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Der Orden Bne Briss · 1931-09-01 · Nr. 8 - September · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 8 - September
Date
1931-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Berlin, September 1931. I Nummer 8 GSingetragenec Bereit!. »Ci ^UtteUutt^en . &zo$fo0£ für IlfltMi Benag Hn «roßlflut. fmtan: 8062, $lfi|t|traßt 12. (SelepDim: }mt8& fartarona 4619 BaßrOieikbaiitii: Benin 16338 Hariibruift ntmt(td|er Brtthcl au« biefett Ätttetlungm bBtbrt'tn. Inhalt: Ein Wort der Hoffnung. — Zur Tagesordnung in den. Logen. — Kritisches. — Kurze Mitteilungen. Kurze Uebersicht. — Aus anderen Distrikten, -r Zeitschriften anderer Distrikte. — Logenberichte. Bacherschau. Ein Wort der Hoffnung. \on Leo Baeck. ■ . Wir leben in der Zeit einer Krisis, an der es das Eigentümliche, das bisweilen Erschreckende . ist. daß sie nicht nur ein bestimmtes Gebiet unseres Daseins erfaßt, sondern sich auf den ganzen Inhalt, fast auf den eigentlichen Sinn unseres Lebens erstrecken will. Es wilj scheinen, daß es nicht eine Krisis der Daseinsformen und der Daseinsverhältnisse bloß, sondern eine Krisis des Menschen ist, von der unsere Tage erfaßt worden sind. Daher können heute nicht neue . Mittel, neue Ordnungen und Einrichtungen, wenigstens nicht sie allein, die Hilfe und Befreiung bringen. Wessen wir bedürfen, ist das neue Leben, der neue Mensch, oder was dasselbe meint, eine Umkehr zu wahrem Leben, wahrem Menschtum, zu ihnen, die'in jeder Zeit dieselben sind. , ■ * Es ist kein Zweifel, daß in vergangenen Tagen der Besitz und seine Sicherheit und die durch ihn ermöglichte äußere Gestaltung des Daseins zu sehr den Wert des Menschen bedeuten i wollten. Fast immer bestimmten sie das Maß der Anerkenung;' äic bezeichneten es für die anderen, die bewundernd zu solcher Geltung emporblickten, und sie bezeichneten es für den Besitzenden selbst, der durch das, was er hatte, seiner selbst gewiß und von seiner Vortrefflichkeit irn Denken und Handeln überzeugt wurde. Die Habe wurde zum Merkzeichen und zur Bürgschaft der Würde und auch der Weisheit. Es ist begreiflich, wie sehr das Urteil 'über wirkliches J Menschentum und damit dieses selbst hierdurch beeinträchtigt worden sind, wie viel von wahrer Achtung anderer und wahrer Selbstachtung hiermit verloren ging. Durch die Minderung und'das Schwanken des Besitzes ist in das Leben vieler so manches Hangen und, was noch mehr besagt, so manche Unstetigkeit hineingetragen, ist ebenso dem Leben ~ nicht weniger so manche Möglichkeit genommen worden, auch so manche Möglichkeit, beizustehen und mitzubauen. So viele Sorge um Menschen und um Werke spricht daraus hervor. Aber zum igentlichsten Leid würde das alles werden, erst wenn darunter alle Gewißheit und Ueberzeugtlieit schwände, wenn der,1 welcher nun weniger hat, vermeinte, daß er darum weniger oder nichts Dcdeute, wenn der, welcher nicht mehr alles, hat, was er einst hatte, jetzt glaubte, daß er ein zu Geringes vermöge, und wenn die, welche zu dem Erfolgreichen aufblickten und ihm Geltung zolllen, nun sie ihm abzuerkennen begännen, da der Erfolg sich von ihm abzuwenden anfängt oder ihn verläßt. . Alle die sorgenvolle Wandlung, die wir erleben, könnte, im Gegenteil, einen Segen mit sich -ühren, wenn sie dazu hinleitete, hinter dem Besitze dem eigenen und dem des anderen, und hinter der Besitzlosigkeit den Menschen zu suchen, ihn sehen zu wollen, um auf ihn zu achten. Sollten wir das mehr und mehr lernen, wieviel Beruhigung und Befriedigung könnte, trotz allem.' dann gebracht sein, wieviel Gewißheit könnten wir dann wiedererlangen, Gewißheit von uns und Gewißheit an anderen. Die Minderung, des allgemeinen Besitzes könnte mannigfach eine Bereicherung geben, wollten wir alle dieses Eine zu eigen nehmen, was der Blick auf den Besitz uns so oft vorenthielt: die Verachtung alles Unmenschlichen und die Beachtung alles Menschlichen. Das eine wie das andere kann hinter dem Reichtum wohnen und wohnen auch hinter der Armut. — 113 —

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