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Der Orden Bne Briss · 1931-09-01 · Nr. 8 - September · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 8 - September
Date
1931-09-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Leibniz-Loge, Hannover. Aisdem Bericht des Präs. Br. Richard Weil über den Termin 1930.31. Die Sonderaufgabe der Log« bestand darin, das Interesse des deutschen Bruderkreises für die Israelitische Gartenbauschule Ahlem zu erweitern. Der Leibniz-Loge ist es geglückt, < en voraussehenden Gedanken des Gründers, Br. M jritz Simon, — Berufsumschichtung der Juden — durch alle Fährnisse der Inflation und deren Nadiwii kungen hindurdizusteuern. Unter heutigen \ erhält lissen ist aber auch diese Anstalt, die die- Zöglinge neben der naturgemäß besonderen gärtnerischen Ausbildung auch in t’edem anderen Handwerk unterrichtet, gefährdet. )ie Loge veranschaulicht-daher das Leben und Treiben der Jungen, die Gebäude und Einrichtungen usw. in einem Film, der in vielen Logen unter einem begleitenden Vortrag vorgeführt wurde. Außerdem wird eine Druckscrift an Brüder versandt, die der Vorführung nicht beiwohnen können. Mit diesen Unternehmungen wird bezweckt, möglichst viele junge Ueute zu bekommen, für welche Eltern, Logen oder andere Organisationen den Beitrag sicherstellen können, um die Anstalt lebensfähig zu erhalten. Tatsächlich sind auch bereits Erfolge erzielt worden. Es wird aber um reges weiteres Interesse, Beitrkge und Zuführung von jungen Leuten gebeten, unt diesem, dem Judentum und der Logenidee i dienenden Werk wertvolle Verbreitung verschaffen zu können. Gabirol-Loge, Berlin, berichtet über ihre Tätigkeit im Termin 1930 31. « Da kurz nalch der Begründung der Gabirol-Loge — Ende Juni $930 mit 28«Brüdern der ehemaligen Jehpda Halevi-Iioge — die Ferien einsetzten, vereinigten sich die Brüder während der Sommermonate in privaten Zusammenkünften, in denen neben Vorträgen hauptsächlich die [Arbeit des Winters und das Verhältnis der| Loge zu den Frauen besprochen wurde. | Der Anregung des Beamtenrats-, zur Erzielung engeren Zusammenschlusses gemeinsam etwas zu lernen, wurde zugestimmt. Zu diesem Zweck wurde die Bibel gewählt, die Anlaß zur Behandlung verschiedener Theinen bot. Jüdische Fragen, das Palästina-Problem^ das Neue Testament usw. wurden in offenen und zqm Teil Gemeinschaftslogen mit der Akiba Eger- und Spinoza-Loge behandelt. Bücherschau. 6» Selbsthaß.« (Jüdi- Theodor Lessing. »Jüdischer scher Verlag, Berlin.) Theodor Lessings eigentümliche Kritik der Geschichte ist bekannt: in seinem ~ jetzt neu bearbeiteten — Werk »Europa und Asien, der Untergang der Erde am Geist« ist die Hauptsache schon ira Titel schlagworthaft ausgedrückt, i Ohne seine Stellung, zum Judentum zu kennen, geht hieraus deutlich hervor, wie er die Juden sehen muß: als die Gruppe, die den Zu;tand der Euröpäisierung, Bcwußtmachung. Vergeistigung früher als •andere erlitten und an der sich die Zeichen dieses zersetzenden Endprozesses deshalb auch zuerst zeigen. Eines dieser Symptome ist ih n der »Selbsthaß«, die Negation der eigenen Existenz — etwas, was der ' absolut Gesunde niemals kennen kan'n, was aber nach Lessings ausdrücklicher und wiederholt ausgesprochener Meinung durchaus kein spezifisch jüdisches Phänomen ist. Deutlich ist in diesem Buch ein autobiographischer Zug: auch Lessing muß als junger Mensch sich in leidenschaftlicher Abwehr geger das Judentum dem Deutschtum völlig hingegeben haben. Und aus diesem eigenen Erleben gestaltet ei die 6 