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Der Orden Bne Briss · 1932-08-01 · Nr. 6 - August (8.1932) · p. Seite 72

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1932
Issue
Nr. 6 - August (8.1932)
Date
1932-08-01
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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die familiären BeauTrechtzuerhalten. welche Bedeutung Briefe an den O. B. B. Kulturelle Verkehrswerbjung Von Br. Woznianski Der Strom von ausländischen Touris en, der regelmäßig nach Deutschland fließt, hat. abgesehen von geschäftlichen Beziehungen, seine Quellen hauptsächlicli in' zwei Motiven: Benutziinz von Kur- »in<J Heilmitteln und Aufrerhterhaltung von Familienbeziehungen. Für jüdische Tou ’isten kommt noch eine besondere Note hinzu, nämlich die Tradition der Gräbecbesuche. Und die Einwanderungi sperre in Amerika gemeinsam mit den Ausreiseschwierigl eiten der Sowjet- Union. die einer Vereinigung sogar von nahen A erwandten entgegen wirken, zwingen die Amerikaner Ziehungen durch Reisen nach dem Osten Auch dieser Kreis von Reisenden pflegt einen Aufenthalt in Deutschland zu hehmen. Es steht hier nicht zur Erörterung, der Fremdenverkehr für die Handels- und Zahlungsbilanz hat, vielmehr, die Frage, welchen immateriellen Nutzen wir ton einem Tou'risäjnbesuch zu erwarten halten, der in der Regei mit dem geistigen und kultureden Leben unseres Landes kaum in Berührung kommt? N in, er ist vergleichbar jenen Nonzadenzügen. die eine Lagerrast mit der andern zu vertauschen gewohnt sind, i ohaid die mit dem Bädeckerstern vorgezeichneten Natursch Einheiten abgeweidet 'sind, da kein seelischer Kontakt mit Land und Leuten, mit ^den Menschen und ihren Strebungen, die allein eine innere' Verbindung, das A'erständnis für die andere Art und damit die A’erständigung zwischen den. Völkern herbeizufuhren vermögen. zustandekommt'. Die Art der amerikanischen Reise echnik ist uniform, wie viele Lehenshetätigungen dort. Ein Europatrip spielt sich nach dem festgelegten Schema 'on Cook oder von anderen Reisegesellschaften ab. die den Leiseplan schablonenmäßig vorausregeln und dadurch ihrem Publikum die als Unbequemlichkeit empfundene Auswahl eines individuellen Programms ersparen. Für Berlin rollt etwa wie folgt ab: Ausgehend von den Empfangssalon der Reich^hauptstadt. den Linden, erfolgt I Spalier der Siegesallee: Besuch eine: A arii-tc oilcr Theater und Abstecher nach insei. Besichtigung des Zeughauses das laufende Band efiliercour nach dem Galavorstellung in \A annsee und^ Pfauen- . sind die üblichen Etappen. Obligat ist es, dem toten Potsdam einen Erinnerungskranz zu weihen. Diese, auch bei den jüdischen Touris :en eingebürgerte Art von ..siglit-seeing“ vermittelt keinerlei Einblick in das Leben des A olkes. geschweige denn verspüre i die Besucher einen Hauch von jüdischer Geistigkeit. Auch Wesen und Wirken unserer Logen bleiben den meisten, die Brüder unseres Ordens sind, unbekannt und unerkai nt. Bezeichnend ein Frlebnis in einer Berliner Hotelhalle, wo ich die Bekanntschaft einer von Cook ..gebuchten“ i merikanisch-jüdischen Reisegruppe machte, darunter mehrer; Logenbrüder. Einer bittet dringlich, ihm zu einem Minjai zu verhelfen, er hat Jahrzcit. ein anderer möchte die Grenidierstraße aufsuchen. Die Gesellschaft fühlt sich höchst unglücklich: das offizielle Besicht igungsprogramm ist abgewick :1t, nun wartet man seit Tagen auf das Einreisevisum naci Rußland. Man weiß nichts mit sich und sejner Zeit zu be (innen. „Etwa Besuch von Synagogen? Besichtigung des „ogenhauses odergar des Logenheims?