Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1932
- Issue
- Festnummer zum Ordenstag ; Nr. 8 - Oktober (10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 104 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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I Etwa achtzehn Jahre hat Franzos in Berlin gelebt. Während dieser Zeit hat er sich mjt liebevol :eni Eifer allen Interessen unserer jüdischen . Gemeinde gewidmet. Franzos gehörte der Berthold Auerbach-Loge an. Daß die Gedanken des Ordens in ihm lebten, drückt »ich in dein Spruch aus. in dem Fran/y. sein Leäonsgesetz niederlegte. Dieser Spruch steht auf seinem Grabstein: ft är dein auch alle Krdenpracht | I nd aller Vieisheit Blüte, Das, was zum Menschen erst dich machg, Ist doch allein die Güte. Geh. 2.V7. 1817. gest. 28. 1. 1901. Berthold Auerbach-Loge 1891—1897. Gosfav Karpeles Von J. Landau-Berlin ft ieviele Zöglinge der Rabbiner-Seminare waren ausgezogen, um ins helle Reich der Gottesgelahrthei zu segeln und landeten im Gehiete der Tinte und Druckerschwärze! Im Grunde freilich ähneln, gleichen sich die Berufsauf-, gaben ganz auffallend. Der Rabbinatskandidat, der sich mit einer raschen Schwenkung der Presse zuwendet, wählt eben nur eine andere Kanzel, eine höher" aufgeriehtete. mit Lautver-tärkern ausgerüstete, um seines Amtes «u walten, um '•rhebend. belehrend, läuternd auf Gesinnung und Charakter einer größeren Hörerschaft einzuwirken. Auf der sollen Höhe ihrer Berufsaufgaben sind Rabbiner und Joumali-t \ erblindete. Auf dem L inwege über die germanistischen »Indien an der Limersität Breslau ist auch Gustav Karpeh s von der Rabbinatsschule in die Redaktionsstube gelangt. Von allen, die den gleichen Entwicklungsgang genommen, ist Karpeles als Publizist wie als Literarhistoriker zum nac »haltigsten Einfluß auf wei^e Gebiete der allgemeinen wie der jüdischen Literaturkunde gekommen. Insbesondere in der Ail- Jeilnahme unserer Bildungskreise an der jüdnehen Geschichte und Literatur wirkt sein Einfluß heute noch, 23 Jahre nach seinem Heimgang, wohltätig fort. In Eiwanowitz in Mähren am 11. Novembef 1818 als Sobn des dortigen Rabbiners geboren, früh mit den Eltern nach dem benachbarten Loschitz, dem neuen, grölleren ft irkuiig-Jtreis des \ aters. übersiedelt, war er, neben dem Gymiiasial-tudiiim. der eifrigste Schüler seines gelehrten Vaters, in Thora und Talmud nebst Kommentaren.- Nach Breslau, zur l uiversität und in die Rabbinatsschule entsandt, ver- -uclite er~sich bald in Zeitungsbeiträgen übe? TI eater und Literatur. Mit so gutem Glück, daß eine neii|[egriindete Zeitung ..Breslauer Nachrichten" ihn. den Vicrti ulzwanzigj ihrigen, zum Chefredakteur berief. -Von da kitii er. als I eu:!!etom edakteur. an die alte ..Breslauer Zelt ung", und als im J. Lre 1877 der Lllsteinsche Zeitungsverl; ig begründet wi.rd. . berief Leopold L listein Karpeles in eine erste Redaktion. C Inzwischen hatte Karpeles bereits liebevolle Biographien und Charakteristiken von Lenau. Börne. Friedrich Spielhagen veröffentlicht. Als hun Spielhagen 1878 zum Herausgeber der ..Westermannschen Monatshefte“ ausersehen wurde, wählte er Gustav KaYpeles zum Redakteur dieser Zeitschrift. VI ährend seiner Tätigkeit an diesen vornehmen Monatsheften kam Karpeles in engere B 'Ziehungen zu den hervorragenden Gelehrten und Erzählern jener Zeit, insbesondere zu Theodor Storni,. Paul Heyse; aber auch jüngeren Schriftstellern isf er zum eifrigen Fi rderer geworden. Aus seinen mit Fleiß und Liebe. 