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Der Orden Bne Briss · 1936-01-01 · Nr. 1/2 - Januar/Februar (1.1936) · p. Seite 16

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 1/2 - Januar/Februar (1.1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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. Verwandten, dpr seit vielen Jahren — bis zu fünfzig -— im Lande ist ijnd Hilfe erwarten läßt. So dürftet» Kinwanderungs- und Arbeitsbcschränk im gen in Eurrnia und Palästina im Gegensatz zu relativ günstigen Einwhnderungsbe^ingungen in die Union für in Deutschland Geborene im wesentlichen als diejenigen Umstände anzuspr^chen s'ein, die uns 'hierherbrachten. Tch betrachte es nicht als meine Aufgabe, in diesem Rahmen. einen 1 Leitfaden für Kinwanderungslustige zu geben, da jeder- Fall individuelle Beratung. erfordert, und alle gegebenen i Gesichtspunkte jeweils erschöpfend beachtet werden rpüssen. Ich erwähne daher die EinwandcriMigsbestinimiliigcn wie auch späterhin die einzelnen Berufszweige nur summarisch. Aus dem Gr sagten ist bereits ersichtlich, daß die Bewegung in geord leten Bahnen verlief. Der Zuzug war zu keiner Zeit so g ’oß, daß eine merkliche Stauung im Ab- 'sorhierungsproze$ eintrat. Kluge Leitung und zentralisieHe Unferstützi|ng verhinderten, daß das Vorhandensein (iner arbeits- oder mittellosen Gruppe jemals störend in Erscheinung trat.|— und1 nur diesem geregelten'Verlauf ist die fast reihunjgslose wirtschaftliche Unordnung zu verdanken. | Soll dieses positive Frgcbnis ungefährdet bestehen, so darf zu keiner Zeit eine Aenderung in der Besonnenheit eintreten. mit dejr die Aufnahmefähigkeit beichtet und der Nachschub entsprechend reguliert zu werden hat. Fs Sieht fast so aus,' als ob zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Kapazität erschöpft ist und das Immigrationsvolumen künftighin konstant bleiben sollte. Der Raum für neue Arbeitskräfte und Unternehmer ist entsprechend der geringen Einwohnerzahl des‘Landes begrenzt; er dürfte jetzt erschöpft sein. Es kommt noch hinzu, daß die anfängliche charitative Woge ahgeflaut ist, wie el>en alle menschlichen Aktionen ihren Höhepunktfinden und dann allmählich verklingen. Wenn die Erschütterungen, die den Impuls für ein Hilfswerk geben, sich beruhigen und keine Wiederholung finden, sowird die Reaktion hierauf immer entsprechend verlaufen. Wenn die erste Abhilfe; geschaffen ist, so ist damit auch die größte offenbare [Not verringert. Damit erlahmt das anfängliche Interesse, und auch die Möglichkeiten. Not zu lindern, erschöpfe^» sich. Widerstände, die sich dem Elan entgegensetzen, wachsen und töten ihn langsam ab. Dieses ist eine gesetzmÄWgc Erscheinung. Es ist notwendig, sieb darüber klar zu werden. So wahr das Bild ist. das ich von dem erfolgreichen - Anfangsstadium der südafrikanischen Einwanderung gab, so richtig und nötig ist es. zu betonen, daß die Lage heute verändert ist. Es ist heute unendlich schwer geworden, auch nur einen einzigen Mann unterzubringen. Selbst der am meisten hilfsbereite Menschenfreund hat seine und seiner Freunde Möglichkeiten, Arbeitsplätze zu schaffen, erschöpft. Dieses gilt besonders für nicht mehr ganz junge Leute, die hiermit ernsthaft vor dem Experiment einer Auswanderung hierher gewarnt sein mögen! •Es gilt aber nicht für wirkliche qualifizierte Handwerker, die ja auf der ganzen Welt erwünscht sind! Südafrika: Wir sind in ein schönes-' Land gekommen. Die'Sonne, die Blumen und die Meere haben viele Lobpreisungen erlebt in den Briefen ..nach Hause“, besonders. wenn zu Beginn noch wenig Positives zu berichten war. Wir sind auch in ein reiches Land gekommen, dessen Schätze af» Gold, Diamanten und anderen