Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1936
- Issue
- Nr. 1/2 - Januar/Februar (1.1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Im j ü diso h e n ■ .ö f f e n t I i c Ii c n L e l> e n h:it 1 ord Ucading. tlor bei jeder Gelegen1 leit seine Zugehörigkeit zum Judentum, u. 4: auch anläßl ch seiner Ernenmu g /um Vizekönig von Indien, mit Stolz hcnorlioh, ebenfalls eine bedeutende Holle gespielt. Bis |il2I war er Yizeprä-idenl der Aiiglo Jewish Association. [Als 1927 die Balfour- Deklaration erlassen wurde. begriillte er diese Erklärung als ein ..grobes Licht in Israel '. 192f> wurde er Vorsitze l- Mendele Mocher der des Direktoriums der Palestine Electric Corporation. Die Jewish Agency hat er bei der [englischen Regierung in ihren politischen Bemühungen zur Förderung de$ Jüdischen Nat^onalheims wiederholt tatkräftig unterstützt un.I ebenso beteiligte er sich an den Aktionen zur Sicherung und Wahrung der Rechtslage der Jjiden'in verschiedenen I ändern. Zimt 10t). Geburtstag Von Erna des Dichters am 20. Dezember, inuel bin Gor-iou. im :id l . ler s e- S’farim (1835-191^) " Der Name Mendele. die volkstümliche Kosefo der rmgangsspracliTzi^ dem biblischen Menacbem. u die dazu gesetzte BerufHbezeichnung Wucher S f a r i iji der Ruchbändler. der \^’anderbüchhälidlcr. beides ist ' selhstgewühlte Schriftstcfllername eines Volksdiehlersr wird als Ahn und Meister der modernen jiddischen I.i ratur verehrt, zugleich "aber gehört ey zu den We lern des neubebräischeni Schrifttums, jnnerhalh dessen ifer Anfang und das l.nde seiner Wirksamkeit gelegen habin. Sein bürgerlicher Name war Schalom .takob Abramowits« h. und mit diesem sind auf’h seine ersten Veröffentlichungen gezeichnet, darunter eiife Art ..Tierlehen"', die hebräisejie Bearbeitung der deutschen Naturgeschichte eines Vor, gers von Breh'm. Seine! Heimat war Weißrußland. dieses und die angrenzende l'kräine das I.;|md seines Wirke die - Judensehaft beider Provinzen dej" Gegenstand seiier Schilderungen. Vor allem ist er als“ Erzähler berühmt gewordene. . dessen vielbändiges GesamIWerk jene nunnuhr endgültig entzauberte Welt des geschlossenen jüdischen Volkslebens auf der, unübersehbar ausgedehnten Fläche eines zweiten Mutterlandes' darstellt: das jüdische Städtchen auf russischer Erde. Kümmernisse und Frenden des einfachen Mannes, die Tretmühle und das Einerlei des Tages, auch Vorzug und Lächerlichkeit dessen, der den Rahmen sprengen will. .Alles ist mit tiefem Ernst gesch ult und mit Humor beschrielien. ans einer natürlichen, um erblendeten Liebe zu der Nation heraus, der man angel ört nnd deren unverschuldetes Schicksal man weniger bedauert. als einen das selbstverschuldete schmerzt: I im Grund ohne Anklage nach außen oder innen, aber mit [der festen Absicht, zu bessern. Mendele ist daneben -Vers epiker. der den populären Knittelvers anwendet, und :lramatischer Autor, wie’ denn Einzel- und Wechselgespriiche Kernstücke auch seiner Prosa sind, in der er vielfach den Ichton gebraucht. In reifen Jahren Bat er die wesentlichsten seiner jiddischen. Erzählungen ins Hebräische übertragen, genauer: originale hebräische Fassungen d eser ursprünglich iro Volksidiom niedergelegten Dichtu igen ausgearbeitet. Sein berühmtestes Buch i^t ..Die Klatsche". I Dieser Volksausdruck bezeichnet einen ausgedienten Klepper, eine Schindmähre.. Es ist ein kleiner Roman, in <leni