Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1932
- Issue
- Nr. 1 - Januar (1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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m mmm mm Berlin, Januar 19.32 2 (32J0 ^UtteUtw^m (Eingetragen?* Berein. I'.igrner Verlag der Crotloge. ■— Büro: W 62, Kleiststraße 12. — Telcpliorf: Aint Nachdruck sämtlicher Artikel aus diesen Mitteilungen verboten. Blick auf Goethe. — Im Gbethe-Jahr 1932. — Bert hold Auerbach. — Bj. Juliü Ueberfeicht. — Zeitschriften anderer Distrikte. — Bücherschau Blick auf Goethe tost« iHtfiHn «SS** von Arnold Zweig ea BücJr gtlfrr Ci^ütilhbk 4* C-cmei,Hfg Nummer 1 Goldsc bmidt — Kurze Ein späterer Chronist der deutschen Geistesereignisse wird vielleicht vermerken, daß zwar das Jahr 1932 einen Höhepunkt öffentlicher Goethe-Verehrung zur Schau stellte, daß aber, wie e@: im Leben zu sein pflegt, dieser äußere Aufschwung den begonnenen Abstieg und Verfall verdeckte, lind daß Goethe als geistiger Regent Deutschlands im Jahre 1914 auf der Höhe war. In der Tat, niemand außer unseren Altersgenossen wird ermessen, mit welch religiöser Ehrfurcht, mit welch unbedingter Hingabe der allgemein gebildete Mensch im Vorkriegsdeutschland zu Goethe aufsah. Seine gesammelten Werke, seine Aufzeichnungen und Maximen, Tagebücher und Briefwechsel bildeten eine Bibel, die Bibel des gebildeten Deutschen. Jeder seiner Aussprüche galt unbedingt, ein Goethezitat wirkte zwingend wie ein logischer Schluß. Weder Friedrich Nietzsche noch Kant, noch gar Karl Marx, noch auch die eigentliche Bibel vermochten es an Autorität mit den Äußerungen Johann Wolfgang Goethes aufzunehmeni; und Goethe-Kritik, von welcher Seite sie auch immer kam, machte denjenigen lächerlich, der sie versuchte. Kur im behutsamen und ehrerbietigen Tone eines zärtlichen Liebhabers durfte sie vorgebracht werden — eines Verehrers, der zugibt, seine Freundin habe zwar Sommersprossen, die ihr aber reifeend ständen. Au<jh muß unterstrichen werden, daß Goethe-Kritik in jene} Zeit nur) von einer einzigen Seite ausgeübt wurde): nicht von marxistischer, kaufen auch von protestantischer —1 nur von katholischer. Dabei schadete es der katholischen Kritik, daß feie gegen den Sinnenmenschen Goethe los^ing und ihi|i gerade dort am heftigsten angriff, wo er! am befreiendsten gewirkt hat: in seinem großartig gefehlten 'Pjmtlieif mus nämlich, und weilW Fenster und Türen dernyuffigen deutschen Schlafzimmermoral aufriß.j Daß jim lj?, Jahrhundert Börne und Heine an der Erscheinung Gojethjes bittere Kritik geübt hatten, schrieb der Gebildete biitleidig lächelnd der literarischen Nebenbuhlerschaft dej beiden jüdischen Schriftsteller zu, die um ihrer’ eigeheft Sturm- und Drang periode willen den erhabjenjen jjujpiter Olympios vor Weimar in den Hintergrund ztu rücken hatten. Für den geistigen Deutschen der Vorkriegszeit war‘Goethe ein kanonischer, Heiliger, unantastbar, selbst in seinen Schwächen. Die Publikation desjCundolfsehen Goeth i etwa zeigte diesen Höhepunkt literarhistorisch an; für intimere Kenner aber durfte < r in {G istav Landauers Aul - satz „Goethe als Pojlitiker‘1 e rreicjit. sein, in dem es ei r sozialistischer Denker und Täter| unternahm, Goeth« s politische Weisheit zu retten undizi glorifizierenj— eia Revolutionär, ihn kiihnlich fi r di^ Sache der Revolutioa in Anspruch zu nehmen.