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Der Orden Bne Briss · 1932-04-01 · Nr. 3 - April (4.1932) · p. Seite 30

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1932
Issue
Nr. 3 - April (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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irückzunut gejiidisch- UI1(] ZUvjetrußils den ms Been- und ersten Monaten des Sowjetregimes nach der Oktoberrevolution 'Volkskommissar für Justiz. Seine jüdische,, Weltanschauung beruht auf einer eigenartigen Y erbindung jüdischer Religiosität, nicht zionistisch :ebundenen Nationalbewußtseins und nicht marxistisch begründeten revolutionären Sozialismus. Er ist geistiger Führer der jüdischen religiösen Sozialisten. « ' Der Andrang zu dieser Veranstaltung wa ■ ein so starker, daß der große Saal des Eogenliauses hinge vor ihrem Beginn überfüllt war ’ und Polizei befmgeholt werden mußte, um den weiteren Zustrom i dämmen. Die fast dreistündige, von den Zuhörern spanntcster Aufmerksamkeit verfolgte Aussprache vollzog sich in drei Etappen: Zunächst wurden F robleme der jüdischen Geschichte behandelt, alsdann religiöse und politische W eltaiisehaiiungsfragen letzt die Lage von Juden und Judentum in. So land. Heller definiert den Kommunismus marxistisch begriindctcir revolutionären Klasse nkampf des Proletariats zu seiner und des Bauernti: freiung mit dem Ziele,der Errichtung einer klass< staatenlosen (Gesellschaft. Das Judentum defil ierte er als die Summe der jüdischen Individuen mit-bestimmten sozialireschichtlich bedingten Inlialten. Die historische Bedeutung des Judentums sieht er in der monopolartigen Stellung seiner Glieder , als Träier der Vl arenzirkulation einerseits durch die modert e Bour-, geoisic im Yi esten. andererseits durch den ges dlsehaftlichen Produktions- und ■Konsumtionsplan im lozialistischen Rußland. Für ihn gibt es keine einheitliche jüdische Nation mehr, sondern nur noch Reste nationalen Lebens in Osteuropa, Steinberg wendet sich gegen diese Darstellung rler jüdischen Geschichte. Die Stellung der , tiden in der arenzirkulation sei weder ursprünglich' noch sei sie’ Bedingung für die Erhaltung des Judenti nts, sondern eine aufgezwungene, wie sich, schon aus der Spiegelung des sozialen Lebens im klassischen jüdischen Schrifttum und seinen Trägern ergebe, und' werde bei jeder Emanzipation ohne Gefahr für den Bestand des Judentums ■ zugunsten jeder Art geistiger um! Handarbeit verlassen. Der Jude griff zu jedem ihn ermöglichten Lebensunterhalt, um nur das in die Veibannung mitgenommene, ..Lebensprogramm“ zu verwirklichen. Steinberg fragt; Partim waren die Juden schm unter (’.aesar heeresdienstuntauglich infolge ihrer Tieue zum Sabbatli? as zwang sie zur Erhaltung des Manotheismus als Grundlage ihres „Lebensprogramms“, wenn sie ^ich durch sie sehenden Auges der Vertreibung, dem Scheiterhaufen und der Achtung auslieferten, ind zwar gleicherweise unter Heidentum, Christentum ui id Islam, wenn sie doch gleichsam mit.einem Federst]ich, der Taufe, die Sicherung ihrer sozialen Funktion erkaufen konnten, zumal bei der angeblichen Unterordmng der Ideenwelt unter die soziale Funktion der Warenzirkulation auch Ideen ihnen hätten Kaufobjekte werden können und müssen 2" -, Heller gibt auf die Frage nach der Fortexistenz des Judentums vom Standpunkt der marxistischen Welt-( anschauung folgende. Antwort: Jede nationale Gruppe prätendiert eine Sondermission für sich in der Welt. Die Religion ist eine Form der Ideenwelt einer Gemeinschaft, die Form der Religion hängt von den Ursprungsbedingungen des sie tragenden Volkes ab. Für die Juden ist ihre Religion nach Verlust ihres Territoriums der Ersatz für ihre Verfassung, gleichsam ihr Staatsgrundgesetz. Während die ükonomiseh assimilierten Schichten stets abfallen, bleiben die wirtschaftlich gebundenen Schichten dem Gesetze instinktiv treu, um sich ihre sozialökonomische Funktion zu erhalten. Bricht nun das historische Privileg der Beherrschung der Waren und Geldzirkulation zusammen, so hat die Treue zu Gemeinschaft und Gesetz Sinn und Zweck verloren und wird abgestreift. Die sozial fortgeschrittensten Kreise der jüdischen Intelligenz und die proletarischen Massen sehen im Sozialismus die Lösung der Judenfrage kraft ihrer dialektischen Erkenntnis von dem historischen Ende der sozialen Funktion des Judentums als Träger des Zirkulationsprozekses von Ware und Kapital. Die bestehenden Übergangsformen des Denkens innerhalb der gleichen Schichten und ihr zähes Fortleben erklärt Heller aus dem von Marx entwickelten Lehrsatz, daß „das Sein sich. schneller wandelt als das Bewußtsein“. In diesem Sinne hält er die auch in der sozialistischen Bewegung viel kritisierte Schrift des 25jährigen Marx „Zur Judenfrage“ (1843) für noch heute allgemeingültig. > Steinberg hält ..Marx“ Urteil in der Judenfrage, wie er statistisch belegt, auch nach steinen tatsächlichen Grundlagen für falsch, zumal Mjirx weder die jüdische Geschichte noch wesentliche jüdisrftie Schichten gekannt habe. Er wirft Heller vor, sein jüdisches Gescbichts- und Weltbild sei nicht wissenschaftlich gewonnen, sondern gehe von einer vorgefaßten Meinung aus, daß erstens der Kommunismus die einzige Lösung der Judenfrage bringen könne, zweitens, daßj der Kommunismus das Ende aller Dinge sei und Konflikte aus ihm heraus nicht entstehen könnten. Es sei also gewonnen aus einer pseudomessianischen Anschauung heraus und sei -— was sonst gerade der Gegenseite vorgeworfen werde — idealistisch und mystisch, andererseits grob mechanistisch. Das Judentum habe schon zahllose hohe Kulturen und Gesellschaftsformen erblühen' und verblühen sehen und sei nicht so leicht zu bewegen, eine Form der Lösung gesellschaftlicher Fragen als die letzte der Geschichte und ihre Anbahnung als seine Ablösung und mit der Erlösung seiner Glieder seine eigene Auflösung notwendig^ bewirkend anzuerkennen!. Für den „Tausend-Jahr-Plan“ der jüdischen Geschichte sei auch der Kommunismus als Kampf- und ‘Gesellschaftsform nur eine Episode. Der Judenhaß richte sich übrigens seit alten feiten stets gegen alle sozialen Schichten der Juden. Auch in f 30

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