Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 4 - April (4.1933)
- Date
- 1933-04-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Daß die Berthold Auerbach-Loge auf das mit Stolz verweisen kann, was sot ihrer Gründung von ihren Führern in enger Genieinscliaft mit dem Kreise der Brüder sowohl innerhalb. der Loge selbst, wie in \ erhindung mit den Schwesterlogen für den Orden geschaffen wurde, ist für ihre gegenwärtigen Mitglieder zwar kein Verdienst, aber ein Ansporn. Es ist nicht von'allgemeinem Interesse, im einzelnen diese Leistungen, .besonders auf sozialem Gebiete, aufzuzeigen, zumal es sich naturgemäß hierbei um gemeinsame Schöpfungen aller Berliner Logen handelt. Dagegen erscheint es angebracht, zu untersuchen, welche Stellung die Berthold'*Auerbach-Loge im Rahmen -der Ordensgemeinschaft ■ unseres Distrikts einnimmt. Die Art, wie eine Löge die allen vorgeschriebenen Aufgaben entsprechend ‘ihrer, fndhidualität durchführt, gibt ihr die besondere Note .und weist ihr einen bestimmten Platz .in der Gruppe der gleichem Ziele zustrebenden Scliwesterlogen zu. . . I. Die Berthold Auerbach-Loge hat bis auf den heutigen Tag ihr Gepräge dadurch erhalten, daß sie zu den ältesten Logen des Distrikts zäldt, irf denen sich die Ideen und Gedanken der Gründer am reinsten widerspiegelten und bis in die Gegenwart gepflegt wurden. Es ist dies ein A orzug. Die \\ ahrung der Tradition ist eine uralte jüdische Eigenschaft^ die uns durch alle Zeiten begleitet hat. Es bedeutet freilich auch eine gewisse Gefahr, weil die Anpassung an die wechselnden Geistesu nd G efühis Strömungen, und damit der notwendige Ausgleich zwischen den Anforderungen der verschiedenen Generationen durch ein allzu starres Festhalten an der therlieferung erschwert wird. Es kann gesagt werden, daß diese Gefahr wohl immer, und besonders in den letzten Jahren, vermieden wurde, und daß die Berthold Auerbach-Loge in ihrem -Nachwuchs Kräfte erhalten hat, die eine Gewähr dafür Bieten, daß dies auch weiter der Fall sein wird. Die geistige und soziale Struktur der Berthold Auerhaeh-Loge wurde dadurch bestimmt, daß sie die zweite Loge «1er Reichsliauptstadt war, in welcher mit der Gründung «les Deutschen Kaiserreiches eine Entwicklung einsetzte, -die auch das jüdische Bürgertum eine Blüte erleben ließ, wie die \ ergangenheit nicht gekannt hat. AA ährend die Gründer der Loge noch einfachen Verhältnissen entstammten, fanden sich später in ihr Persönlichkeiten zusammen, die auf allen Gebieten des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens führend waren. Es sei hier nur, ohne daß auf Vollständigkeit Anspruch erhoben werden kann, an Gelehrte wie Martin Pliilippson und Kalischer, an J uristen von der Bedeutung eines Hermann Staub und Eugen Fuchs, an Karl Emil Franzos, sowie an Paul Nathan und Janies Simon erinnert. Den Grundstock der Mitglieder bildeten die Angehörigen des Großbürgertums. Durch diese Zusammensetzung des Bruderkreises wurde die Entwicklung eines reichen geistigen Logenlehens gewährleistet, eberiso wie die Erfüllung weitgespannter sozialer und charitativer Aufgaben. Wenn auch die Entwicklung der Nachkriegszeit zwangsläufig das Bild veränderte, und namentlich die schwere wirtschaftliche Not weite Kreise der Brpdergemeinschaft erfaßte, gelang doch die seelische Anpassung an «lie Erfordernisse der Zeit. Die geistigen Anregungen von außen* wurden schon aus finanziellen Gründen schwächer. Das geistige Niveau wurde jedoch dadurch vor einem Absinken bewahrt, daß sich ein Stamm interessierter und befähigter Brüder innerhalb der Loge zusamntenfand, der es ermöglichte, die Verbindung mit den Strömungen «1er Gegenwart aufrecht zu erhalten und vielleicht sogar das geistige Lehen der Loge zu verinnerlichen und zu vertiefen. Daß es daneben bisher gelungen ist, trotz großer Schwierigkeiten den hilfsbedürftigen Witwen und Waisen, deren Zahl von Jahr zu Jahr wuchs, in größtmöglichem -Umfang Unterstützung. zu gewähren, und notleidenden Brütlem in dringendsten Fällen zu helfen, und ihnen, wo dies mit Geldmitteln nicht geschehen konnte, wenigstens mit Ratschlägen zur Seite zu stehen, die mänelien praktischen Erfolg zeitigten, läßt uns hoffen, daß trotz der unaufhaltsamen Struk- , turwandiung die Funktionen der Logenarbeit' sich auch weiter werden erfüllen lassen. Einen bedeutenden Einfluß auf die Entwicklung der Betthold Auerbach-Loge übte schließlich auch die Tatsache aus, daß sie bis zur Gegenwart Brüder zu den ihrigen zählen konnte, denen die Führung lies deutschen Distrikts anvertraut war, oder welche doch an einflußreicher Stelle im Orden wirkten. Was Männer, wie Julius Fenchel, David Wolff und Berthold|Timendorfer, die der Berthold Auerbach-Loge als Expräsidenten angehörten, und mit besomlerer Liebe an ihren Arbeiten teilnahmen, für das Logenleben bedeuteten, bedarf keiner weiteren Darlegung. Das gilt auch v(m denjenigen Männern, die noch jetzt oder bis vor kurzem im Präsidium und Geschäftsausschuß d^r Großloge tätige lieben «lieser verantwortungsvollen Arbeit in stetiger Fühlung mit der Berthold Auerbach-Loge an deren jGeschick lebhaften Anteil nehmen. Noch heute zählt die Berthold Aueijbach-Loge zu «len größten Logen des Distrikts., Trotz ihrer Größe, die bekanntlich der inneren Verbundenheit der Brüder oft hinderlich ist, verfügt sie über einen ansehijliohen Stamm treuer Mitglieder 5 die in festem Zusammenhalten einen eng verknüpften Bruderkreis bilden, dem es gelingt, die Mehrzahl der dem Logenleben fernstehenden Brüder heranzuziehen und vor der Entfremdung vjm den Logenideen zu bewahren. .! Die Gründer unserer Loge wählten sich als ihren Namenspatron Berthold Auerbach. Das bedeutet Verknüpfung deutschen upd jüdischen Geistes jn unverbrüchlicher vaterländischer Gesinnung. Getreu dieser Überlieferung tritt die Berthold Auerbach-Loge jetzt in schwerer Zeit ihren Weg in das zweite halbe Jahrhundert an. Möge dieser Weg ein gesegneter sein. | 38