1 etriebenen Heinestudien erwuchsen jene wertvollen ft'erk:. die ihn zum führenden Heine-Forscher machten? Daneben reifte seine große allgemeine Literaturgeschichte in drei Bänden, das umfassende-Werk, das uns in einem fesselnden Panorama die Literaturentwicklung aller Völker der Erde vorführt. Seine ganze Liebe aber gehört dem Studium des jüdischen Schrifttums aller Zeiten. Die Frucht dieser Studien liegt uns in seiner gründlichen zweibändigen ,.Grschichte der jüdischen Literatur“ vor, die zum unentbehrlichen Handbuch geworden ist für jeden, der sich mit den Fragen des jüdischen Schrifttums befaßt. Die gleicht Liebe zur Verbreitung jüdischen ^Wissens führte ihn zur Gründung d$r „Vereine für jüdische Geschichte und Literatur“, die seit 40 Jahren für die Stärkung der Anteilnahme am jüdischen Geistesleben so verdienstlich wirken. In unzähligen, so gehaltvollen wie fesselnden \ orträge hat Karpeles in sehr vielen deutschen Städten für die Kräftigung des jüdischen Bewußtseins, für die Verbreitung jüdischen ft issens nachhaltig gewirkt. Beim Ausbau der Literaturvereine stand ihm Br. Benas Levy von der Deutschen Rejchsloge fördernd zur Seite. Als Herausgeber der alten Philippsonschen „Allgemeinen Zeitung des Judentums“ widmete sich K. der Pflege jüdischen Gemeinsinnes, der Stärkung und Belebung der Anteilnahme an den geistigen wie an den politischen und gemeindlichen jüdischen Interessen Im gleichen Sinne und mit gleicher Treue nahm Kafpeles teil an den Arbeiten der Jugendschriften-Kommissiou bei der Großloge sowie an der Arbeit unserer Deutschen Reichsloge, in die er am 8 November 1884 eiütrat, und in der er unermüdlich wirkte, bis ein Herzleiden ihn am 21. Juli 1909 in Nauheim hinwegralfte. Geb. 11. 11. 1848, gest. 21. 7. 1909. 1 Deutsche Reichsloge 1884—1909. E. M. Lilien Von Alfred Goldschmidt-Berlin Innerhalb der reichhaltigen Biographien über den Maler E. M. Lilien gibt es ein ft'erk von Lothar Brieger betitelt „Eine, künstlerische Entwicklung um die Jahrhundertwende“ mit 226 Abbildungen nach Radierungen und Zeichnungen des Künstlers, das den Menschen und sein Werk vor uns in ausgezeichneter Darstellung hinstellt. Vor unseren Augen ersteht Liliens Jugend, eine ernste, bittere Jugend * im Hause des Drechslermeisters, seines Vaters, in Droliohyez in Galizien, eine Jugend, über der dauernd die Begriffe Not und Kun$t._.Hunger und Sehnsucht stehen, beim Schildermaler in Drohöbycz, beim polnischen Professor in Krakau, in den Aushildungsstätten ft'ien. München. Berlin. Lilien zeichnete seine Heimat und mit besonderer Schärfe die Juden seiner Heimat, Plakate, Bucheinbände, Exlibris, Illustrationen zu Romanen in Arbeiterzeitungen, köstliche Vignetten: als Beispiele. „Lex Heinze“, „Genius vor dem Richterstuhl der Prüderie“. Es wimmelt von geistreichen Einfällen in interessantester Gestaltung. Aus dem unvollendeten Zyklus — „Trugland““ — sehen wir in „Des Teufels Spielzeug“ auf einer Erdscholle in den Händen eines gutmütigen Riesen die Liebe in Gestalt Adams und Evas. Eine Laune hält sie, eine Laune kann sie in den Abgrund stürzen lassen. Der Name des jungen Lilien wurde mit einem Schlage bekannt, als in seltsamer Verbindung der junge galizische Jude Ephraim Mose Lilien und der junge aus deutschem Adelsgeschlecht stammende Börries Freiherr von Münchhausen sich zu dem Kunst gewordenen Gedanken „Juda“ zusammenfanden (1900) — strahlende Verse und strahlende Zeichnungen. Der Tlichter setzte die Worte davor: 104