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Der Orden Bne Briss · 1932-06-01 · Nr. 5 - Juni (6.1932) · p. Seite 62

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1932
Issue
Nr. 5 - Juni (6.1932)
Date
1932-06-01
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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„Ein Hitler könnte sein Ziel wohl bei e.nem der Balkanvölker erreichen, die schon häufig den S toff für komische Opern lieferten. Aber von der ernste» Gemütsart der Deutschen kann man nicht erwarten, laß sie sieh »on einem Hanswurst regieren lassen. Eine große, erhal»eiie Nation würde das .sittliche Gefühl der NX eit verletzen, wenn sie zuließe, daß aus ihrer Regierung ein Lustspiel von Possenreißern würde.“ Unser Orclensorgan urteilt ähnlich: „Ein Sieg Hitlers würde dem'Urteilsspruche gleichen, mit welchem einst Hamann den Juden den Garaus zu bereiten suchte.- Vi enn Hitle r siegt und seine Achtung der Juden durchsetzt, dann vird Deutschland keine Veranlassung mehr haben, auf die Polen mit Verachtung herabzuhlicken. Dann wird s ich Deutschland der üblen Gesellschaft des Zaristischei Rußland und des mittelalterlichen Spanien anschli?ßeh.“ Ebenso stellt L e o n Spitz in einem Aufsatz ,G°ctbe und die Juden“ fest: ..Die Jahrhundertfeier von Goethes Todestage findet Deutschland durch und durch Unverändert hinsichtlich seiner Haltung , seinen jüc ischen Bürgern „gegenüber. Der machtvolle Einfluß v<n Deutschlands größtem Genie hat in einem Jahrhundert und darüber hinaus im Interesse von Wahrheit und Jnparteilichkeit — .Eigenschaften, mit denen Emil Ludwig Goethe ausstattet — nicht viel zustande gebrac it.“ Demgegenüber betont der neue l,eiter des Mitgliederwerbungsaussehusses, Br. Ri_chlard E. Gutstadt. bei der Installation der neuen Ldge in Cleveland Heights: „Wenn Hitler mit jedem Tage eine größere Gefahr für die Juden darstellt, wenn die Beschuldigungen “fegen uns von Stunde zu Stunde, in allen Teilen der Welt schärfer werden, wenn für die Kranken und Hilfsbedürftigen geborgt werden muß; und di« jüdischen Studierenden an «len Universitäten mit jüdischer Kultur ausgerüstet werden müssen, dann erweist sich die Notwendigkeit des Ordens B. B. viel-intensiver als je zuvor in den 90 Jahren seiner ruhmreichen /beschichte.“ \ ön Staatswegen w urde jüngst die Titigkeit unseres Ord ens im Interesse der religiösen Befriedu n-g anerkannt. Beim . J ahresbankett der IN linnesota - Loge sagte der Regierungspräsident des Stastes Minnesota, Olson : „Der Orden B. B. hat sich in der ganzen Welt ausgezeichnet — trotz jeder judenfeindlichen Regung, die an manchen Orten bestehen mag. Hauptsächlich ■ durch die Bemühungen Ihrer Organisation ist die judenfeinüliche Stimmung in Minnesota fast vollständig verschwunden. Selten —- wenn überhaupt — - höre ich jetzj irgendeinen unfreundlichen Hinweis auf das jüdische \ olk/‘ Beweis: Die „Times Picayune“ i» New Orleans haben einen kosthari-n Pokal als Preis Für denjenigen Bürger ausgesetzt, der sich um die Sta 1t am meisten \erdient gemacht hat. Als dem Vi üriligsten unter den _ Würdigen wurde diese Ehre dem Br. E d'g a r H. S t e r n, dem Schwiegersohn des jüngst verstoi bellen großen Philanthropen- Julius Rosen wald, zu »rkannt. Rosenwald wird in einem Aufsatz in