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Der Orden Bne Briss · 1933-02-01 · Nr. 2/3 - Februar/März (2.1933) · p. Seite 18

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 2/3 - Februar/März (2.1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 18 (sequence 6)
Language
German
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Fragen des Ordens Br. Großpräsident Baecfc. I I I Das Tatsächliche des Berichtes, den ich zu erstatten habe, ist Ihnen gedruckt zugegangen, Und es ist nicht erforderlich, auf Einzelheiten nun noch besonders einzugehen. IcK darf alles, was gedruckt ist, als bekannt voraussetzen und will nur auf das, was allen diesen Einzelheiten ihren eigentlichen Sinn gibt, eingehen. Sie wissen es, daß das abgelaufene -Jahrviert die wirtschaftliche Lage der deutschen Juden vielfach' verschlechtert hat. Allerdings, das Schlagwort, das man so oft hört, das Schlagwort von der Proletarisierung der deutschen Juden, ist, aufs Ganze gesehen, wohl nicht mehr als ein Schlagwort. In der Tatsächlichkeit findet es noch keinerlei Begründung. Wir sollten uns vor allem vor dem Fatalismus hüten, der aus diesem Worte spricht. Proletarier ist der, der in seiner Lage ein Schicksal sieht für sich und seine Kinder und Kindeskinder. Wirtschaftliche Enge wird dadurch zum Proletariertum, daß sie ein Fatum wird. Wenn uns Juden eine Eigenschaft zukommt, so ist es die, daß wir uns nie in ein Fatum ergeben. Wir vermögen immer wieder anzufangen. Wir ergeben uns in keine Gegebenheiten. Wir hoffen, daß wir das, was die Zeit uns zufügt, werden überwinden können, und wenn wir es nicht überwinden, so erfüllt uns die Zuversicht, daß unsere Kinder und Kindeskinder es überwinden. Deswegen körnten Juden nicht zum Proletarier werden, sie müßten denn aufhören. Juden zu sein. Ein Jude, der sich als Proletarier, meint, der hätte aufgehört, Jude zu sein, der liät.te auf die jüdische seelische Kraft Verzicht geleistet. Aber wir wollen darum die wirtschaftliche Lage mit all ihrer Enge und Not nicht gering schätzen; sie ist für uns Sorge ohne gleichen, aber sie ist trotzdem nicht Sorge ohne Hoffnung. Wir sollten uns vergegenwärtigen, daß wir heute nur dort sind, wo unsere Urgroßväter vor drei und vier Geschlechtern gewesen sind. Wir haben dort wieder anzufangen, wo'sie einst begonnen hatten, anzufangen wie sie. Man soll nicht alles Schlimme und Bedrückende zum Guten hinwenden wollen, aber man darf doch das eine sagen: es ist für uns Juden gut gewesen, wenn wir in den Zeiten der Geschichte immer wieder haben beginnen njüssen. Ein saturierter Jude, das ist ein Jude der Dekadenz, ein Jude des Untergänge«. Vielleicht ist es darum auch wie ein. Stück Renaissance, daß wir wieder beginnen müssen. Aber dieses Wiederbeginnen im Wirtschaftlichen, das in mancher Beziehung auch ein Wiederbeginnen für die Logen ist, dieser Wiederbeginn steht für uns unter einer besonderen. Sorge, unter einem seelischen Druck. Wir sind in unseren Logen alt geworden.. Wenn Ihnen einige Ziffern verlesen werden dürfen, so ist die Altersgliederung in unseren Logen die folgende: 2386 Brüder stehen in einem Alter von über 65 Jahren, 6710 Brüder im Alter von 47 bis 64 Jahren, 3369 Brüder im Alter bis zu 46 Jahren. Das sind Ziffern, welche sprechen und um so eindringlicher sprechen, wenn die letzte Gruppe noch in Einzelgruppen aufjgeteilt wird. In •solche Einzelgruppen aufgeteilt, stellen! heute in unseren Logen 1894 Brüder im Alter von 41 bijs 46 Jahren, 1092 Brüder im Alter von 35 bis 40 Jahreß, 350 Brüder im Alter von 29 bis 34 Jahren, und nun das Letzte, das Sorgenvollste: nur 33 Brüder in! unserem ganzen Distrikt stehen in einem Alter bis zu j29 Jahren. Alle Statistik kann ihr Bedenkliches, ihr Täuschendes haben. Aber die Ziffern dieser Statistik sind so eindeutig, daß alle Einschränkungen doch nichts von dem, was diese Ziffern sagen, fortnehmen gönnen. Wir sind alt geworden, uns fehlt die Jugend. I Dieser Tatsache soll ins Auge gesehen werden. Es ist jein Stück Wahrhaftigkeit: sehen, was ist. , Welches ist der Grund, weshalb wir alt geworden sind, weshalb fehlt uns die Jugend, deg Kreis der Menschen bis zu 35 Jahren? Der Grund ist Zunächst ein wirtschaftlicher. In früheren Jahrzehntenj war es so, daß der Mensch von 35 Jahren, wenn er ni«tht wirtschaftlich gesichert war, doch die Aussicht aut wirtschaftliche Sicherheit hatte. Er durfte so manches beginnen, weil er hoffen konnte, daß die Zukunft diesem Beginnen recht geben würde. Heute ist es so, djiß die Aussichtslosigkeit oder zumindestens die Ungewißheit so manches Beginnen hemmt, daß dieser und jenpr, der beginnen möchte, den Schritt zurückhält aus bpnger Sorge vor der Zukunft. j i Aber es ist ein anderes noch, und] dies ist seelisch entscheidender: Unser Leben hat seine ]bestimmten Abschnitte, seine Zäsuren, und es ist eine Störung menschlichen Lebens, wenn diese Zäsuren, diese Einschnitte verrückt werden und dadurch der Rhythmus gestört wird. Eine Zäsur ist seit je bisweilen verrückt und verschoben worden, die Zäsur, welche dite liindheit von der Jugend scheidet. Menschen ist es oft aufgelegt, daß sie nicht lange genug Kinder bleiben dürfest. Unter dieser Störung des Lebensablaufs litten und ] leiden oft die Kinder der Armen. Das Kind der Armen hört oft vorzeitig auf, ein Kind zu sein: zu früh trijtt in der Sorge, in der Not die Erwachsenheit an diese!Kinder heran; diese Kinder sehen zu früh mit alten Au^en in die Welt hinaus. AuPentgegengesetzten Gründen wird ein Gleiches nicht selten in den Schichten der Reichenj zum Geschicke der Kinder; sie macht der Überfluß vorzeitig unfroh und unkindlich. Jetzt ist eine andere Störung, eine entscheidendere in unsere Zeit, in unser Leben eingetreten. Die Jugend hat die Linie der Zäsur verloren, diejenige, i 13 /

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