“ Nichts von allede n! Sie sind ohne Beziehung zu irgendjemand und haben die dem Amerikaner übliche Unbeholfenheit, sich im freiiden Lande zu orientieren. AT'or lauter ..Feinheit“ der Umgebung ist man geniert, in dem feudalen Hotel nach irgendwe' chen jüdischen Dingen zu fragen — schließlich sind auch Zweifel berechtigt, ob man der Gewandtheit eines Berliner Hotelportiers zumuten könne, sogar ein Minjan aufzutreiber. Gibt nicht auch die Beobachtung zu denken, wie geringfügig die Zahl von Gastbrüdern ist, die, an dem Strom ausländischer Besucher gemessen, von den großen Berliner I.ogen während eines Termins begrüßt werden? fetwas günstiger mag das Bild in Kurorten' aussehen, die zu längerem Verweilen zwingen, und wo die Logen bestrebt sind, durch systematische Veranstaltungen den Anschluß an die ausländischen Brüder zu finden. EÄiö wichtige und dankbare Aufgabe harrt hier der deutschen Logen! Sie liegt darin, diese Touristen und Logenbrüder in Berührung mit dem deutschen und dem jüdischen Kulturleben sowie mit unserem Orden. zu bringen. Plan und Form einer solchen Logenarbeit sei etwa folgendermaßen skizziert: Die deutschen Logen, vor allem in den Großstädten und Badeorten, mögen, vorwiegend während der Sommermonate, in denen ja die Arbeitstagungen ruhen, einen regelmäßigen ..Bereitschaftsdienst“ für die ausländischen Touristen einrichten, zu dem Zwecke, Führungen durch unsere Kulturstätten, Besichtigungen von Gemeindeeinrichtungen u. a. m. zu veranstalten. Zu erwähnen vyären Einführungen in Sozialanstalten, Logenzusammen^ünfte in zwangloser Geselligkeit, durch Kqrzreferate auf bestimmten Gebieten eingeleitet und vorbereitet. Mit eingr solchen Pflege der Brüderlichkeit ließen sich Anknüpfungen von Beziehungen zu Berufs- und Fachkreisen anbahnen. Einladungen in ein gastliches Haus, etwa zu Freitagabenden, würden Einblicke in unser Familienleben vermitteln, in dem Gast ein Gefühl der Heimatlichkeit erwecken und ihn innerlich aufschließen. Für die Führungen wäre ein regelmäßiger Dienst von geeigneten Brüdern vorzusehen, die turnusmäßig abwechseln. Nachdem ein solcher Bereitschaftsdienst du^chorganisiert ist. müßte man daran gehen, ihn im Auslande populär zu machen. Die Verbindung wäre durch die Großlogen-der Distrikte herzustellen. In englischer Sprache abgefaßte Prospekte sollen die Adressen und sonstigen Notizen dbs,Bereit- Schaftsdienstes bekannt geben' und bei den ausländischen Logen beständig ausgelegt sein. Auf die Benutzung dieses Auskunftsmaterials, wlches auf dem Laufenden tu halten ist, wäre besonders zu Beginn der Reisezeit dauerpd hinzuweisen. Wenn hier vorwiegend an die amerikanische Judenheit gedacht ist, so aus mehreren Gründen: Nach den Schätzungen von- „Wirtschaft und Statistik“ stellt die Kurve des Fremdenverkehrs mit den 15%- des amerikanischen Anteils die größte Ziffer aller Touristen in Deutschland dar. Aber die Vereinigten Staaten sind mit ihren mehr als [vier Millionen auch das Land, in welchem heute der größte Block der Gesamtjudenheit überhaupt siedelt. Und die Weltkrise, die dort ganze Schichten finanziell entmachtet hat, leitet einen Prozeß der Abkehr von dem bisher allein seligmachenden Glauben an die Macht des Dollars, der Abkehr von dem Kult der Wirtschaftsführer ein. -Es vollzieht sich eine Wandlung zum Geistigen, ein Suchen nach Neuorientierung. Neben'dieser allgemeinen Umwertung hat der scharf andringende Wirtschaftsantisemitismus auch dort die bisher für einzelne europäische Länder typische materielle und seelische Judennot« herbeigeführt und die Augen für die Parallelität des jüdischen Schicksals auf den Kontinenten geöffnet. Aber während die von einem chronischen Antisemitismus heimgesuchten europäischen Länder in einem jahrzehntelangen Abwehrkampf der Juden wenigstens die ideologischen und seelischen Verteidigungsmittel, gewissermaßen > einen Panzer um die immer mehr erschütterte jüdische Position geschaffen haben, trifft die erst jetzt beginnende Auseinandersetzung der amerikanischen Juden mit sich' und ihrer Umwelt auf eing Situation, der sie völlig unvorbereitet,'' äußerlich gespalten und zersplittert, gegenübersteht. Zu 72

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