der Februarnunmer von seinem Seelsorger^. Rabbin« r Dr. Louis L. M ann in Chicago, als „ein-Fürst in Israel“ gekennzeichnete Er machte sieh nicht das Mindeste aus «ler Unsterblichkeit seines Namens. Deshalb b«jstimmte er, daß die Millionen, die er für wohltätige und wissenschaftliche Zwecke stiftete, im Zeitraum von fünfundzwanzig Jahren restlos aufgebraucht werden mußten! Seine besondere Teilnahme galt den Negern; sie stellen deshalb bei ihren Kongressen sein Bild neben das ihres großen Befreiers Abraham Lincoln und haben einen alljährlichen Feiertag, den „Rosenwald-Tag“, eingesetzt. Er spendete auch reiche Mittel. für die beiden großen jüdisch - theologischen Hochschulen io Cincinnati und New York sowie für den Wiederaufbau Palästinas. jOft bezeichnete Rosenwald die Synagoge und sein Heim als die beiden Quellen, aus denen sein Wille zum Dienst an der Menschheit floß. In dem Nachruf, den ihm unser Ordenspräsident Br. A.l f r e d M. Cohen auf der „Präsidentenseite“ der Februarnummer widmet, rühmt er ihm nach, er habe siebzig Millionen Dollars für clfaritative und soziale Zwecke gespendet. Br. Cohen macht hierbei ferner bekannt, daß es nunmehr gelungen sei, den „Kaufmann von Venedig“ vom Lektüteplan der höheren Schulen in 80 verschiedenen Städten der Union, zuletzt in Syracuse (New York), abzusetzen; jede dieser Städte, bemüht sich, als „die Stadt, w;o der Haß aus- sterbem wird“, zu erscheinen. Ebenso teilt der Ordfenspräsident den Brief mit, in dem die Juden zu Sao Pfolo in Brasilien um Gründung einer „Brasilien-Loge“ bitten, „damit der jüdische Gedanke sich vertiefe, und | das jüdische Bewußtsein in den Herzen der Jugend geweckt werde.“ I In einem Aufsatz - „Ein Jahrzehnt jüdischer Nächstenliebe“ berichtet Br. Maurice J. Kaj-pf über die großen Wandlungen des Wohlfahrtswesens in U.S.A., das sich aus der Sphäre freiwilliger Mildtätigkeit zum Range sozialer Pflichterfüllung entwickelte. Zwecks sachgemäßer- Betreuung der Hilfsbedürftigen unterhält der Verband für jüdische Wohlfahrtspflege seit 1925 eine Hochschule für das jüdische HilfsWerk, die bereits 60 Sozialbeamte in die Welt hinausgeschickt hat; 400 Studenten haben sich bisherals Hörer [eintragen lassen. Vorbildlich für die Wirksamkeit des Verbandes ist der „Joint“, der seit dein Kriegsausbruch mehr als 81 Millionei» Dollars für die leidenden Juden aller Länder in Amerika aufbrachte — das größte jüdische Hilfswerk in der jüdischen Geschichte! ährend wir mit Entsetzen den Untergang der russischen Judenheit wahrnehmen, belehrt,uns ein Aufsatz, „Die Juden in der Krim“, daß zwar die Kenntnis vom Judentum schwindet, und jüdische Bräuche kaum noch gehalten werden, daß aber bei den russischen Juden viel mehr Selbstachtung und Rassenstolz als bei der mitteleuropäischen Judenheit herrscht.' Die jüdischen Siedlungen in der Krim - haben zwar keine Lösung des russischen Judenproblems gebracht; sie haben aber wenigstens die Auflösung der jüdischen Gemeinschaft verhindert. — Einzelheiten: Präsident Hoover hat den Br. Benjamin Nathan Cardozo, Mitglied I der J ordan-Coge, zum Reichsgerichtsrat an der höchsten —juristischen Körperschaft der Union ernannt. Die größte Tageszeitung, die „New York Times“, begrüßen diese 62

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