Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1936
- Issue
- Nr. 1/2 - Januar/Februar (1.1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Hauptsorge ist die Aufrechterhaltiing. der Mifna imefähigkeit Palästinas fiir die jüdische Einwanderung. Alle 'Arbeiten des Kongresses, alle vorgelegten und v< n ihm durchheratenen Projekte, sei es auf dem Gebiete der Hnanzen oder auf dem der Ktilonisalion oder Verwaltm g uswr. dienen im Grunde nur diesem einen Zweck. Von größtem Interesse war der dein Kongreß vorg legte Bericht über die Ansiedlung von .luden aus Deutschland in der abgelaufenen Kongreß-Periode: der IS. Kongreß hatte bei der Exekutive in Jerusalem eine sogenannle ..Deutsche Abteilung"' eingerichtet, für die Dr. Weizinarii als .Spezialkommissar verantwortlich war: die Leitung d< Abteilung hatte Dr. Arthur Ituppin. dessen Stellvertrete war Dr. Werner Senator, die Geschäftsführung lag iu «I« Hängen von I)r. Georg Landauer: - angegliedert ist noc eine besondere Abteilung, für .liigend-Alijah id. h. Lebetfiihrung von Jugendlichen unter 10 Jahren aus Deutsch - land nach Palästina! unter der Leitung von Miss llenrietl.i Szold. Aus dem Bericht ergibt sich nun. daß von Janua ■ 19.'!.'$ bis April 19.'!3 19122 Juden legal aus Deutschland nach Palästina eingewandrrt sind. (Inzwischen bat sich di Ziffer um 0000 .bis «000 erhöht!. - Von der genannteii Ziffer waren' 0843 Angehörige der Kapitalistcn-Kutcgnri« tmit 1000 pal. Pfund oil. mehri und 8304 Arbeiter fZerti I ikats-Kmpfängeri. Die Abteilung hatte nicht nur für «lei Lmpfang und die erste Lnterbringung der Einwanderer zi sorgen, sondern bei vielen auch'für» die Berufsausbildung Hs wird hervorgehoben, daß ein relativ hoher Prozenlsat? von jüdischen Einwanderern aus Deutschland aufs L a n d gegangen ist. .und zwar bis August 1935 etwa 7000. davon 4300 in landwirtschaftliche Berufe: eiirzclne Familien ha ben sich in bestehenden Kolonien angesiedelt, es sind aber auch ji e u e Dörfer entstanden. Auf Grund der Berichte hat der Kongreß sich damit einverstanden erklärt, daß die ..Deutsche Abteilung" auch nach dem Kongreß weiter er halten .bleiben soll. Dies ist eines der in der Oeffentlich keil weniger beachteten, praktisch aber wichtigsten Ergebnisse des Kotigresses. Naturgemäß ist die Einwanderung aus Deutschland nur bei gleichzeitiger Leberführung des Vermögens oder eines Teils des Vermögens der Auswanderer möglich, die unter den gegebenen Lmständen nur in der Form des Warentranslcrs durchführbar ist. Gegen diesen hat sich in Palästina' selbst wie auch in’anderen Ländern ein lief tiger Widerstand geltend'gemacht, und es war zu erwar len. daß dieser Punkt eine der rauhesten Klippen des Kon gresses bilden würde. Es ist gelungen, diese- Frage zu einer in jjeder Beziehung befriedigenden Lösung zu bringen. I)$e mit dem Transfer betraute Organisation ..Iluavarah"„wurde der Aufsicht der Jewish Agency unterstellt. die damit die Verantwortung für den Transfer über- -ui.mmeH hat. Wer dje Stimmung in der jüdischen Wett' des Auslandes keujit. muß., anerkennen, daß. dies ein mutiger Schritt ist. Es zeigt sich darin die einzigartige Position der Zionistischen Organisation, dif nicht wie» andere jüdische "Strümjiiiigeii sich nur von Stinimungsmomenten leiten hissen kani^. sondern den harten Gegebenheiten der Realpolitik ins iAuge seilen muß. I)ii‘ "lleilnahine einer zionistischen Delegation aus Drutsohlanjl hat viel zur Klärung dieser Frage beigetragen. und inan kjann'wohl sagen, daß die Zionisten aus Deutschland dainil in hollem Maße die Interessen aller Juden in Deutschland gewahrt haben. Die Anwesenheit der Delegierten aus Deutschland wirkte all« h auf die Art und Weise der Behandlung der deutschen Mudenfrage