Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1932
- Issue
- Nr. 7 - September (9.1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6727475-6029206-6074871--2821-4869395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Angesichts der unüberwindlichen Schwierigkeiten, zu denen sich auch die angawachsenen Kos :en der t berseebeförderuiig gesellen, — die Schiffskarl en sind teurer als vor dem Krieg, dazu kommen die Visagegebühren. Yorzeigegeld usw. — wendet sich ds s Interesse der Allswanderungswilligen den kontinentalen Ländern zu. Aber überall herrscht Arheitslosig teit, die einheimischen Arbeitskräfte finden selbst keine ausreichende Beschäftigung, so daß die Aussichten für,Zugewanderte recht ungünstig sind. Es kommt hii zu, daß mit der steigenden Arbeitslosigkeit die her‘its ansässigen Ausländer aus «len Betrieben .hinaus;;edrängt werden und zur Rückwanderung gezwungen sir «1. Das beobachten wir heute in Fraukreich, in Belgier und in andern westeuropäischen Staaten. * \ach der spanischen Revolution w urde d; s Interesse für eine jüdische Einwanderung nach den Lande, «las' im Mittelalter eine der blühendsten jüdischen Niederlassungen beherbergte, sehr rege. In der P 'esse erschienen Mitteilungen, wonach die spanische R :gierung eine Einwanderung von Juden angeblich sehr legrüßen würde. Die Männer des neuen Regimes hätten geäußert, «laß Spanien das an «len Juden im Jahre 1492 begangene Unrecht auf diese \\ eise gutzuniachen gedenkt. Diese l’re-senachrichten waren übertrieben. Wenn eierartige Äußerung«‘n gemacht worden sind, so bezogen sie sich in er-ter Reihe auf sepharelische Juden, die die spaische Sprache un«l gewisse alte spanische Brä iche bewahrt haben. Praktische Erwägungen über eine jüdische Einwanderung sind von der Regierung nicht angestcllt worden. Immerhin bestehen weder rechtliche noch administrative Hindernisse für die Niederlassung. Man hört auch, «laß einzelne Juden bereits nach Spanien ausgew alliiert sind. Fiir Hamlwerker, «lie ihr Werkzeug und ein kleines Kapital mitbringen, scheinen sich Aus- und für Es wäre 'icht«‘ii zu bieten, desgleichen für Industrielle Kaufleute. «lie Warenhäuser etablieren wollen, allerdings verfrüht und sehr inopportun, zu einer Auswanderung nach Spanien «lirekt zu ermutigen. Gemcimb-n gibt es vorläufig «lrei, in Madrid. J üdische Sevilla und Barcelona: iii Barcelona ist das aschk magische Element etwas stärker vertreten. Es sind Ar sätze zu sozialer Gemeindearheit bemerkbar, was b?i einer eventuell später einsetzenden größeren Zuwanderung von Nutzen werden kann. Vorläufig soll man \ugcn halten, «laß auch Spanien seine Arbeitslasen hat Die Gewerkschaften sin«l naturgemäß darauf bedacht, daß in cr-t«T Linie «lie einheimischen Arbeitskräfte beschäftigt werden.’ * \\ ie die Dinge augenblicklich liegen, luben die ' \ «• r «• i n i gt e n Staaten beinahe aufge lört, ein Einwanderungslan«! für Juflen zu sein. Die [Jenehmigung «h-r Einreise ist seit September 1930 gana dem Ermessen der amerikanischen Konsuln überlaste: l, die genau prüfen, ob «lie F.iiiwanderungswilligen ni cht eventucir der öffentlichen Wohlfahrt Zu Lasten ft Uen können. Die rigorose Handhabung dieser Bestimmung seisich vor tens der Konsuln hat dazu geführt, daß im Fiskaljahr 1. 7. 1930—30. Juni 1931 nur 97 139 Einwanderer gegen 241 000 im Jahre 1929/30 hereingelassen worden sind. Darunter waren 5692 Juden, im zweiten Halbjahr 1931 sogar nur 1455! Vom 1. Juli 1931 bis 30. Juni 1932 sind, wie soeben in der amerikanischen jiddischen Presse auf Grund eines Berichts des Arbeitsministers der Vereinigten Staaten mitgeteilt wird, nur rund 35 000 Personen nach den Vereinigten Staaten eingewandert, demgegenüber sind etwa 103 000 Personen ausgewandert. Im Jahre 1930, 31 waren 61 000 Personen aus Amerika ausgewandert. Die Auswanderung ist somit im ' Jahre 1931/32 um 42 000 gestiegen. Die Ziffern sprechen für sich. In den übrigen amerikanischen Ländern bieten sich ebenfalls sehr geringe Einwanderungsmöglichkeiten. In Kanada konnten in den ersten neun Monaten des Jahres 1931 nur 155 Juden Einlaß finden. Mexiko nimmt nur Facharbeiter solcher Kategorien auf, die im Lande fehlen. Die kleineren mittel- und südamerikanischen Länder — Kuba, Kolombien, Guatemala, Salvador — schließen sich völlig ab oder fordern überaus hohes Landungsdepot von den Einwanderern; überdies lassen sie nur bestimmte Kategorien von Berufstätigen hinein, ^; Argentinien erhöhte die Visagebühren so beträchtlich,;^ daß eine Einwanderung größeren Umfanges praktisch fast unmöglich erscheint. In Brasilien erhält außer Landwirten, Landarbeitern und Handwerkern Niederlassungsrecht nur, wer über erhebliche Geldsummen verfügt oder Bürgschaften von im Lande ansässigen Personen aufweisen, kann. Angehörige freier Berufe und Kaufleute sind unerwünscht, wie dies auch in einer Reihe anderer südamerikanischer Staaten der Fall ist. Es müssen Angehörige dieser Berufskategorien vor der Auswanderung dorthin ausdrücklich gewarnt werden. Qualifizierte Arbeiter, gut ausgebildete Handwerker, Zahntechniker finden eher Verdienstmöglichkeiten. Neuerdings kommt auch Chile für die jüdische Einwanderung in Betracht. Es ist erforderlich noch auf Argentinien und Brasilien zurückzukommen, da sie vom Gesichtspunkt der Judensiedlung interessant sind. In beiden Ländern gibt es jüdische Ackerbauer, in Argentinien mehr, in Brasilien weniger. Argentinien hatte vor 30 Jahren einige tausend Juden, heute über eine viertel Million. In Brasilien erfuhr die jüdische Einwanderung im Jahre 1929 einen beachtenswerten Aufschwung; sie' erreichte die Ziffer von 5610 Personen. In den Jahren 1930 und 1931 / ging sie allerdings merklich zurück, was mit der Wirtschaftskrise und den politischen Wirren zusammenhing. Auch Argentinien weist einen Rückgang der Einwanderung auf, von 7805 im Jahre 1930 gegenüber 2926 im Jahre 1931. Wie wird sich die nächste Zukunft gestalten? Wird die Krise und die durch sie hervörgerufene Einwanderungsdrosselung vorübergehender Natur sein, wie der Präsident des argentinischen Arbeitsamtes sich vor einer Zeit geäußert hat? Nach diesem Gewährsmann wird Argentinien, das $inen großen Teil seines Wohl- 82