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Der Orden Bne Briss · 1931-11-01 · Nr. 10 - November · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 10 - November
Date
1931-11-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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bloßer Schein, wenn es allen so. dünkte. Br. Timendorfers liebenswürdige Würde war nicht bloß eine Kunst des Zusammenseins mit Menschen und der Menschenbehandlung. Sie war die Wirklichkeit seines Wesens und c aher ungesucht und ungewollt; sie war ein -wahrer Ausdruck seiner Güte, der herzlichen Warme seiner Natur. Es war ihm ein innerstes Be iürfnis," die Menschen zu erwärmen, ihnen Liebt s zu sagen und Liebes, zu tun. Alle seine Reden, auch die feierlichsten, »waren von diesem innigen Verlangen bestimmt. Die Freude, die er ar sich hatte, wollte er den Menschen auch gebe 1. Er war darum beides: nicht nur liebenswürc ig, sondern auch liebensw ert. Sow ohl dieses eil e, das sich in die Formen des Daseins erstreckt,- wie das andere, das dem Seelischen zugehörig das Anmutige wie das Wohltuende, war ihm eigen. Ln einem offenbarte sich dieses Echte seines Wesens wohl am eigentümlichsten und tiefsten. Es wird immer für den "Menschen, de auf einem Platzevor anderen stand, kennzeichnend, wie er zu seinem Nachfolger, der neben ihn tritt, die innere Beziehung bewährt. Für den einen Menschen kann es fast eine Tragik seines Lebens bedeuten, daß er nun den, der ihn ersetzen soll, neben sich sieht, für den anderen hann es ein Glück seines Lebens'werden. Für Br. Timendorfer ist es dieses Glück geworden, ein Glück, das er selbst -bereitet hat; er hat es. >o gegeben. i‘s so geschenkt. Er sah fn dem, der seinen Platz nun einnahm, nicht sowrohl den Nachfolger als gewissermaßen den Nachkommen, den Sohn^ mit der oft rührenden Bedachtheit und dem sorgenden Wunsche, mit der Neidlosigkeit des Vaters und der Mutter gegenüber dem Kinde. Auch hier hat er diese seltene Gabe der Freude am andern, der liebenswürdigen Liebp zu ihm offenbart. W as Br. TimendoTfer gescha'ffen Arbeit und Mühe er. ohne es je w zu lassen, Jahrzehnte hind.urch um d hat, welch ahrnehmen?r Gesamtheit wrillen auf sich legte, welch Opi er an Zeit, an Erwerb und Besitz er ihr brachte, Stück der Geschichte unseres Ordensi leals. Aber ebenso hat in dieser Geschichte den Platz das, was Br. Timendorfer war, seiner Persönlichkeit. bleibenden dieses Bild Am 5. Oktober 1931 ist nach sehw den — wie wir bereits in der v Nummer mitteilten — unser allvere lieber Br. Ehrengroßpfäsident Berthol 1 dorfer von uns' geschieden. das ist ein erem Lei-- ^rgangenen hrter und Timen- Wir bringen im Anschluß an die Würdigung der Persönlichkeit aus der Feder des Br. Großpräsident B a e c k die folgenden Notizen über den Lebenslauf des unvergeßlichen Führers, um sie auch an dieser Stelle der Erinnerung zu bewahren. Berthold Timendorfer, am 1. September 1853 in Rosdzin, Kr. Kattowitz, geboren, bestand im Jahre 1873 id Ratibor das Abiturienten - examen, im Jahre 1877 in Berlin das Referendar- und 1882 das Assessor-Examen. Seit dieser Zeit war Br. Timendorfer ununterbrochen in Berlin als Anwalt tätig. Im Jahre 1898 wurde er zum Notar, 1910 zum Geheimen Justizrat ernannt. 1905—1911 war er Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde. Er führte den Vorsitz in denI vereinigten Synagogenvorständen und in der Fürsorgekomrhission. Er war Mitbegründer des Hilfsvereins der Deutschen Juden, seit 1901 Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses, von 1908—19$ 1 stellvertretender Vorsitzender. Dem Zentralkomitee des Hilfsvereins gehörte gr bis zum Todp an. — Br. Timendorfer war ferner 1910 Vorsitzender der Konferenzgemeinschaff der Alliance Israelite universelle, 1917—1921 Vorsitzender der neu begründeten Zentralwohlfahrtsstelle, 1919—1926 Mitglied des Verwaltungsvorstandes des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums u. a. m. Die Ehrenämter in den verschiedenen Organisationen und Vereinen legte Br. Timendorfer nach und nach nieder, um seine Kraft dem rOBB ganz /widmen zu können. Am 5.11. 1883 trat ey in die Berthold Auerbach-Logo ein, bekleidete wiederholt das Präsidentenamt und wurde 1893 Vizepräsident der Großloge. Nach dem Rücktritt des Br. Maretzki s. A. wurde Br’. Timendorfer am 20. Februar 1898 zum Großpräsidehten gewählt, welches Amt er bis zum 16. November 1924 innehatto. Unter der Leitung Timendorfers hat sich der UOBB in Deutschland glänzend entwickelt: die Zahl der Logen stieg von 33 (i. J. 1898) - auf 102 im Herbst 1924, die Zahl der Mitglieder von 3274 auf rund 14500. Die mannigfachen sozialen Schöpfungen, die von dem UOBB während des Krieges, sowie vorher und nachher ins Leben gerufen wurden, haben in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen Beachtung und Anerkennung gefunden. Für dtfs Gedenkwerk über „Soziale Kultur und Volks- — 150 —

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