durch den Kongreß. Der Zionismus pudenfrage durch den Kongreß. geht jn seiner Grundkonzeption voll dei" Lage des jüdischen Volkes aus. und von Mal zu “Jlai hat der Zionistenkongreß, bevor er zu seinen eigentlichen, dem Palästinawerk dienenden Arbeiten überging, einen Blick auf diese Lage werfen müssen. Die historisch-|snziologisehe Betrachtungsweise, die er dabei anwendet, gibt die Möglichkeit, diesen Gegenstand, der in anderer! larslellimg häufig zu Klagen lind Anklagen Anlaß gi{>t, leidenschaftslos zu prüfen. Der Zionisteiikongreß hat sich jüdischen Volksehre gefühlt, und schon mit Rücksicht die Stimmung der Juden in andere nicht an der deutschen Judcnfragc stets als Wahrer der auf bei all .fei daß er ni< p Ländern konnte er vorübergehen. Aber neu Erklärungen war der vongreß sich bewußt, eilt vergessen darf, «laß ihm Juden aller Länder i und verschiedener Staatsangehörigk« il angeboren; denn sich .der Zionismus kann und will Kämpfe mit einzelnen Staaten Zionisimis»ist ausschließlich die Ni ' “ ei ins in Palästina, wodurch nicht in politische einli ssen. Das Ziel «des Errichtung .des Jüdischen ein großer Teil der moralischen und materiellen Judciilnut gemildert wird. Diesem Zud müssen alle anderen Zwecke untergeordnet werden, Das hat «ler Kongreß^ auch diesmal begriffen. Die Zionistihi aus Deutschland haben dies noch stärker unterstrichen. indem sie gegen die von der| Kongreßmehrheit in dieser Sache beschlossene Resolution, stimmteir. Auch auf einem anderen Gebiet |ist ein Ergebnis zu verzeichnen, das sich in Zukunft vielleicht im allgemeinlüdischen Sinne günstig auswirken kiüin. Nach schwierigen Vcirhandlungen. die teilweise bis zu einer Abstinenz der religiösen Gruppe Misrachi, führten, wurde Friede in Bezug auf die Beobachtung der religiösen Vorschriften in den Arbeitersiedlungen geschlossen. Die Arbeiterschaft hat ihre Zustimmung zu einer durchgreifenden Regelung der Sabbathrulie gegeben. Wenn hian bedeckt, aus welcher geistigen Herkunft ein großer Teil der früheren Einwanderer — nach der russischen Revolution von 1903 —• stammt, wie damals aus einem bestimmten -Zeitgeist heraus das Freidenkerlum zu einem Idol gemacht 'wurde, so kann man ermessen, welcher gewaltige Schrift hier gemacht worden ist. Es lag wohl nicht nur «ler VjVunscIi der Arbeiterpartei vor. einen Konfliktsstoff des Kongresses zu beseitigen, sondern die Gründe liegen tiefer: Nach .'!() Jahren .yiieiter-Kolonisation. nachdem eine junge Generation Meranwächst, erkennt man immer deutlicher, daß das religiöse Moment? in der Erziehung, ln «ler I^ebensgestaltung und im Kulturbewußtsein nicht entbehrt j werden kann. Alles bis jetzt war ja nur Vorbereitungsarbeit, die eigentliche geistige Entwicklung in Palästina steht erst bevor, und wir wissen nicht, wohin sie uns (führen wird. Abeil alles kostbare Erbgut treulich zu bewahren, ist eine wesentliche Aufgabe dieser Generation!, '«lie ihre Kraft zur Erneuerung des jüdischen \Jolki-s einselzt. Palästina hat eine Zeit schnellen wirtschaftlichen Fortschritts hinter sich. Die letzten Jahre brachten 130 009 ' Juden ins Land, und die Aufgabe, die««; Manschen in den | Wirlschaftsprozeß einzugliedern, sie lieren, eip Chaos zu verhindern, is: solchem Ausmaß, wie qs die Judcnhcit noch niemals zu '‘bewältigen hatte. Die Last der .Verantwortung hierfür liegt auf dem Zionismus. j Nach dem 19. Kongreß hat eine schwere Periode «ler zionistischen Arbeit begonnen, und d e Pbrole der Konzentration aller "Kräfte, die auf dem Kongreß neben Dr. Woizmann besonders von «lern Arbeiterführer Ben Gurion. «ier stärksten Persönlichkeit der neuen Exekutive, ausgegeben worden ist, wirtl notwendiger sein als jemals. . geisitig zu assinni ■«•ii( Problem von 6 1587