Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1935
- Issue
- Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1935)
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Erziehen und Helfen Von Br. Grißpräsident Leo Baeck. Die, Aufgabe, zu erziehen und zu helfen, stellt seit einem halben Jahrhundert als die unsere vor uns. In ihr haben wir unser Daseinsrecltt und unsere Daseinspflicht. Manch andere war im Gang^ der Jahrzehnte zu urs hingetreten; wir hatten ihr dgn W eg gebahnt und haben dann die Fortführung anderen überlassen. Diese eine upd große ist unsere eigenste geblieben, und sie verlangt uns beute mehr denn je.! Wir erwarten und beanspruchen es von jedem, der unserem Kreise zugehören will, daß er in seinem Handeln wie in seiner Haltung die Würde der Persönlichkeit bewähre, daß er an 6ich selbst ein Werk der Erziehung leiste, über uns Juden ist! zumal in Deutschland seit Generationen Wandel um Wandel gekommen, und jeder Wechsel der Verhältnisse bedroht die innere Sicherheit unseres Wesens, beeinträchtigt die Gestaltung des Daseins und bringt nur zu Ieichlt zu Übertreibungen des Denkens oder des Gehabens hin. In ruhigen ZeitenL in der Stetigkeit der Umstände und der Umgebung formt sich das Leben fast von selbst; in schwankenden und zerrenden Tagen wird hier allgs zur Aufgabe. Sie in der gegenseitigen Erziehung zu lösen zu suchen, wird hpute mehr denn je zu bestimmtest Gebote. Wir in unserem Kreise sollen es immer deutbph vor uns sehen. W er sich uns an ehlicß«-n will. im Helfen mehr als darin zu sich sprec andere zh lebten, die ganze Pfllicht >en zu lasser. W i/r haben Zeiten geworden, dort, wo keil. In dem, was il.i seelisch nicht -viel. Heute können wir i das Ganze der Hilfe wir in unserm Kreis« äußeren Gedeihens tcliaht, und in ihnen war es leicht [•s not tat, eineii Beistand zu sciienn leicht fällt, empfängt der Mensch- Erst-wenn von inm das Schwere gefortlert urtd erfüllt ist, wird er iinnrrlich bereichert. in «liest's. gan heute «Iräng: «lie heran und heanspru ’lit das Opfer. W den Sinn und den Segen des W'ol Itüne erleben, vornan im Gewähren w können wir es erfahren! Vieles, w as so v in uns geford ert wird, scheint uns bisweilen über unser! Kraft liinaui.zu gehen. Aber ans unserem Judentum hervor, mit dei Krjift unseres Judentum* können' w ir an dt «las verw irklichen, was über «lie ‘Kraft zu sein «liinkt füllt, werden wir «1« ln unserem nt W erke de Hilfe zu dienen vermögen, und «las ist es, um dessentwillen wir weiter arfc eiten wollen. Der Wandel dps Humanitätsgedankens in den Von| Br. Vizegroßpräsident Albert Lewkowitz (Breslau) Sind 50 Jaltre ein genügend langer Zeitraum, um von einer Wandlung des Ilumjanitätsgedankens in dieser Zeitspanne sprechen zu dürfen? Wir bejahen diese Frage in dem Bewußtsein der tiefgreifenden Veränderungen, die das europäische! Kulturbewußtsein seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erfahren hat. Denn nicht erst in unseren Tagen, sondern bereits mit dem Zusammenbruch der Geisteswpljt des deutschen Idealismus, der Klassik und .Romantik, gjing die große Epoche europäischen Geisteslebens zu Ei^de, die in der Rinaissance . ihren Anfang genommen hai, die Epoche dei europäischen religiösen Universalispius. So verschieden Renaissance, Aufklärung, Klassik und Romantik Gott, \S eit und Mensch auf einander bezjogen, bildeten sie doch eine Einheit in dem religiösen Enthusiasmus, in dem sie Welt und Menschheit im Lichte dejr Gottesidee erblickten und der Menschheit einen einheitlichen, universalen hohen Sinn gaben.! Gegenüber dieser großetn metaphysischer. Einheit der religiösen und wissenschaftlichen Weltar schaüung «as bedeutet der P o s i t 19. Jahrhunderts Menschheit ahlöst, Überwelten und Hintj? scliaft, Technik und Religion, Kunst Mensch hört auf, si< auch kein rationales und Ziel seines Lebe ökonomischen Beherjs. des Menschen, soll liehen Gesellschaft Technik, Handel neuen Einheit der Vö ihrer Wohlfahrt und Wie nach der An: Mechanismus naturge panische aus dem An< auch aus dem Spiel hänge und der alle$: di; un 1 ch di 2 he un 1 muß bereit sein, aurli ze- Geben wissen. um . Not an «lie Tore ir können heute ^inpfän^ Glauben, der uns er- r-Erziehung und der letzten .50 Jahren 1 V X s III u s, .W in der Mitte des metaphysische Zeitalter «1er Loflösunji des Menschen von allen rw eiten des Daseins. Naturwiss«*!!- soziologie tri'teil an die Stelle von MetaphysikJ Der europäische als Gesell« pl Gottes zu fühlen; besetz der Vernunft weist ihm'Sinn Sondern/ aus der technfschichung der '/atur soll das Glück soziale OrgE nisätion der menschrvorgehen, i n der Industrie und _ Verkelir i ie ' Grundlagen einer ker, iln'er Fisiheit, ihres. Friedens, ihres Glüpke» bilden, i ichauung des Darwinismus der t »etzlichcF Zu ammenhänge das Ofic rganischeM hnvorgehen ließ, so sei i iechanh*ch-gij$etzlicher Zusammeninigen seelifglien Triebkraft des 39 . i T