kostbaren Ciaben des Bodens, zusammengenommen mit seiner blühenden Landwirt'sjhaft, dem europäischen Einwanderer c »je d jll sdit langem zu Wohlstand und Besitz verhelfen. Südafrika is: eines der ersten Länder, die sich voip der Weltwirtschaftskrise erholten. Bei der Beurteilung der wirtschaftlich ten macht der Ankömmling aus dichtbesieiudustriealisierten Ländern allerdings me nicht in Rechnung zu stellen, daß die U ginßen Ausdehnung (480 000 Quadrat-MUe^i?iße Bevölkerung von nur 1,8 Millionen etwa 3 bis 4 mal so große farbige Bev ökonomisch gesehen •— nur von nnlerge tung wegen der mit ihren inferioren Besli< hkeiten verbundenen niedrigen Kinkoinrji n- Möglichkeilten und höchst den Fehler, Oion trotz ihrer eine spärliche töpfen hat; die lilkenmg ist — < rdneler Bedeu- :häftigungsmögensziffern. Einen' weiteren Fehler in der Beurteilung des tatsächlichen Entwicklungsstandes' des Landes inan versucht durch das europäische Aussihen der Hafen Städte. (Kasimir Edschmidt sagt in seiner Reiseberichten über Afrika, daß der Südhafen des Kontinents, Capetown eilen typisch europäischen Anstrich habe im Gegensatz zn K liro im ‘Norden). Es ist schwer, sich olkenkratzern, Warenhäusern, eleganten nopalästen. elektrischen Vorortzügen achen, daß man sich in einem Koloniallai id befindet, das nt machen, ist angesichts von Hauptstraßen, usw. klar zu Jahren alle t wenn auch .Rohstoffe' exportiert und bis vor wenig- I-Vrtigfabrikate einführen mußte, und desse i schon blühende — Industrie doch noch sei r jung und auf einige wenige Zweige beschränkt ist. Der jetzige wirtschaftliche Aufschwung hat die Ent-, cklung besonders von Johannesburg, dei größten Stadt, orm gefördert. Seit dem Steigen des;Goldpreises hat dürt ein allgemeiner Boom eingesetzt, der vom Baumarkt bis zum Friseurgewerbe alle Handelszweigei erfaßt hat. Die Neubauten schießen aus der Erde, Wolkenkratzer mit hypermodernen Etagenwohnungen t (die Mieten sind schwindelerregend!), die für englische Länder, die nur das kleine Einfamilienhaus kennen, eine'Neue-ung darstellen. Es gibt IJaehgärlen, Dachrestaurants, Dachschwimmbi der, es gibt die herrlichsten Luxusautomqlnl? (meist nmeri viiniscber Importi, die elegantesten Kleidjr, und den kostbarsten Schmuck. Es ist ohne weiteres ersichtlich, d iß dieser Aufs< hwung für neue Arbeitskräfte Baum bot^ und dieser Umstand machte unsere Fünwanderung ' erfolgreich. Hand »lt es sich doch im wesentlichen bei den .Neuankömmlingen um Angestellte; sie sind infolge Margels an eigenen Geldmitteln und durch ihre deutsche Sei ulung b/slimmt u ad geeignet, in bestellenden Unternehmt» gen iihre Fähigkeiten und Kenntnisse nutzbringend zu vtrwert|en. Es ist uns oft von „alten Afrikanern", von den russischen Einwanderern der Vorkriegszeit, < er Vorwurf gemacht worden,* daß es uns an Initiative n angele; sie verkennen aber, daß sich der Entwicklungss and des Landes s.‘it ihrer Ankuhft gewandelt hat-. Damals lohnte es steh, eine Partie zweitklassiger Waren an einer Ecke auf-- zukaufen und an der nächsten mit Gewinn wieder abzust-tzen. Doch unsere Zeit ist dieser Art primitiven Unterrehmertums nicht mehr günstig. Die dai cerer waren Pioniere; das Afrika vor schon qualifizierte Handelsgehilfen für naligen Einwanheute braucht »eine internatior ajen Geschäftsbetriebe. Die Möglichkeiten sind zwar r ielit mehr märchenhaft, wie zur Zeit der Entdeckung von (jiold und Diamantenfeldern, .aber sie sinil heute — wenn uch in bescheidenen Grenzen — niannig 'ach. , I Immerhin ist die berufliche Einordnung dep aus die 1 )eutschland kommenden jüdischen FZin1 vanderer in < üdafrikanische Wirtschaft nicht erschöj fend charukteri 16

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