Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 5 - Mai (5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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, Der stärkere Zusammenhang im Ganzen zeigte! sich auch in der Begründung der Arbeitsgemeinschaft; der außer-amerikanischen Distrikte, in der Teilnahme' des Großpräsidenten an den Konventionstagungen dei Gesamtordens. Der erste der beiden Besuche der Fünfjahrestagungen fiel in das Jahr 1925. Auch der Besuch de* Ordenspräsidenten Alfred M. Cohen, der i. J. ,1928 im Anschluß an die Einsetzung der Englischen Großloge die Distrikte besuchte, darf hier erwähnt werden. Der steigende- Druck der Zeit wirkte sich in den Abtrennungen von Großlogenschöpfungen aus: Los- "Iösung der - Krankenschwesterorganisation, des Gesamtarchivs der deutschen Juden, des Jaffa’schen Waisenheims der Großloge, der Heime für Schwachsinnige Beelitz und Weißensee. Starke Abstriche wurden im Etat «ler Großloge vorgenommen, der. Großlogenbeitrag gesenkt. Dabei machten die Aufwendungen für Bruderhilfe, für Witwen und Weisen in den letzten Jahren 53,5%, 60,1%, 42.1% und 56.6% der Gesamteinnahme aus. - Die Preisarbeiten der Manheimer Stiftung konnten nach langer Pause 1921- 1930, wenn auch in’ eingeschränkter Form, noch ef..,<ral erscheinen. Der Appell für das Jüdische Buch gab weniger Widerklang als der für die Winterhilfe, die in den Kreisen der Logen gute Ergebnisse aufwies. In steigender Weise gehörte Hilfe für Logen—für Brüder und Familien, für Institute zu den täglichen Aufgaben der Großloge bei nachlassenden materiellen Kräften der Logen. Die Mitgliederzahl der Logen war von rund 15 000 1924 ■ auf rund 13 000 (1933* zurück-, gegangen. .. t In Zeiten materieller Mot ist die Führung von Organisationen, deren wesentlichste Stärke im Geistigen liegt, eine besonders schwere und verantwortliche. Neben den unvermeidlichen materiellen Anforderungen gilt es, den geistigen Kern, der den Dingen erst den rechten M ert gibt, zu erhalten, den Abbröckelungen vorzilbeugcn. die am Wesentlichen nagen. Stimmungen vorzubeugen, die leicht die Frage aufwerfen, ob sich nicht auch der Kem überlebt habe. Der Kern aber betrifft eine Sache, die den Besten Teil ihres. Selbst geworden ist. woran die Seele hängt — ist ein W uftschtraum der Besten, ein. W unschtraum der Menschheit, der Menschlichkeit. Der Ordensgedanke, der Logengedauke ist an anderer Stelle von uns gekennzeichnet worden als der (»«•danke des Strehens nach der menschlichen Vollkommenheit. In aller Bescheidenheit darf ein großes Ideal bingestellt werden. Den Besten der Menschheit hat es von je vorgescliweht. Im Weisen und Gerechten müßte es seine Krönung erfahren. All das, was von so gerichteten Menschen erstrebt und geleistet worden ist, ist ein Stück Kulturgeschichte und fügt sich ein in den «lnrch die Jahrhunderte langsam wachsenden Bau. den man Fortschritt JerMenächheit nennen darf. Den Wunschtraum des. Ober-Beruflichen, des Übjer- Alltäglichen, des Ober-Gewöhnlichen fanden viele 'im Orden vorgezeichnet. Sie strebten — mit mehr' o^er minder Erfolg — nach dem was das Leben über den Tag hinaus bieten kann. Der Orden war ihiiep, unabhängig vom Dogmatischen — Religion in Auswirkung auf das tägliche Leben. Dem im wahrhaften Sinne Wesentlichen, das aus der Forderung unseres Rituals, unserer Grundbegriffe W.B.u.E. zu uns spricht, hat der Großpräsident auf jdeu letzten Großlogentagen Ausdruck und Formj gegeben*). Wenn wir das Ideal der Vervollkommnung | — immer im bescheidenen Sinne des Strebens — ';uns I vor Augen stellen, so muß das Menschliche, Allzumenschliche hinter Gedanke und Tat zurücktreten. [Der einzelne Mensch ist im besten Falle „Exponent sejner Generation". Worte vom Denkmal W illiam Pitts, j «les Mannes, der das England des 19. Jahrhunderts geschaffen hat, dürfen aufleuchten: „Er lebte ohne, Schaustellung seiner selbst.“ Sp bedeutet Ben Briß sein: „mitjflen anderen Zusammenarbeiten, ihnen zur Seite sein“. Man hat den Begriff Neutralität von einzelnen Stellen aus — Jugend neigt begreiflicherweise eher dazu! — gelegentlich in seiner Bewertung um einige Grade!herabsetzeu. ihm Gewichte anhängen wollen, die er ljicht zu tragen braucht. Neutralität im Sinne der gereiften Forderung des Ordens ist etwas Hohes, Bedeutendes, Leistendes, Schweres^ Pflicht der Eigenheit steckt darin, das Gebot „to agree to.differ, darin übereinzustimmen, daß man nicht in allen Einzelheiten übereinstiinmt, -Verschiedenheiten nicht nur zu ertragen, sondern wertvoll werden zu lassen.“ i W enn mau den Orden so auffaßt, daun w ird ^r zu einer „Heimat geistigen Lebens in «1er Judenheit, eine sabbatliche Stätte inmitten einer . Welt der Zerrüttung, eine Stätte von Wohlwollen, Brüderlichkeit und Einigkeit inmitten einer Welt, in welcher Feindschaft Menschen gegen Menschen, Völker gegen Völker treibt,! eine Stätte der Erhebung in einer Welt der Zermürbtbeit.“ Den wertvollen Menschen des 19. Jahrhunderts, die um Gedanken und Geist ihrer Zeit rangen, schwebte ein umfassendes Ideal vor: Menschlichkeit, in seiner Allgemeinheit, in seinem Auflösenden und seinem Verbindenden. Es war auch die Geistesrichtung «1er Träger des Ordensgedankens der ersten Jahrzehnte «les Ordens. Im Übergang zum 20. Jahrhundert formte sich bereits in Deutschland die Beschränkung auf daä Besondere des Gruppen-Kollektivs im Nationalen, im Religiösen, im Volkheitlichen. Das Besondere kam wieder zu Ehren. Wenn es mit seinem Wertvollen den Platz im Ganzen erhielt und einnahm, so konnte es dem'Gan- *) confer Croßtogenverhandlungen 1924 S. 34 ff, 1928 S. '24 ff, 1933 „Der Orden Bne Briss — Febr.-MÄrz-Nuram'er“ S. 18 ff. — Die im Sinne eines Zitates angeführten Stellen sind in der üblichen Weise *-- — •* gekennzeichnet. 46