Lebensgeschichten. — Lebenseeschiehten meist von Jünglingen, deren von*aufien völlig unbegreifliches Sichselbstaufgeben aus jener inneren Negation des eigenen Seins, dem tötlichen »Selbsthaß« gedeutet wird. Doch es sind nicht alles jugendliche Selbstmörder — er zeigt auch den Selbsthasser, der seinen langen einsamen Leidensweg bis zum »natürlichen« Ende geht: Maximilian Harden. Nicht alle Lebensbilder sind gleich überzeugend: bej einig;n ist das authentische Material doch nicht genügen J, um die Lessingsche 'Lebensdeutung zu. beweisen. Aber es bleibt genug, um jeden Leser an irgendeiner Stelle zu packen, wo er bisher Unverstand« ne Regungen der eigenen Seele erschreckend zu verstehen glaubt. Wenn Lessing, seine These wirklich* sei tagend hätte beweisen wollen, dann hätte frei! ich unter seinen »symbolischen Gestalten« die jütische Frau nicht fehlen dürfen. Gewiß, wir könenn aus dem Mutterhaß dieser Söhne wohl einiges schließen, aber gerade für Lessing hätte sich die völlige Zerstörung seelischer Substanz nicht drastiscier zeigen lassen als in der Selbstzerstörung der Frau. Einen geringen Ersatz für diese Lücke bieten di« in den »Anmerkungen« ohne biographischen Kommentar abgedruckten Tagebuchbrucnstücke, die freilich für jeden Erzieher erschütterndes Material bringen. In der seelischen Haltung und Diktion erinnern sie stark an das ünter dem Pseudonvm »Sir Galahad« vor einigen Jahren erschienene und für jeden als Produkt ähnlichen Selbsthasses durchschaubare Buch »Idiotenführer« — ein seinerzeit nicht genügend beachtetes Dokument! Lessings Schlußfolgerung ergibt sich eigentlich schon aus selneil Problemstellung: Heil ist nur möglich in einer Umkehr, Rückkehr zum Volkstum — nicht zum Natio lalismus — Abkehr, von der eizwungenen Naturlosigkcit und Lebensentfremdung. Er deutet an, daß seine »Symbolischen Gestalten« einer Zwischengeneration angehörten, in der gegenwärtigen jüdischen Jugend eine entgegengesetzte Haltung immer selbstverständlicher werde. Trotzdem wird jeder, den heute als Erzieher, als Politiker, als tätig Teilnehmer den die Zukunft der jungen jüdischen Menschen beschäftigt, reiche Anregung aus diesem merkwürdigen Buche empfangen. Dr. Dora Edinger. »Die Singermanns«. Roman von Myron B r i n i g. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Lisa H. Lons. — Verlag: A. Sponholtz, G. m. b. H., Hannover. Die Singermanns, das ist der Aufstieg und der Abstieg einer ostjüdischen Familie. Das Bild des Herauswaihsens laus dem alten Milieu, aus “der ollen Vätergesinnung und Gewöhnung, in die neue Zeit mit allen ihren [Erregungen, Leerheiten und Schönheiten. Mit allepi, das so ganz anders ist. Der alte Gegensatz Väterl und Söhne wird hier, ohne besondere Umbiegung Ins Analytische, leise in das jüdische Leben verpflanzt. A ielerlei Milieu: Altes gebundenes Judentum mit starren G«?danken..i und die neue, aus d^r Gewohnheit herausexplodierende Die Tendenzen der Auflösung der Familie wirken sich aus, setjzen sich durch und zersetzen. Die gebundene Art i des jüdischen Weibes aus dent Ghetto bekommt! ihren Gegensatz in der lieblichen Tochter des Hapses. Alles erblüht ganzanders, ganz anders als cs im Dorfe Rumäniens jemals hätte sein können. — Der Roman, ein tendenziöses Seelengemälde der Assimilitationskraft und der Assimilationskatastrophe einer jüdischen Familie. Aber ein nicht kraß gepredigtes Gleichnisl Und doch auch nichts weniger als romanhaft, diese Erlebnisse gleichmütige^ tätlicher Art. Von der Einschiffung 122

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