenszüge Klar- DenkenS- Achtung vor den Gel i kleinen, oll so unwesentlich lamil intellektuelles Verantind. Der Gedankenfluß wird dann vielleicht nicht ifiehr so hoch und so weil, dafür Irebiger sein. So muß vor dem ge das Wissen um die Ding.' r wir so wieder die formal|e Bildung im gründlichen Wissen - verankern, uinsi intellektuelle Erziehung iibei moralische. Liier wird deu - lieb, wie einheitlich doch alle wahre, echte Bildung ist und wie wahre, ec ite Bildung nur a|us dein Bode|n der Bealität erwächst Wir wollen und Wertschätzung des W sollen darum zu einer neuen issens kommen. I)as bedeutet. daß in der Schule niclit nur gedacht, sondern auch g? ein Schluß kommen wir auch Verlegung her. Ajuf die würzt 1 wir Juden in der Erziehung. dieser Gefahr auf der Hut zu sein. Wenn an der von ihr deutlich zu machen, daß sie es der Gemeinschaft halte Verknüpfung von Bildung und Kultur ist schon hingewiesen worden: alle Bildungsgütor „sind Kulturgüter lohne daß daru n die Emkehrung.dieses Satzes Geltung hättei. Unsur'e Verantwortlichkeit der Kultur gegenübe-, sei' es der allgemeinen oder der jüdischen, verpflichtet uns auch zur Wahruig der Kullurgüttr. Soweit sie geistiger Natur sind, Lällt diese Aufgabe zu einem gfoßen Teil der Schule zu. die die ererbten Kulturgüter dem nachwachsenden Geschlecht zu treuen Händen zu übergeben hat. Es genügt darum nicht, qaß du? Jugeid ah den Kulturgütern sich heranbilde, jsondern es \aewächst der Jugend auch die Verpflichtung der Gemeinschaft gegenüber, die Güter und Werte, also das. Material der Bildung, lebendig zu erhalten, und das ist naturgemäß nur durch Aneignung möglich. Gla ubt die Jugend noch, nicht ihrer selbst willen lernen zu müssen, so ist es eine Hatfptaufgabe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.