realistische. satirische und mystische Elemente in einander gewoben sind:’ Israel, ein Jüngling aus dem Ghetto, der höher hinauswill und ans Studieren denkt, luegegnet zweim: l, an entscheidenden Tagen seines Lebens, einem abgezehrten., mißhandelten Pferdchen, und in seinen wachen Träumen wird ihm die getretene Kreatur zu Bild und Inkarnation seines Volkes, des zur Strafe für seine Sünden in einen Tierleib gebannten und überall heruitigestoßenen Plinzen Judas. Komplizierter ist die Fähe] des ..Bettlerbiiehes“. Dieses erzählt von einer Rande fahrender jüdischer Zigeuner und von dem in ihre Schar Verschlagenen Krüppel. Fischke. der lahm ist und stottert, init einj'r flatterhaften und eigensüchtigen Blinden verheiratet wurde und ein verwaistes. sanftmütiges buckliges Mädchen liebt:.. Ein drittes Hauptwerk trägt den Titel: ..Die 'Wanderungen Benjamins d e s Dritten", denn der Held ist ein später Nachfahre des mittelalterlichen F-oiLschungsreiscnden Benjamin aus Tudela und sozusagen ein unmittelbarer Nachfolger des zweiten Benjamin. Israel heil Josef, der um l.SöO von Palästina nach Indien zog. Hier schildert Mendele. die Abenteuer eines modermjn Don Quichote und seines Snueho Pausa, die ausziehen. die verlorenen zehn Stämme Israels zu suchen, aber nnir von' der Kleinstadt in die Mittelstadt kommen und dasldbst zum Militärdienst geprebt werden, bis man sie, ihrer Fntauglichkeit wegen, wieder nach Hause schickt. Alte, von'Indien kommende u«d in'der. Agada, Kabbala und dem volkstümlichen Aberglauben nachklingende Märchenweisheit ist Bestandteil der Dichtung Mendeles geworden: die Wanderungen der Seele durch die Ketteder Leiber von Mensch und Tier, oder etwa der Vorwurf der Krüppel-Ehe, ein Sfoff der. Volksliteratiir aller Zonen. Daneben tritt die klassische europäische Konzeption jener unsterblichen Figur, die zu viele Märchen gelesen hat und die Welt als Scheinwelt sieht. Wiederum .erscheint .hier der aus manchem volkstümlichem Schrifttum bekannte Typus der Torenstadt wie Schilda oder Abdera; bei Mendele heißt sie jiddisch Glupsk. etwa Duinmenstndt. und hebräisch Kisslon. Narrenha'usen. Mendele ist zuglefch Realist, der erste große Realist in den beiden jüdischen Literaturen, ein von der Landschaft und Natur seines Mutterbodens erfüllter und zeugender Mensch, und danei in der zweiten Landschaft des jüdischen Jahres und seiner Feste, des strengen jüdischen Lebens und seiner Xaltir gewordenen Bräuche und Gebote, wurzelnd xui\d von ihnen Zeugnis gebend. Das scheinbar Heterogene des Stoffs u ld der Molive, der Handlung und des Hintergrundes gleicht sich bei ihm ans.dasselbe gilt von der dichterischen Absicht, l*ei der getreue. Beschreibung, lehrhafte. Tendenz und ironische Haltung einander ablöse.n. und ebenso von Stil, in wjelehem Scherz und Ernst. Allegorisches lind' ur deutbar eihfach zu Fassendes neben- und durcheinanc er gehen, ln Mendeles Werk ist alles dieses so innig vt rbunden und so sehr höhere Einheit geworden wie ii} den Sprachejn, die er meistert. deren verschiedene BestanBeile: slawisches, germanisches, semitisches Element im talmudische, allhebräische, arami Ausdrucksvyeise im literarischen JiddischenJ biblische und Visierende lind rabbinische Hebräisch.* Ihm, der um jede Nuance der Volkswie der heiligen Sprache wußte, standen sie beide gleicherweise zu Gebote: die Rede des Werkin allem ihrem Reichtum und die des Sabbattags. 10