Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1934
- Issue
- Nr. 6/7 - Oktober/November
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 98 (sequence 30)
- Language
- German
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etwa» wik (Jen Konflikten, ilie um die Jahrhundertwende Hcv ermanns in seinen Dramen „Ghetto” und „Kcttcnglü-der”. -Nathanscn in ..Hinter Mauern'’ und Alax \ord.iu in-..Doktor Kolm” gestalteten. Die meisten die.-er Werke' sind zeitbedingt und lediglich liistoriseh interessant. I nvergänglich leuchtet jeiloeli die ganz einzigartig-geheimnisvolle. in eine höhere. leiderfiillte Sphäre gehobene Poesie, die in| jüdischen Hause Waltete, um die Mitte ds 1(>. Jahrhundert' in einem Juwel der deutsehen, l.iterujUir auf. in der leider Fragment gehliehenen! Nov i-llj- Mm Heinrieh Heine ..Der Kabln von Bacliaraeh”. Alit welch liebevoller \ er-enhung und :111s Hcrzo.grcifcudcii Innigkeit hat hier der Dichter den /anher de- _"ederuhends gc-childcrt. während als stet» deutlich vernehmbarer l’nti rton in dieser Erzählung die Klage um das den .luden angetane furchtbare l nrerht mil-ehu inet. Alan vergleiche einmal thematisch die Darstellung des’.[Joeli-ch-W-ii christlichen Familienfestes in der -chonen W eilmacht-noveile von Theodor Storni ..( nter dem Tannenbaum”. Auch hier wehmütige Klage. daB ein „Fc-t de- Herzens und Gemüts” unter traurigcTi äußeren I m-täudeü gefeiert werden muß.'aber alle Melancholie lö-t 'ich hier doch' schließlich in sanfte fdvllik und Zufriedenheit auf. vvährend hei Heimfortwährend ein heimliches, bedrückendes Schluchzen auftönt iyid den harmonischen lii'klang hemmt. ln den Jahr/ehnten.' die uni die letzte Jahrhundertwende liefen, brach dann in tun! am Judentum mehr zu-ainnieu alwähren/l der vorhergehenden anderthalb 1 ahrtair-ende. Alit den auch innerlich mähli«di fallenden (dielloni.iueriu. juit der emporkonmnunlen Industrialisierung lind Koinmerzialisienuig. die das ganze Leben in ihren Bann -< hinten, trat, hei ileij Juden eine äußerliche Angl-übung an die Umwelt ein: der Zug der Zeit. kr.i--er Mfitertnli-mu- und dürrer Rationalismus, breiteten ~ii h - wie überall auch im Judentum annid zer-tiirteii viel seeli-rhe Solist.uiz. Immer mehr vergrößerten -ich die Kreise, denen die Cesetzesfradition t reiml 'w ard. zu denen'«lie unendliche I’oc-ic der alten Fi—1<* und IGebräuche iiielrf mehr s|iraeli. Die An-' ziehung-kraft de» jüdischen Hauses, die vielen Generationen bisher' Folie. Inhalt lind Schutz ihres Dasein» w.iibegann n.tehzul:i-»eii. Nun darf freilieh die Feststellung nicht unterbleihi-n. daß in der Aloderne. in die-er Epoche des l mhruelis und nj^ninigfarheri Niedergangs. alle Kulturvölker große. I iir i}ir ge-amles Schrifttum repräsentative üomaue liervprgebraeht haben, wi-lche die soziale F.ntwiir/ehvflg. den /.u-.inimenbruch dis ..llail.-es” und die Auflösung des Familienlebens schildern- und beklagen. » v Die ..Buddenbrook»” in Deutschland, die, ..Thihaults” in I rankreich.'-die „For»v te-” in Fngland. <lie „Hemp- -hire.” in Atm rika (i-w.! Ja iogar in Japan wurde lOO.A mit -I nter-tützung der Regierung eine Zeitschrift gegriindet. die für die Erhaltung de» „japanischen Hauses und seiner Faniilientraditionen" wirbt.) Für die Aon Vorurteilen und Antipathien aller Art bedrohten iplülen ist ■jedoch Entwurzelung und damit Verlust j^ei-lischcn Haltes überall viel verhängnisvoller und tragischer als für die übrigen Mcnschhcitsgruppen! Nur die älteren unter uns. die das in festig Bahnen geregelte Lehen orthodox-frommer Großeltern noch kennen lernten mul damit modernes jüdisches'Familienleben vergleichen, küiiiirn den ganzen Unterschied zwischen dem F.inst und Jetzt ermesseo* „A\ «'iiii ieli an mein Elteriihau^ziirückjdcnkc, an das. I.elien in ilun.-an meine gute Mutter, die am Freitagabend den Sabbattisch deckte und (lie Kerzen anziindete. dann werden mir noch heute die Augen feucht”. „! schrieb Heine noch kurz vior seinem Todean -einen \ etter.. Immer wieder klagt auch die Halle) in ihren Briefen und Tageliuehhlättern um das ihr verloren ge/ * I gaiigetie jüdische F.ltemhaiis. Und mit derselben Ergriffenheit heriehtet als hoher Siebziger Julias Roden- -herg (I.evyj in seinem Buche „Ans meiner! Kindheit i1907i von den unauslöschlichen Eindrücken!] die ilun r ■ jj sein Elternhaus für sein ganzes I.elien vermittelt liatle. Am F'reitagahend und am -Sonnabend erzähltet) ihm der Vater und Großvater''die (Geschichten aus (1er Bibel. .Teil konnte mich nicht satt hören diesen iii ,\\ irk- F^rzähhmgeii! *Sie verwandelten sieh mir liclikeiten* die- Stimnte Gotte« glaubte iolij darin zu -vernehmen mul ihn selber, dessen Namen .nicht ausgesprochen werden darf, zn schauen in scjln-r Majestät, w ie er gnädig w ar gegen die Frontmcjt und-Gerechten'. furchtbar in seinem Zorne gegen die i bertreler de- (iesetz.es. Demnach war es. wie i rh glaube, das religiöse Gefühl 'nicht allein, sondern ebenso -ehr lind vielleicht noch mehr die Wirkung auf meine l’hantu-dc. daß „(las band, das gegen Morgen liegt”, und dem man im Gehet sieh zuwandte, mirjals meine bessere Heimat erschien: daß seine Aläjiuer und Frauen mir zu lebendigen Gestalten wurden.! an denen mein ganze« Herz hing. Ich folgte den Harten und lU-rdeu. ich stand mit Rubel am Brunnen,, all» sie kam. ihres Vaters Schafe zu tränken: ich weinte über Joseph, als seine Brüder ihn verkauften. un(d-jubelte über seine Rettung. Die Zeitenfcrne von Janrtuiisendeit erfüllte mich mit einer uiiaussprechlicFen Sehnsucht. und wenn am Samstagabend die Graßmutter ihre Hand auf mein Haupt legte mit dem Segens-' spruch: „Gott lasse Dich werden wie Kphraim mid Alänassel”. dann war mir. als oh das leise Häuschen des Jordans diese Worte begleite.“ ■ Auch die Rodenhergsehen Schilderungen iler mit den -Klient verlebten Neujahrs- und \ ersöhn mg-tage sind tief einprägsam. - 'Ebenso erzählt der erst vor einigen Jahren v erstorliene Moritz H e i m a n n in ■inem autobiographischen Aufsatz von der unv (jrgleich-