Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1932
- Issue
- Nr. 9 - November (11.1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Berlin, November 1932 Nummer 9 ^UtteUun^eti (Eingetragener Berein. Eigener Verlag der Croliloge. — BQroi W 62, KleUtotraSe 12. — Telephon: Amt B 5j Barbarossa Nachdruck tämtlicher Artikel aut dieten Mitteilungen Verboten. 4619. Unser! Beeilt auf Arbeit Boriifsiimschlchtung und Handwerk Jüdische Siedlung in Deutschland Im Coetlnjiiml Spmo :a-Ja!ir . Goetlic über Spinoza Spirtoza-Ausslelfung . Briefe an den O B. B. . kurze übersieht Aus Amerika /eitsrhriflen anderer Distril te Bürhersrbau ExpräBident Gustav Heinemann 75 Jahre alt . Br. Frilz Mayer Fixpräsident Oskar F'fankcn-IAarlien gestorben » Hillel-I.oge, Ilildeslieim Br. Expräsident Professor Dg. Julius Mai Bruder Jsrael Balun 50 Jahre ■ Gedenktafel lür Br Fihrengroßprisident Bertliold Timendorfer Unser Recht auf Arbeit Von S.i Adler-Rudel Dur Wirtschaftsausschuß beim Preußischen Landesverband hat die Initiative zu einer großzügigen Aktion er-1 griffen. Unter der Devise „Unser Recht auf Arbeit“ soll während des Monats November in ganz Deutschland fiir die Idee der jüdischen Arbeitsvermittlung und Erwerbsbeschaffung geworben werden. Die Einhelligkeit; mit der die zentralen Organisationen des deutschen Judentums ihre Zustimmung zujdieser Aktion gegeben und ihre Mitarbeit zugesagt habenl zeigt am besten, wie .sehr die Erkenntnis der besonderen Notlage der Juden in Deutschland beute Gemeingut aller Richtungen im deiit; sehen Judentum geworden'ist. I Die Ursachen der zusätzlichen Not, in der sich das ^deutsche Judentum befindet, sind im allgemeinen bekannt. Wir müssen sie uns aber wieder ins Gedächtnis rufen, um die Situation, 4er wir heute gegenüber stehen, richtig zu erkennen. D|e Strukturwandlung der Wirtschaft, die wir in den letzten Jahren erlebt haben, ist ihretn Wesen nach mittelstandsfeindlich. Die Juden, die in ihrer überwiegenden. Mehrheit in den kaufmännischen Berufen zusanimengcdrängt sind, bilden seit jeher ein ausgesprochen mittelständlerisclies Element. Sie werden deshalb von jenen Tendenzen der Wirtschaft, die bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung die Positionen des Mittelsandes untergraben, besonders schwer getroffen. Eine Folge der allgedeuteten Entwicklung der Wirtschaft ist die Proletarisierung eines erhebliche« Teiles des bisherigen Mittelstandes, sowie die außer- \ ordentliche - Steigerung wer Zahl der Arbeitnehmer. Während sich den nichtjüdischen Angehörigen des Mittelstandes durch die Wandlungen in der Wirtschaft neue Möglichkeiten eröffnet hoben — sie konnten in die neu geschaffenen Angrstelltenpositionen eindringen, oder in den. von der öffentlicheil lland erfaßten Verwaltungen Unterkommen waren (lern jüdischen Mittelstand und seihen Kindern diese Möglichkeiten nur in einem ganz beschränkten .U nfange zu hei jeder W irtschaftskatastropLe müssen llet riehen und änglich. Wie r auch jetzt ein Anschwellen dfs Antisemitismus fest.« eilen; die unerträgliche Not, in:der sich lretitc weiteste Teile der*Bevölkerung’hefindciij, wird dazu jiiisgcnutzt, um die Juden, als die. Träger wichtiger Wirtsohaftsfünktinnen, für den Zusanuruvuhrucli, der sich in der Wirts«haft vollzieht, verantwortlich zu ipachcti. Dies bedeutet eine Verschärfung der seit jefier in Deutschland vorhailt lenen antisemitischen Tendenzen, j)icse antisemitisch m Tendenzen, die auch im ullgehieinen als! .Wirtschaft;feindlich terurteilt werden müssen, treffen |lie Jnden, in einer Krisenzeit wie dfr jetzigen, besonders schwer und bewirken eilte außckordentliche Steigerung “der Erwerbslosigkeit und danut der Notj der jüdischen Bevölkerung. j Die Boykotthetze, die von den antisemitischen Parteien in die Wirtschaft hinenigetragen wurde, hat einen geradezu iiiilicimlit'ticn Auftrieb erhalten; sie kann «juch bereits Erfolge Verzeichnen, die. man früher nie für möglich gehalten hättj*. Keine pparte der » irtscliaft jund kein Beruf sind verschont gejdieben, die [Parole vonj der „Entjuduiig“ der irtscliaft Ist das Sclduigwort der Zeit, der Boykott gegen den selbständigen jüdischen Kaufmann ist bereits zu einer täglichen Erscheinung geworden. Die Versuchej sich auf dem Woge.des Rechtes gegen diese Form der Verdrängung iius der Wirtschaft zur Wehr zu setzen, haben keine nennenswerten Erfolge gebricht. Abgesehen davon,[daß die Strafen, zu denen die Gerichte die Träger der Boykotthetze zu' verurteilen pflegen, zu gering sind, uin abschreckend zu wirkonL sind die i l 125