Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1936
- Issue
- Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 52 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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scliaft. des Judentums blieb ein Anliegen der Fachleute. das Interesse an ihr beschränkte sich auf einen eh^en Kreis, sie blieb isoliert, fand nicht die rechte Resonanz und Gefolgschaft. Zwar drangen ihre Ergebnisse auf dem " ege über Lehre. Predigt. Presse und Dicfdung in weite Kreise; man nahm sie gern hin und dachte nicht weiter darüber nach, dank welcher Mühen alle diese Belehrung entstanden war. Graptz' Geschichte der .luden hat viele dankbare Leser gefunden: wieviel hingebende Arbeit, wieviel entsagungs-, volle Forschung vorangehon mußte, um ein so monumentales Werk hervorzubringen. machten sich die wenigyfen klar. Einen Stab von Gelehrten planmäßig heranzubilden. der wissenschaftlichen-. Forschung eine kontinuierliche Pflege zu sichern, .das ließ sich niemand angelegen sein. Betrachten wir das Schicksal ihre; drei ersten Pioniere: Rappoport hat nach härtesten Kämpfen/als Oberrabbincr von Prag eine Lebeiisslolhuig erreicht, aber damit'der wissenschaftlichen Arbeit entsagen müssen. Zunz hat bis auf ein Jahrzehnt. wo er unter den übelsten Widerwärtigkeiten ■ Direktor'des jüdischen Lehrerseminars in Berlin war. niemals ein öffentliches Amt bekleidet- und nur ganz selten -Gelegenheit gehabt, wissenschaftliche Vorlesungen zu halten. Luzzatto hatte ein ihm angemessenes Lehramt, aber mit so dürftiger Besoldung, daß er. wie Graetz einmal bei einem Besuche feststellte. nicht so viele Stühle im Hause hatte wie Kinder. Die ..hochstehenden Lehranstalten", zu deren Begründung Zunz die emanzipierte Judenschaft aufrief. sind nicht entstanden. Ueberall in der Welt fanden sich Juden, welche wissenschaftliche Institute der verschiedensten Art errichteten oder reichlich ausslatfeten — der Wissenschaft des Judentums . war solches Mäzenatpntum nicht Geschieden. Sie hat sich unter kümmerlicher Sorge um Forsclnings- und Publikationsmögl-ichkeiten entwickelt? müssen. Aber es hat ihr dn selbstlosen, opferbereiten -Arbeitern nie gefehlt, sie hat ohne die Gunst der Reichen und den Schütz der jüdischen Institutionen ihre Arbeit geleistet. Die Wissenschaft des Judentums hat der Judenheit unendlich viel gegeben; die Judenheit ist ihr fast alles schuldig geblieben. Lehrstühle für die Erforschung des' Judentums an den Universitäten sind nirr in ganz geringer Zahl in England und in Amerika, letzthin in Estland, durch jüdische Stiftungen entstanden. Aber einzelne Regierungen forderten, (daß die Rabbiner akademische Bildung nachwiesen (die österreichische schon 1820), und damit ergab sich die Notwendigkeit, die Rabbinerbildung umzugestalten, ihr eine jüdisch-wissenschaitliche Grundlage zu geben.. So~entstanden Institute, Seminare^ oder wie sie sich sonst nannten, zur Ausbildung von Rabbinern, die gleichzeitig die Pflege der wissenschaftlichen Forschung übcjrnahmenj, in ihren Lehrern einen Stamm von Gelehrten liesaßcn imd aus ihren Jüngern einen solchen .hera iizuziehen versuchten. Namentlich seitdem Frankel bei der Begründung des Jüdisch-theologischen Semimrs in Breslau die Forderung durchgesetzt hatte, daß die Schüler des Seminars die'Reife für das Univi rsitätsstiidium und die Lehrer die Befähigung zum Universitätslehrer besitzen müßten, ist dieser Standard allgemein angenommen und darauf gehalten worden, daß j?de solche Anstalt bestrebt war. d;ys Niveau einer Hochschulfakultät zu behaupten, wenn auch lieber der Universität. so doch in Verbindung r.iit ihr zu arbeiten. Das Bedürfnis der verschiedenen tungen. die Rabbinerbildung den e|; anzupassen. führte zur Gründung Länder deren heute vierzehn vorhanden si ul; über allzu reichweiterer gen. sic 1 und Rich- Jencn Bedürfnissen Anstalten, iihren alle rden. Sie ihrer Bedie Judenschafjen Anstalten, wie die des Judentums'in liehe Ausstattung hat keine, zu kl:! pineri harten Daseinskampf. Aich Lehrerseminare mußten infolge der staatlichen Ar foialiHHingen an di Lehrer jüdischer Volksschulen erl ichtet we entstanden durch Stiftungen, die grtindung ungenügend waren, für die späteren Bedürfnisse vollends Picht ausreichten. Kaum für dieses unabweisbare Bedürfnis haben Verständnis aufgebracht: gingen Hochschule für die Wissenschaft Berlin und neuerdings die in Warschau,’ über dieses praktische Ziel hinaus, so 'mußten, sie die Erfahrung machen, sdaß für eine rein wissenschaftliche Ausbildung nur ein ganz geringes Bedürfnis be delit. und daß sie in der Hauptsache mit den Berufski eisen der künftigen Rabbiner und akademischen Religlonslehrer als Jüngern rechnen durften. f Es zeugt für die starke innere Kraft der Wissenschaft des Judentums, daß sie sich allen Schwierigkeiten zum Trotz erhalten und den Zusammenhang mit dem jüdischen Leben, von dom sie so lüufig verstoßen wurde, immer wieder an dreben konnte. Sie hat sich neue Arbeitsgebiete erobert, insbesondere seit der Entdeckung der jüdischen Massen um die Jahrhundertwende den jüdischen C egenwartspnoblemen ihre’Aufmerksamkeit zugewandt Arbeitsgebiete mit neuem Geist Durchdringung und hat ihre alten erfüllt, insbesondere des lentums ihr ari Nachwuchs, und zu spezialisiert. der systematischen sich hingegeben. Aber es fehlte die Wissenschaft wurde zu weit als daß die gelegentliche Beschäftigung mit ilir neben den immer umfangreicher werdenden Pflicl teil dys rabbinischcn Amts ausgereicht hatte. 1905 wurde das Dropsie College in Philadelphia Pa. eröffr et, das keinen anderen Zweck als den wissenschaftlicher ^.Belehrung verfolgt, 1919 wurde Franz Rosenzweig angeregte u Cohen begonnene „Akademie für die Wisse des Judentums“ begründet, die n Berlin die durch nd durch Hprmann nschaft artigen unk der einzi: 52