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Die Bne Briss · 1936-07-01 · Nr. 7/8 - Juli/August · p. [Seite]

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Journal
Die Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 7/8 - Juli/August
Date
1936-07-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Briefe aus der Ferne Jüdische Wanderung von Deutschland nach Südafrika vor 75 Jahren In lin'iiivn früheren Bemerkungen an dieser Stelle habt ich versucht, eine' kurze Übersicht über den Stand der Finjordnung deutscher .luden In Südafrika zu geben <). 15. It. i(>:«> Nd. I 2. S. t.") . Südafrika ist jedoch nicht /uin er-ÜenAIal Ziel einer deutsch-jüdischen Einwanderung. In ih r Literatur, dir sich mit der erst fünfzigjährigen deschjehM des Iian (Goldgebiet) und Kimbcrlcvs (Diamantengehfet] beschäftigt, wird den aus Deutschland stammenden .luden (t'in wichtiger Platz eingeräumt. Ich will aber hier nicht von diesen ..ItandlorTs" sprechen, vom abenteuerlichen Aufstieg jener genialen Gründer, deren Namen heute <lie mächtigsten Finanzgruppen repräsentieren. Auch diese, wenngleich wohl die interessanteste und romantischeste, ist nicht die erste, Phase der Wanderungen von .luden aus Deutschland nach dem Süden Afrikas. In der ausgezeichneten ..(icM-hichtc der Juden in Südafrika" (History of the .Irws in South Afrieai des Kapstädter jüdischen Privatgelelirten I.ouis Herr mann ist ein Kapitel Eihwande- _rern gew idmet, die, von etwa 1N4.) bis. 1870 aus Deutschland in geordneter Weise. hierherkamen und nahezu clic Hälfte aller in diesem Zeitraum cingewan Icrtcn jüdischen Familien ausmachten. _ Diese frühen, zumeist aus Kassel und Umgebung stammenden Siedler, werden uns als bemittelte Leute von guter Herkunft, von hervorragenden kaufmännischen Fähigkeiten und überlegener Allgemeinbildung, beschrieben. Solche Eigenschaften, verbunden mit Unternehmungslust und konstruktivem Handelsgeist, machten diese Pioniere bald zu überragenden Geschäftsleuten in ihren Bezirken. Sie ließen sich in den kleinen Küstenplätzen nördlich vom Kap bis hinauf nach Fast London nieder. Sie erschlossen und bele\s*hten den Handel mit dem Oranjefreistaat. waren Aufkäufer von Rohstoffen des Landes und organisierten deren Export. Sie importierten'Fertigfabrikate von England und dem mitteleuropäischen Festland und sorgten für deren Verteilung im Lande. Sie waren vielfach,Arzte in kleinen Städten und Dörfern. Viele von ihnen wurden mit der Führung -öffentlicher Ämter betraut, saßen auf' (■rund ihrer Bildung. Erfahrung/ und sozialen Interessen im Magistrat der Städte, selbst im Parlament: sie waren Senatoren und Bürgermeister. Namen wie Mosenthal, Baumün, lloffa, Alsberg u. s. Wi sind heute noch von gutem Klang im ganzen Lande. Ihre Bedeutung aber lag auf kommerziellem Gebiet, in eben ihrer Eigenschaft als Aufkäufer und Exporteure. Sie verstanden es, von städtischen Zentren aus durch ein Netz von Agenten das Hinterland zu erfassen. Die Agenten im Falte Südafrikas, und zwar vornehmlich des östlichen und mittleren Teils, waren eben die Brüder, Vettern und sonstigen Verwandten dieser hessischen Pioniere nebst ihren Familien, die in mehr oder weniger enger Verbindung mit den Stammhäusern in den Küstenplätten ,,Sammler'"- und ..Transportcur""-dienste taten. Es handelte sich um Häute 70 und Wolle, sowie Mohair, und die große Bedeutung dieser Handelszweige im heutigen Wirtschaftsleben Südafrikas ist ohne die Aktivität jener hessischen zu denken. Fs ist schwer, dem Leser anwanderer nicht n Europa zu v anschauliche«, w as es hieß, das völlig i nzugängliche afri kanische Hinterland dem Verkehr zu erschließen. Zum In ispiel war vor jener Zeit eine Haut auf dem Lande nur wenige JPence wert, denn der Trimport war ui erschwinglich teuer und ein Versand zur Küste daher praktisch nicht möglich. Erst durch diese jüdische „Famjl enorganisation" wurde der" Transport ermöglicht und der Export so organisiert, daß auch der Produzent" neue Absatzmöglichkeiten und seinen Verdienst fand. neuer Prodüktlpnsner rachleutc am Ausgezeichnet ist diese Schaffung zweige auch durch das Faktum, daß Werk w aren. Diese Kolonialkajil'leule Italien ihren Hi Ute-, Fellode*r 'Wollhandel ..gelernt'" und konnten daher in Bezug auf Kreuzung und Veredelung der Tiere wertvolle Belehrung erteilen, wodurch das zu exportierende Boll Nicht zu vergessen sind i n z w i scher n i edergega produkt verbessert wurde, die:- Verdienste umdie Straußenfedernindustriei der sie in Europa Märkte m len und in der sie sowohl als Farmer wie auf de biete der Propaganda sieh hervortaten auch igene röff- Jn Ge- DIe Eröffnung des Mohair-Hand« 1s in Südafrika ist z. B. das alleinige Verdienst der Familie .Mosenthal. Südafrika ist heute Lieferant für den weitaus größten Teil des Weltliedarfs an MohaiT, das es früher nur in Kie nasien gab. Die immer wieder scheiternden Versuche, die Angoraziege von Kleinasien ■ nach Südafrika zu bringen, nehmen einen breiten Baum in der Darstellung dieser Epoche ein, und sie entbehren nicht einer romantischen, oft auch .amüsanten Note. Fs sei hier eine Episode berichtet, die /ei^'t. wie schwierig diese ..Verpflan/.u ig" war. Sch ul 1838 hatte man eine Herde herbringen vollen, von der nur 12 Böcke und eine Mutlerziege eintrafen. Es ste Ite sich heraus, daß die Farmer in der Tür fei, um ihr Mohairmonopol zu schützen, die Böcke sterilisiert hatten. Nur ein auf der Beise von der Mutterziege geborener Bock erwies sich als der einzige zur Aufzucht verwendbare. Dieser Versuch konnte also schiecht zur Angoraziegen;nicht in Südafrika führen. Die Mosenthals versuchten dann mehrere Jahrzehnte lang, durch Agenten in Konstanlinopcl, von Tibet durch Transport auf den Ganges, sowie von Persien auf dem Fuphrat, im Kampf mit Cholera deren Seuchen vergeblich, und schließlich via 'erfolgreich die Einfuhr der kostbaren Tiere zubringen. Nachdem das Experiment einmal gelungen war. setzten sie die Importierung dann solange fort, bis eine reine Angoraziegenzucht in Südafrika gesichert war. Es ist dieser konsequente „Ziegcnfelelzug" ein Betspiel von echter spekulativ-produktiver Initiative, denn der Ziegen- und an¬ England zuwege-

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